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Afrika

Baobab - das Comeback der Superfrucht

In vielen Herkunftsländern sind sie aus der Mode gekommen. Doch nun erobern Baobab-Früchte die internationalen Märkte - und schaffen dabei noch Einkommen für arme Menschen auf dem Land.

Der letzte Regen ist lange her. Die Menschen in Chiswiti, einem Dorf in der Gegend um Mount Darwin im Nord-Osten Simbabwes, erleben eine

weitere Dürre

. Shorty Kanzou, der als Ortsvorsteher auch "Chief Chiswiti“ genannt wird, ist froh, dass hier kräftige Baobabs der Trockenheit standhalten. Er greift nach einer Frucht und bricht sie auf. "Manche Früchte haben leicht süßes Fruchtfleisch, andere sind sauer. Die sauren Früchte blieben früher einfach im Busch liegen."

Das ändere sich jetzt, meint er und strahlt. Denn die oft uralten Bäume mit den meterdicken Stämmen finden zunehmend international Beachtung. Auch außerhalb Afrikas interessieren sich Menschen für die "Superfrucht". Das Fruchtpulver, das sich unter der dicken Schale verbirgt, ist reich an gesunden Inhaltsstoffen und erobert die internationalen Märkte.

Großartiger Inhaltsmix, regulierende Wirkung

Jüngste Forschungsergebnisse offenbaren, was sich Menschen in Afrika seit Jahrhunderten zunutze machten: Das Fruchtpulver enthält mehr Kalzium als Milch, mehr Magnesium als Avocados, mehr Kalium als Bananen und mehr Vitamin C als Orangen. Beim Gehalt an Ballaststoffen übertrifft es Äpfel. Auch sein Anteil an Antioxidantien ist hoch. Verschiedene B-Vitamine, Omega 3, 6 und 9 Fettsäuren sowie Eisen ergänzen das Bild.

Frauen sammeln Baobab-Früchte

Vor allem Frauen profitieren von dem Handel

Das Pulver kann aber noch mehr: mit seinen probiotischen Eigenschaften wirkt es sich positiv auf die Darmflora aus. Die traditionelle Medizin hat es bei Durchfällen und anderen Darmerkrankungen eingesetzt. Regulierende Wirkung entfaltet das Baobab-Pulver bei Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen - Zivilisationskrankheiten, die seit Jahren in afrikanischen Ländern auf dem Vormarsch sind. Traditionell wurde das Pulver mit Wasser vermischt und Malariakranken zur Fiebersenkung verabreicht.

Neuer Lifestyle - weg vom 'Hungerfood'

Trotz all ihrer Vorzüge tut sich die Frucht des Baobab auf den heimischen Märkten schwer. Schuld daran sei die Globalisierung, sagt Ökologe und Unternehmer Gus Le Breton, der seit den 1990er Jahren in Simbabwe zu Hause ist: "Ein Stigma hängt dem Verzehr von allem an, das einen ländlichen Hintergrund hat". Wer es sich leisten kann, kauft lieber Softdrinks und Fast Food - auch in den entlegensten Winkeln des Landes.

Baobab Früchte, Botswana (Foto: Heike Pander)

An den Bäumen überdauern die Früchte auch Dürren

"Die Menschen betrachten Baobab nicht als wichtig, weil sie Früchte haben, die besser schmecken und einfacher zu bekommen sind", sagt auch die südafrikanische Ökologin Sarah Venter. "Man isst lieber einen Apfel oder eine Orange statt einer Baobab-Frucht."

Zum Imageschaden der "Mauyu", wie die Baobab-Früchte in Simbabwe genannt werden, tragen sogar ihre Qualitäten bei: Weil sie leicht zu lagern sind und sich über Jahre halten, helfen sie über manche Dürrezeit hinweg. Die Kehrseite: Wer Baobab isst, gilt noch immer als arm.

Raus aus der Armut

Dabei wächst ein wahrer Goldschatz direkt vor der Tür. Denn die steigende internationale Nachfrage schafft neue Absatzmärkte. Gus Le Breton hat das erkannt. Sein Unternehmen B'Ayoba hat sich darauf spezialisiert, Baobab international zu vertreiben. So dient der Baum der armen Landbevölkerung als Einkommensquelle. 2000 Baobab-Sammlerinen beschäftigt B'Ayoba in Simbabwe. Seit Kurzem sammeln auch Menschen aus Chiswiti für das Unternehmen. Ein bisschen Geld aus dem Verkauf helfe den Frauen enorm, sagt Chief Chiswiti."Wenn sie nur einen Dollar bekommen, können sie sich etwas Zucker oder Salz leisten. Manche alten Leute haben keine Kinder, die ihnen zur Hand gehen können. Aber sie können selbst in den Busch gehen und Baobab-Früchte sammeln."

Simbabwe: Boababsammelstelle Masvingo (Foto: Heike Pander)

Für die Frauen in ländlichen Gebieten ist der Baobab eine willkommene Einkommensmöglichkeit

Fran Patsika arbeitet in Harare in der Verwaltung von B'Ayoba. Es ist eine Arbeit, die sie aus Leidenschaft macht. Auch deswegen, weil das Sammeln der Früchte meist Frauensache ist: "Die Frauen kümmern sich hier um die Versorgung der Kinder. Sie sorgen dafür, dass die Kinder eine Schulbildung bekommen und dass sie zum Arzt gehen, wenn sie krank sind." Wenn die Frauen profitieren, profitiert also die ganze Gesellschaft.

Echt bio - von Natur aus

Sie erwirtschaften Einkommen, ohne selbst Geld investieren zu müssen. Das Fruchtpulver trocknet natürlich am Baum. Teure Arbeitsgeräte, Dünger oder Pestizide sind nicht erforderlich, denn die Frauen sammeln die Früchte direkt vom Boden auf. Damit sind sie von Natur aus "Bio-Food".

Die international steigende Nachfrage beschert den "Mauyu" in den Herkunftsländern mehr Aufmerksamkeit und führt langsam, aber sicher zu einem erneuten Bewusstseinswandel. Die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Früchte rücken wieder in den Fokus. So gibt es etwa in Kenia Initiativen, die Baobab-Limonade als gesundes Getränk für Kinder an Schulen fördern.

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