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Fußball

Ballacks ewige Jagd nach dem Titel

Michael Ballacks Abschiedspiel am Mittwoch in Leipzig ist mit 50.000 Zuschauern seit Wochen ausverkauft. Die Fußball-Laufbahn des "Capitano" hatte viele Höhe-, aber auch einige Tiefpunkte.

Michael Ballack im Jahr 2012 bei seinem Abschied in Leverkusen. (Foto: dapd)

Michael Ballack im Jahr 2012 bei seinem Abschied in Leverkusen

Es ist eine Schlüsselszene in der Karriere Michael Ballacks: Am 15. Mai 2010 im Finale des englischen Football Association Challenge Cup, kurz FA-Cup, wird die Nummer 13 des FC Chelsea von Kevin-Prince Boateng in der 44. Spielminute rüde gefoult. Ein folgenschwerer Aussetzer Boatengs, denn das Foul bedeutet das Ende von Ballacks Nationalmannschaftskarriere. Der damals 33-jährige Kapitän der Nationalelf verpasst wegen seiner Bänderverletzung die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika und wird auch im Anschluss an das Turnier nicht mehr von Bundestrainer Joachim Löw berücksichtigt. Trotz dieses abrupten Endes der Fußballer-Karriere liest sich die Vita des "Capitano" wie eine Erfolgsgeschichte, lediglich mit einem kleinen Makel: Ein internationaler Titel ist Ballack bis zuletzt nicht vergönnt.

Meister mit Kaiserslautern, Vize mit Leverkusen

Am 26. September 1976 wird Ballack in Görlitz in der damaligen DDR geboren. Mit sieben Jahren schnürt er in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, zum ersten Mal die Fußballschuhe für die BSG Motor "Fritz Heckert". Der Mittelfeldspieler entwickelt sich gut und erhält 1995 seinen ersten Profivertrag beim Chemnitzer FC. Von dort holt ihn zwei Jahre später Otto Rehhagel zum 1. FC Kaiserslautern. Rehhagel ist gerade mit dem FCK in die Bundesliga aufgestiegen. In der folgenden Saison gelingt Ballack mit seinem neuen Klub Historisches: Kaiserslautern wird als erster Aufsteiger direkt deutscher Meister. 

Von den "Roten Teufeln" wechselt Ballack 1999 zu Ligakonkurrent Bayer Leverkusen, wo er drei Jahre spielt. Hier erfährt Ballack auch seinen ersten kleinen Karriere-Dämpfer: Durch ein Eigentor des Mittelfeld-Regisseurs im letzten Saisonspiel in Unterhaching verpasst Leverkusen im Jahr 2000 die schon sicher geglaubte deutsche Meisterschaft. 2002 kämpft sich der mittlerweile endgültig zum Führungsspieler gereifte Ballack in die Endspiele des DFB-Pokals und der Champions League, doch keines kann Bayer gewinnen. Und auch in der Bundesliga wird Leverkusen wieder nur Vizemeister. Der Spottname "Vizekusen" haftet fortan auch immer ein bisschen an Ballack, dem Kapitän der Werkself.

Über München nach Chelsea

2002 wechselt Ballack zu Rekordmeister Bayern München und wird mit dem Club dreimal deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger. Nur den Titel in der Champions League gewinnt der "Capitano" auch mit den Bayern nicht. Nach Querelen mit der Vereinsführung zieht der damals 29-Jährige 2006 nach England weiter, zum FC Chelsea. Damit erfüllt er sich einen lang gehegten Traum. Auch in der Premier League kann sich Ballack neben zahlreichen Weltstars wie Frank Lampard behaupten und ist entscheidend an Chelseas Double-Gewinn 2010 beteiligt.

Auch mit dem FC Chelsea kann Michael Ballack die Champions League 2008 nicht gewinnen.

Auch mit dem FC Chelsea kann Michael Ballack die Champions League 2008 nicht gewinnen

Doch auch unter Trainer José Mourinho schafft es Ballack nicht, endlich einen internationalen Titel zu gewinnen. 2008 verliert er mit Chelsea sein zweites Champions-League-Finale. Zwei Jahre später kehrt er zu Bayer Leverkusen zurück, "eine Herzensangelegenheit", so Ballack damals. Doch nach seiner zunächst umjubelten "Heimkehr" kann er nicht mehr an seine Top-Leistungen aus der Vergangenheit anknüpfen. Immer wieder wird er durch Verletzungen zurückgeworfen und hat beim damaligen Bayer-Trainer Robin Dutt keinen leichten Stand. Schließlich beendet Ballack 2012 seine Laufbahn als aktiver Fußball-Profi.

Sommermärchen ohne Happy End

Mit der Nationalmannschaft nimmt Ballack in seiner Karriere an fünf großen Turnieren teil, von 2004 bis 2010 ist er Kapitän der Nationalelf. Ohne den nach zwei Gelben Karten gesperrten Ballack geht das Endspiel der WM 2002 verloren, und auch das Finale der Europameisterschaft 2008, diesmal mit Ballack, endet mit einer Niederlage. 2006 ist er maßgeblich am "Sommermärchen", der WM im eigenen Land, beteiligt – doch auch hier reicht es am Ende nicht zum ersehnten Titel, sondern nur zu Rang drei. Unter eigentlich unwürdigen Umständen sortiert Bundestrainer Joachim Löw den Routinier Ballack Mitte 2011 nach 98 Länderspielen aus. Inzwischen sind die Querelen abgehakt. Löw gehört zu Ballacks Gästen beim Abschiedsspiel am Mittwochabend um 20 Uhr in Leipzig. Das Spiel findet trotz der angespannten Hochwasserlage in Sachsen statt.

Mehr Pech als Glück

Bei jedem seiner Vereine und auch in der Nationalmannschaft hat Ballack stets die Nummer 13 auf dem Trikot getragen, die ihm in mancher Situation vielleicht doch mehr Pech als Glück gebracht hat. Ballack, der Unvollendete? Mitnichten, denn auch wenn ihm ein internationaler Titel fehlt, hat er doch mit allen seinen Mannschaften Großes erreicht. "Titel werden manchmal auch überschätzt", sagte Ballack einmal. Vielleicht kann der heute 36-Jährige ja eines Tages doch noch als Trainer oder Manager einen internationalen Pokal in die Höhe recken.

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