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Deutschland

Bauer und Manager - wie ein moderner Landwirt arbeitet

Rüben und Getreide auf dem Feld, Preiskurven und Entwicklungsdiagramme auf dem Computerbildschirm – die Arbeit der Bauern hat sich massiv verändert. Besuch bei einem Landwirt aus der Generation Wachstum.

Der Hof von Stefan Hetzer in Aldenhoven (Foto: Michael Borgers)

Der Hof von Stefan Hetzer in Aldenhoven

Aldenhoven in der Jülicher Börde. Nur wenige hundert Meter von Landstraße und Bundesautobahn entfernt arbeitet Stefan Hetzer. Auf dem Weg zu seinem Hof passiert man den Merzbach. An ihm gewannen die Menschen einst Wasserenergie. Erneuerbare Energien spielen auch heute wieder eine große Rolle in den Planungen des jungen Landwirts. Der 28-Jährige beginnt seinen Arbeitstag im Büro. Am Computer kontrolliert er morgens die neuesten Preise. Was kosten Düngemittel gerade? Wie viel ist der eigene Weizen auf dem internationalen Markt wert? "Man muss immer aktuell sein. Tagesaktuell", sagt er.

Der Zeitaufwand fürs Management wird immer wichtiger, sagt Stefan Hetzer (Foto: Michael Borgers)

"Der Zeitaufwand fürs Management wird immer wichtiger", sagt Stefan Hetzer

Noch vor zehn Jahren sei es auch ohne Internet gegangen. Doch seit dem vergangenen Jahrtausend, als Stefan Hetzer noch für sein Abitur lernte, hat sich viel getan - in der Landwirtschaft und in seinem Leben. Nach Ausbildung und Studium übernahm Stefan Hetzer einen Teil des Familienbetriebs. Gemeinsam mit seinem Vater Peter bewirtschaftet er den Hof, den sein Großvater Martin in den 1950-er Jahren gegründet hatte. "Opa lebt leider nicht mehr. Aber ich glaube, käme er zurück, würde er sich erstmal wundern."

Mehr Land für immer weniger Wirte

So hat sich die Ackerfläche alleine in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt; 90 Hektar sind es inzwischen. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe rund um Aldenhoven dagegen hat sich seit damals halbiert. Immer weniger Landwirte kümmern sich um immer mehr Land. Möglich ist das nur, weil gleichzeitig die Möglichkeiten der Technik wachsen. 120 PS ist der größte Traktor auf dem Hof der Familie stark. Geradezu wenig sei das, sagt Stefan Hetzer. Auf anderen Höfen kümmerten sich Kollegen mit 360 Pferdestärken um viel größere Flächen.

Zuckerrübenanbau für den Lebensmittelhandel gab es schon zu Zeiten des Großvaters (Foto: Michael Borgers)

Zuckerrübenanbau für den Lebensmittelhandel gab es schon zu Zeiten des Großvaters

Stefan Hetzer fährt über die holprigen Wege seines Landes. Die Klimaanlage sorgt für eine angenehme Temperatur, der MP3-Player für Ablenkung. Gerade im Sommer können die Tage auf dem Feld lang werden. Hier, wo Mais, Zuckerrüben und Getreide wachsen.

Vom Landwirt zum Energiewirt

Die Gerste und der Weizen sind für die fast 2000 Schweine bestimmt, die Stefan Hetzers Vater züchtet. Die Rüben kauft die Zuckerfabrik in der Region. Den Verkauf von Agrarprodukten an den Lebensmittelhandel gab es schon zu Opas Zeiten; neu sind für Bauern die Direktvermarktung an Warenterminbörsen oder auch im eigenen Hofladen, so wie es zwei Beriebe in der Nachbarschaft tun.

Stefan Hetzer in seinem Büro (Foto: Michael Borgers)

Stefan Hetzer in seinem Büro

Neu ist außerdem das Thema erneuerbare Energie. So landet der Mais, den Stefan Hetzer im Herbst erntet, seit einigen Jahren in zwei Biogasanlagen, die sich der Hof mit rund 100 weiteren Betrieben teilt. Das gewonnene Gas wird in einem Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Im nächsten Jahr werde die Sonne als Energie- und Erwerbsquelle hinzukommen, sagt Stefan Hetzer und zeigt in Richtung Hof. Dort plant er den Neubau einer Maschinen- und Getreidehalle. "Die neue Halle wird auf Süd ausgerichtet sein, mit einer Dachneigung von 20 Grad", erklärt er. Optimal für die Photovoltaikanlage, die er hier anbringen will.

Ohne Sorgen in die Zukunft

Vom Landwirt zum Energiewirt - die Förderung des Staates durch das Gesetz für erneuerbare Energien macht die Entwicklung möglich. Dem Diplom-Agraringenieur macht das keine Sorgen. Während Ausbildung und Studium hat er gelernt, in seinem Beruf mit der Zeit gehen zu müssen. Früher, sagt er, habe es genügt, Kapital zu besitzen: genügend Land, eine große Hofanlage. Heute komme es immer mehr auf den Landwirt und dessen Persönlichkeit an: "Der Zeitaufwand fürs Management und die Büroarbeit wird immer wichtiger. Man braucht halt viele unternehmerische Fähigkeiten."

Angst vor der Zukunft habe er keine. Was er in zehn Jahren produzieren werde, wisse er noch nicht. Im Augenblick liegt der Schwerpunkt noch bei der Nahrungsmittelproduktion. "Aber wenn es irgendwann effektiver sein wird, Biosprit oder Biomasse für Heizung und Kraftwerke zu produzieren, ja, das wird man dann sehen." Die Entwicklung wird rasant weitergehen, da ist sich der Junglandwirt sicher. Die Betriebe würden weiter wachsen. Nur eine Sorge hat Stefan Hetzer: Dass die Landwirtschaft irgendwann komplett industrialisiert wird. Er wünscht sich, dass es auch in Zukunft Betriebe wie seinen gibt. Betriebe in der Hand von Familien.

Autor: Michael Borgers

Redaktion: Dеnnis Stutе

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