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Politik

Bangkok – eine Stadt atmet auf

Thaksin und seine Kumpanen waren viel verhasster, als man glauben mochte. Zwei Tage nach dem Putsch geht das Leben in der Hauptstadt weiter, und Patrick Tippelt geht mit auf die Straßen.

Straßenszene in Bangkok

Thailand am Donnerstag, 21. September: Das Leben normalisiert sich

Noch bevor die Hitze einsetzt, beginnt der Mittwochmorgen für Tausende von Bangkokern in Bussen, der U-Bahn und dem Skytrain. Öffentliche Nahverkehrsmittel platzen an diesem Morgen aus allen Nähten. Es gilt den Dienstag aufzuholen – der Putsch gegen den thailändischen Regierungspräsidenten Thaksin Shinawatra hatte die Stadt zum Erliegen gebracht.

Dieser ist nun samt Familie und einigen Ministern in London, die militärische Interimsregierung ist von König Bhumibol gutgeheißen, und der geschäftige Alltag kehrt zurück auf die Straßen Bangkoks.

In aller Munde

Doch sind die Ereignisse der letzten drei Tage in aller Munde. Zur Mittagsstunde, wenn die Großraumbüros Hunderttausende zum schnellen Imbiss am Straßenrand entlassen, gilt es, Erlebnisse und Meinungen auszutauschen. Die Worte Orapan Hochintakuls, Kundenbetreuerin in einer Werbeagentur, gleichen denen der Mehrheit der Thais: "Ich bin zwar gegen solche Putsche an sich, aber es musste einfach etwas passieren.Thaksin war zu mächtig, und niemand sonst hätte solch einen Umsturz gewagt. Ich bin froh und erleichtert."

Adisorn Thrupkaew hat sein Taxi mit gelben Stofftüchern behängt und jubelt. "Hoch lebe der König! Hoch lebe Thailand", feiert er mit Kollegen im Stadtzentrum. "Nur schade," so der 56-Jährige, "dass Thaksin in England ist. Thaksin, komm zurück! Wir haben für dich ein besonderes Empfangskomitee", sagt der Taxifahrer und schießt lachend mit einem unsichtbaren Gewehr in die Luft.

Die tatsächliche Enttäuschung lässt sich leicht in den Gesichtern der Bangkoker ablesen, zieht man die Thailand-typische Selbstbeherrschung in Betracht. Hinter scheinbar gleichmütigen Fassaden versteckt sich Wut über Thaksins Fehler und Arroganz, aber auch Hoffnung für die nahe Zukunft des Landes.

Die Bauern und das Militär

Fast 85 Prozent der Thais heißen den Putsch laut einer Umfrage gut. Was jeden Politexperten überrascht, denn der Anteil der ländlichen Bevölkerung, der den Putsch unterstützt, ist größer als der der Bangkoker. Bisher hatte man angenommen, dass Thaksin vor allem bei ärmeren Bauern gepunktet hatte. Doch 86 Prozent der Befragten betrachten die Ereignisse der letzten Tage als positiven Schritt für die thailändische Politik.

"Ich bin eben erst aus Uttaradit (Kleinstadt im Norden Thailands, Anm. der Red.) gekommen," sagt Kittiwut Phongsaisarnkit am Bahnhof Bangkoks. "Ich besuche meine Nichten in der Stadt, und wir wollen heute das Ende des schlechten Mannes (Thaksin) feiern. Er hat Thailand beinahe ruiniert."

Supermarktkassiererin Noy hat sich für den Abend mit Freundinnen verabredet. "Mir ist egal, was das Ausland sagt, ob die USA das Geschehen in Thailand gutheißen. Wir sind unabhängig von Amerika. Die Touristen werden wiederkommen, und uns wird es schon bald wieder gut gehen."

Gesicht wahren, bitte!

Die politischen Gegner des gestürzten Premiers halten sich – wie erwartet – bedeckt. Ein Sprecher der Demokraischen Partei zitierte Abhisit Vejjajiva, er wolle "die nächsten zwei Wochen abwarten. Wenn der König die Ereignisse gutheißt, tun wir das auch."

Sulak Siwalak, Autor einer Reihe von Büchern über die Monarche Thailands, erklärt den Fehler des gestürzten Premiers: "Thaksin hat nicht realisiert, dass der König 60 Jahre Erfahrung auf dem Thron hinter sich hat. Thaksin dachte, er könne mit dem alten Mann spielen. Aber es war ein gefährliches Spiel." Eins, das Thaksin haushoch verloren hat.

Und nun?

Die Putschisten werden von niemandem im Land kritisiert. Doch was in den nächsten Tagen passieren wird, weiß keiner. Fernsehstationen fordern die Thais auf, ihre Meinung per SMS an sie zu schicken; die Kurzmitteilungen laufen ununterbrochen über den Bildschirm. Das geht den Putschisten zu weit. Sie haben die Medien ins Hauptquartier gebeten und ihnen verboten, Meinungen von Privatpersonen zu veröffentlichen. Immerhin herrscht Kriegsrecht, auch wenn die Ausgangssperre für heute Abend aufgehoben wurde. Selbst das temporäre Militärregime will die Thailänder die frische Politluft atmen lassen. Es wird gefeiert – zumindest heute Abend.

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