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Politik

Balis Polizei sucht die Drahtzieher

Vier Tage nach den Selbstmordanschlägen auf der indonesischen Ferieninsel Bali hat die Polizei ihre Suche nach den Hintermännern intensiviert. Noch wurden keine Verdächtigen ausfindig gemacht.

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Ermittler vor einem der zerstörten Restaurants

Bali Terroranschläge auf Urlaubsgebiete in Indonesien Angehörige trauern um ihre Verwandte

Angehörige trauern um einen der Toten

Bisher seien 39 Zeugen befragt worden, erklärte Brigadegeneral Sunarko, der Sprecher der balinesischen Polizei, am Dienstag (4.10.2005). Es sei jedoch noch niemand im Zusammenhang mit den Anschlägen verhaftet worden. Zwar seien zwei Personen festgenommen worden. Doch dementierte Sunarko laut der Onlinezeitung "Tempo Interactive" Medienberichte, wonach die beiden in die Anschläge verwickelt seien. Es handele sich lediglich um Taschendiebe, die in der Nähe der Tatorte gefasst worden seien.

Nach jüngsten Erkenntnissen kamen bei den Anschlägen in zwei Badeorten auf Bali vom Samstag mindestens 22 Menschen ums Leben, darunter die drei Selbstmordattentäter. Mehr als 130 Menschen wurden verletzt. Etwa 46 Menschen werden noch vermisst. Die Behörden vermuten die radikalislamische Jemaah Islamiya hinter den Bluttaten.

Mindestens drei Komplizen

Die Selbstmordattentäter hätten am Samstagabend mit Sprengstoffwesten am Körper drei Restaurants in Kuta und Jimbaran betreten, sagte Generalmajor Ansyaad. Sie hätten vermutlich mit mindestens drei weiteren Personen zusammengearbeitet, die sich wohl noch auf Bali befänden. Die Behörden gingen davon aus, dass die Komplizen mit Mobiltelefonen die Sprengstoffwesten zündeten. Mbai erklärte, schon in wenigen Tagen sei mit ersten Ermittlungsergebnissen zu rechnen. Bislang bekannte sich niemand zu den Attentaten.

Bali Terroranschläge auf Urlaubsgebiete in Indonesien Jimbaran Opfer in gelben Leichensäcken

Die Toten wurden zunächst in einer provisorischen Leichenhalle untergebracht

Drahtzieher der Anschläge seien vermutlich die beiden malaysischen Extremisten Azahari bin Husin und Noordin Mohamed Top, sagte Mbai. Sie sollen auch die Anschläge vom 12. Oktober 2002 in Kuta organisiert haben, bei denen mehr als 200 Menschen getötet worden waren. Die Polizei geht davon aus, dass die Anschläge auf das Konto der Jemaah Islamiyah gehen. Nach Angaben Mbais unterstützt ein früherer Funktionär der Gruppe die Ermittlungen. In den vergangenen drei Jahren wurden unter anderem in Indonesien, Malaysia und Thailand dutzende Mitglieder der Jemaah Islamiyah verhaftet.

Video von einem Attentäter

Auf einem Video eines Urlaubers, das kurz vor der Detonation einer der Sprengsätze am Samstag aufgenommen wurde, sei einer der Attentäter zu sehen, sagten leitende Polizeibeamte auf einer Pressekonferenz in Denpasar. Gezeigt wurden auch Bilder der Leichen der mutmaßlichen Attentäter, deren Gesichter erhalten waren.

Unter den Toten sind nach Angaben der Zeitung "Jakarta Post" 13 Indonesier, fünf Australier und drei Japaner. Es wurde befürchtet, dass die Opferzahl steigt. Laut Angaben des Krankenhauses würden bis zu 25 Menschen vermisst, unter anderem aus Australien, Belgien, Japan, Singapur und Pakistan. Auch ein Deutscher werde vermisst, hieß es. Das Auswärtige Amt bestätigte diese Meldung jedoch nicht. Nach Krankenhausangaben wurden Touristen aus Australien, Deutschland, Japan, Südkorea, den USA und anderen Ländern verletzt.

Sicherheitsvorkehrungen verstärkt

Karte von Bali

In der gesamten Region verstärkten die Regierungen ihre Sicherheitsvorkehrungen in Touristenorten und versetzten ihre Terrorermittler in erhöhe Alarmbereitschaft. Es gebe Hinweise, die die Behörden zu größter Wachsamkeit veranlassten, sagte der thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra, ohne Einzelheiten zu nennen. Der Regierungschef deutete an, dass die Extremisten im Süden Thailands enge Beziehungen zu den Terroristen in Indonesien und Malaysia hätten.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einem "feigen Angriff", viele Regierungen boten Indonesien am Sonntag spontan Hilfe bei der Bewältigung der Tragödie an. Der Anschlag "muss und wird die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft weiter stärken", gegen den Terror vorzugehen, erklärte Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der britische Premierminister Tony Blair sagte, seine Regierung stehe bereit zu helfen, wo immer sie könne. US- Außenministerin Condoleezza Rice sagte am Samstag in Washington, die USA stünden an der Seite des Volkes und der Regierung Indonesiens im Bemühen, die Verantwortlichen der terroristischen Taten vor Gericht zu bringen. (stu)

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