1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Baumwolle vom Experimentierfeld

Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Welt, hat als erster Staat Westafrikas Versuche mit gentechnisch veränderter Baumwolle zugelassen. Klaudia Pape hat Gegner und Befürworter der Grünen Gentechnik besucht.

default

Auf dem Land in Burkina Faso


Wenn die afrikanische Sonne glühend im Staub Houndés untergeht und alles in ein rötlich warmes Licht taucht, dann kommt auch Francois Tani manchmal zur Ruhe. Seit er acht Jahre alt ist, arbeitet er auf den Baumwollfeldern. Als Kind, erinnert sich der große, stattliche Mann, sei er einer der besten Schüler seiner Klasse gewesen. Aber sein Vater hatte kein Geld, um ihn weiter zur Schule zu schicken. "Es gibt immer viel zu tun: düngen, säen, spritzen, ernten, verkaufen - das heißt: ein Baumwollbauer arbeitet zwölf Monate im Jahr, ohne auszuruhen." Im Mai wird es extrem heiß, in der Regenzeit droht Malaria, die Insektizide tun ein Übriges, denn Schutzkleidung kann sich kaum jemand leisten.

Der Baumwollanbau geht zwar an die Substanz, aber er lohnt sich, meint Francois Tani. Der 40-Jährige hat sich im Laufe der Jahre einiges erarbeitet: Tani besitzt ein Fahrrad,

Baumwollpflanze

Baumwolle - die Gentechnik sieht man ihr nicht an

hat zwei Frauen geheiratet, kann alle seine fünf Kinder zur Schule schicken und er konnte sich - vor fünf Jahren - auf Kredit einen kleinen Traktor leisten. Allerdings ist dieser bescheidene Wohlstand seit einiger Zeit gefährdet. Denn die Preise für Saatgut, Dünger, Pestizide und Landtechnik steigen, während die Baumwollpreise immer weiter fallen. In dieser Situation sieht er nur eine Rettung: die grüne Gentechnik. SOFITEX, die mächtige Baumwollgesellschaft des Landes, bei der er - wie alle Bauern der Region - sein Saatgut kauft, und seine Ernte abliefert, hat ihn darüber informiert. "Der Landwirtschaftsminister hat es gesagt: Wer genmanipulierte Baumwolle anbaut, dem wird es besser gehen", sagt Tani.

Die Erfolge der Wissenschaft

Im Westen Burkina Fasos liegt - wie eine Oase - Farakouba, die Station des nationalen Forschungsinstituts INERA. Hier leben bunte Vögel, seltene Insekten und glückliche Kühe; Die Luft ist klar und die Vegetation üppig.

Maisfeld, Biobauer, Landwirtschaft

Wo ist der Unterschied?

Zwischen Maniok-, Mais- und Hirsefeldern war hier bis vor kurzem Gentest-Sperrgebiet: Ein Feld war komplett abgeriegelt und zugehängt. Inzwischen ist die genmanipulierte Baumwolle geerntet und befindet sich - zur Analyse - in den Forschungslabors. "Vielleicht haben Sie ja erwartet, hier Tiere zu finden mit drei Köpfen oder mit sechs Füßen. Aber es ist ein Feld wie alle anderen", sagt Dr. Oula Traoré von INERA. Er lacht und scherzt gerne - obwohl ihm die Baumwollgesellschaft SOFITEX und die Agromultis Monsanto und Syngenta einen Auftrag erteilt haben, der es in sich hat.

Traoré und sein Team sollen alles über die genmanipulierte Baumwolle herausbekommen: ob die Gene tatsächlich den gefräßigen Schädlingen den Garaus machen, ob die Erträge verbessert werden können, ob die Qualität stimmt, wie weit

Baumwollpflanzen

die Pollen fliegen, ob andere Pflanzen kontaminiert werden können, in welche lokalen Baumwoll-Sorten das Gen am besten eingekreuzt werden sollte. Die erste Versuchsphase liegt bereits hinter ihm. "Nach zwei Jahren Forschung konnten wir feststellen: Das Gen wirkt gut gegen die wichtigsten Schädlinge. Und die Erträge sind gestiegen, zwischen 20 und 28 Prozent." Außerdem hat Traoré herausgefunden, dass in 10 bis 15 Metern Abstand vom Genfeld keine transgenen Anteile in anderen Pflanzen mehr nachweisbar sind.

Lesen Sie im zweiten Teil, warum nicht alle - auch nicht alle Wissenschaftler - von der Gentechnik begeistert sind.

Die Redaktion empfiehlt