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Wirtschaft

Baustelle Ground Zero

Während die deutsche Bauindustrie schwächelt, gibt es in New York viel zu tun: Branchenprimus Hochtief engagiert sich bei den Aufräumarbeiten nach den Terroranschlägen.

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Aufräumarbeiten in Manhattan

Der Arbeitsplatzabbau in Deutschland geht weiter. Allein die krisengeschüttelte Baubranche will in den nächsten Monaten 100.000 Stellen streichen. Davon betroffen ist auch der größte deutsche Baukonzern Hochtief: Das Unternehmen kündigte nach dem Abbau von 1.700 Arbeitsplätzen auch für das kommende Jahr zusätzliche Sparmaßnahmen an und schließt weitere Entlassungen nicht aus. Ganz anders sieht die Situation in den USA aus, wo Hochtief inzwischen 60 Prozent seines Geschäfts macht.

Aufräumen in Manhattan

Besonders in New York gab es für die Baubranche und die amerikanische Hochtief-Tochter Turner nach den Terroranschlägen wider Erwarten viel zu tun. "Wir hatten alle gedacht, das bricht nach dem 11. September an vielen Stellen weg", sagte Hochtief-Vorstandschef, Hans Peter Keitel auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns in Düsseldorf. "Das Gegenteil ist der Fall, besonders in Manhattan. Sie müssen sich vorstellen, dass Turner nicht nur Ground-Zero aufräumt, das ist eine wesentliche Tätigkeit, sondern acht oder neun der großen Hochhäuser rund um Ground-Zero innerhalb weniger Monate stabilisiert und renoviert hat."

Belastende Arbeit

Gleich nach den Anschlägen dachten die Turner-Mitarbeiter Keitel zufolge jedoch nicht an Aufträge oder Proft, sondern boten den New Yorkern die Unterstützung durch ihre Bauexperten an. "Wir haben spontan geholfen und nach dem Schock der ersten Tage dann als Mitarbeiter von Turner, die im Auftrag der Stadt New York mit Aufräumen, Stabilisierungs- und Reparaturarbeiten befasst waren." Die Mitarbeit am Ground Zero beschäftige die Beteiligten bis heute, betonte Keitel: "Sie hat nicht zuletzt deutliche Spuren hinterlassen, auch in der Psyche derer, die in diesen vielfach bis heute brennenden Ruinen - dort herrschen noch immer über 1.000 Grad - nicht nur Bautrümmer beseitigen mußten, sondern vieles mehr."

Bürofläche bleibt Mangelware

Der Einsatz der Hochtief-Experten blieb bei den New Yorker Politikern nicht unbemerkt. Turner erhielt in der Umgebung von Ground-Zeros einige lukrative Aufträge: Es galt 1,5 Millionen Quadratmeter Bürofläche zu ersetzen und nochmal die gleiche Fläche auszubessern. Das entspricht einem Areal von 70 deutschen Bürogebäuden, sagte Keitel: "Das sind Riesenbauaufträge: One Liberty Plaza, Wintergarden, Deutsche Bank Building, amerikanische Börse. Und Turner hat in Manhattan zehntausende von Quadratmetern Büroraum durch Ausbau älterer Bürogebäude innerhalb von wenigen Wochen zur Verfügung gestellt."

Global präsent

Das Engagement von Hochtief in den USA zeigt die internationale Ausrichtung des Konzerns: Inzwischen wird nur noch ein kleiner Teil des Geschäfts in Deutschland abgewickelt. Dennoch verhageln die negativen Inlandsergebnisse die positiven Resultate aus Übersee. Dort stieg der Auftragseingang bei Turner nach Hochtief-Angaben gegenüber dem Vorjahreswert um 30 Prozent auf rund 13 Milliarden Mark. Der Umsatz der US-Tochter werde sich dem Unternehmen zufolge auf mehr als zehn Milliarden Mark in diesem Jahr belaufen.

Dennoch geriet Hochtief nach den Terroranschlägen auf die "Twin Towers" an der Börse kräftig unter Druck. Inzwischen hat sich der Aktienkurs des Baukonzerns jedoch schon wieder erholt.

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  • Datum 05.12.2001
  • Autorin/Autor Christian Beckmann/mik
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1S5t
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