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Kultur

Bedenkenfrei forschen in Singapur

Singapur hat kaum Forschernachwuchs. Deshalb macht das Land Milliarden Dollar locker und wirbt um ausländische Biomediziner - auch aus Deutschland. Die Behörden locken mit klarem Konzept und wenig ethischen Bedenken.

Freundlich und bürokratiearm:
Wissenschaftsparadies Singapur

Kolonnen von Arbeitern wuseln herum, als ginge es um ihr Leben. Die fünf Bauten von Phase II des Projektes Biopolis wollen die Behörden des südostasiatischen Stadtstaates Singapur in nur wenigen Monaten aus dem Boden stampfen. Und der junge deutsche Chemiker Jan Jiricek zweifelt keine Sekunde daran, dass sie das auch schaffen. Schon das Gelände von Biopolis I ist ein gigantischer Park biomedizinischer Forschungsinstitute. Bisheriges Investitionsvolumen: 300 Millionen Euro.

Willkommen, ihr Forscher

Abwärts geht's im Inselstaat nur selten

Aber es geht nicht nur ums Geld. "Wenn Sie beispielsweise in einem Taxi fahren, dann sagen die Leute: Schön, dass Sie nach Singapur kommen", berichtet Jiricek. "Das ist das erste Mal, dass ich das Gefühl habe, dass meine zehn Jahre lange Ausbildung wirklich respektiert wird."

Denn mit peppigen Werbeaktionen macht Singapurs Regierung ihrer Bevölkerung klar, was kompetente Bioforscher bedeuten. "Biopolis ist neu, ist jung. Leute aus der gesamten Welt werden mehr oder weniger überzeugt nach Singapur zu kommen, um hier Pharma oder Biomedizin aufzubauen", erzählt Jiricek.

Viel Geld, wenig Bürokratie

Neben Hightech wird auch traditionelle chinesische Medizin geschätzt

Die Erforschung von Genen, Proteinen oder Stammzellen und die Entwicklung neuer Therapien sollen den Wohlstand des Tigerstaats im 21. Jahrhundert sichern. Geldmangel in der Forschung oder ethische Bedenken sind hier ebenso wenig Thema wie Bürokratie oder Tierversuchsgegner, sagt Jiricek: "Man spürt hier irgendwie die Aufbruchstimmung. Das ist in Deutschland vielleicht nicht so."

Antibiotika als Aufgabe

Anfang 2005 zog es ihn nach Singapur. Als Chemiker boten ihm weder die deutsche Forschungslandschaft noch die Industrie eine reizvolle Aufgabe. Nun forscht er für den Pharmakonzern Novartis im Institut für Tropenkrankheiten. Dort suchen Wissenschaftler einerseits nach Mitteln gegen das Dengue-Fieber - eine Viruserkrankung, die jährlich 50 Millionen Menschen trifft. Andererseits fahnden Jiricek und seine Kollegen nach neuen Antibiotika gegen die Tuberkulose.

Für den Deutschen bedeutet die Aufgabe mehr als nur einen schnöden Job: "Fühlt man sich nicht besser, wenn man etwas auf den Markt bringen kann, was den ärmsten Ländern der Welt irgendwie weiterhilft? Dass man sagt, wir machen das, damit Millionen von Leuten, die nur einen Dollar am Tag verdienen, auch die Möglichkeit haben, für ihr Leiden eine Medikation zu bekommen?"

Singapur fehlt der Nachwuchs

Boomtown Singapur

Im Blitz-Tempo ihres Umfeldes haben Jiricek und seine Kollegen schon nach wenigen Monaten zwei Medikamente entdeckt, die zumindest in Zellkulturen die Tuberkulose-Bakterien abtöten können. Sein Wissen gibt der Deutsche jetzt an junge Singapurianer weiter.

Eigene kreative Köpfe heranzuziehen - das ist im autokratischen Stadtstaat bislang nicht ausreichend gelungen. "Wenn man es zukunftsträchtig haben will, dann muss man auch überlegen, dass genügend Nachwuchs bereitgestellt wird. Und Singapur sieht das durchaus, um auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein", erklärt der Chemiker. Von den Studenten, die zu ihm ins Praktikum kommen, ist er begeistert: "Das sind hoch ausgebildete, motivierte Mitarbeiter", sagt Jiricek - und trottet nach dem Mittagessen in der Kantine aus edlem dunklen Holz durch die gläsernen Schluchten von Biopolis zurück in sein wissenschaftliches Domizil, ohne einen Gedanken an eine Rückkehr nach Deutschland zu verschwenden.

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