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Nahost

Bagdad: Falludscha eingenommen

Sechs Tage nach dem Beginn der Offensive in Falludscha hat die irakische Übergangsregierung am Samstag (13.11.2004) überraschend das offizielle Ende der Operation verkündet. Dennoch wird in der Stadt weiter gekämpft.

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Trügerische Ruhe im Stadtzentrum von Falludscha

Nach den Worten des Nationalen Sicherheitsberaters Kasim Dawud wurde die Offensive gegen die Widerstandshochburg erfolgreich beendet. Falludscha sei bis auf wenige Widerstandsnester erobert. Im Süden der Stadt begann aber am Samstag ein weiterer Großangriff der US-Streitkräfte gegen die Aufständischen. Die US-Truppen erwarten nach Militärangaben, bis Dienstag die irakische Rebellenhochburg vollständig zu kontrollieren.

Seit Montag hatten sich irakische Sicherheitskräfte und US-Truppen erbitterte Straßen- und Häuserkämpfe mit Aufständischen in der sunnitischen Stadt rund 80 Kilometernordwestlich von Bagdad geliefert. An der Offensive beteiligten sich rund 10.000 US-Soldaten und etwa 2000 irakische Streitkräfte. Bei der Operation wurden nach US-Angaben bis zum Freitag 22 US-Soldaten, fünf irakische Soldaten und rund 600 Aufständische getötet. Über die Zahl ziviler Opfer gibt es keine Angaben.

Sarkawi entkommen

Ein erster Konvoi des Roten Halbmondes mit Hilfsgütern erreichte am Samstag die schwer zerstörte Stadt. Die Situation in Falludscha wird von Einwohnern und Hilfsorganisationen als katastrophal beschrieben. Die Sprecherin des irakischen Halbmonds, Fardous Al-Ibadi, sprach im irakischen Fernsehen von einem "menschlichen Desaster". Es gebe in der ganzen Stadt kein Wasser, keinen Strom und keine medizinische Versorgung mehr.

Der von den USA gesuchte Extremistenführer Abu Mussab el Sarkawi und einer seiner wichtigsten Helfer sind offensichtlich aus Falludscha entkommen. Sarkawi und Abdallah el Dschanabi hätten zusammen mit einigen Komplizen die Stadt verlassen, sagte ein irakischer Regierungssprecher in Bagdad. Sarkawi hat sich zu zahlreichen schweren Anschlägen im Irak sowie zur Ermordung ausländischer Geiseln bekannt. Die USA haben ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt.

Zuvor war in einem Islamisten-Internetforum ein Tonband aufgetaucht, auf dem angeblich die Stimme Sarkawis zu hören ist. Der Mann auf dem Band fordert die Rebellen in Falludscha auf, weiter Widerstand zu leisten. "Das ist eine der entscheidenden Schlachten zwischen dem Islam und den Ungläubigen", heißt es auf dem Band.

Neuer Widerstandsnester

Im Norden des Irak weitet sich indes der Widerstand gegen die US- und Regierungstruppen weiter aus. Am Samstag wurden Gefechte in Howeidscha, 60 Kilometer südwestlich von Kirkuk, gemeldet. Die US-Streitkräfte zogen wegen der Kämpfe in der nordirakischen Stadt Mossul ein Bataillon ab, das in Falludscha eingesetzt war. Aufständische haben in Mossul Brücken, Regierungsgebäude und Polizeiwachen angegriffen.

Präsident George W. Bush hatte am Freitagabend im Hinblick auf die irakischen Wahlen im Januar vor einer neuen Welle der Gewalt gewarnt. "Der Erfolg der Demokratie im Irak wird ein vernichtender Schlag gegen die Kräfte des Terrors werden", sagte Bush auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister Tony Blair in Washington.

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