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Politik

Stichwort: Falludscha

Für westliche Beobachter ist Falludscha Synonym für die "Rebellenhochburg im Irak". Tatsächlich hat sich die Stadt seit Beginn des Irak-Krieges als eines der größten Hindernisse für eine Befriedung des Landes entpuppt.

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Pulverfass im Irak

Falludscha liegt etwa 50 Kilometer westlich von Bagdad. Die etwa 300.000 Einwohner gehören der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam an. Die Stadt wird als Herz des Widerstandes bezeichnet, ein Ort wo sich muslimische Extremisten wie der Jordanier Abu Musab al-Zarqawi und seine Banden aufhalten. Falludscha gilt auch als Hochburg von Saddam-Hussein-Getreuen. Der gestürzte Präsident, selbst ein Sunnite, rekrutierte während seiner 23-jährigen Herrschaft zahlreiche Offiziere für seine Republikanische Garde aus dieser Region. Bis zu seinem Sturz war Falludscha die einflussreichste Base für Saddams Baath-Partei. Die US-Armee spart bei der Beschreibung von Falludscha nicht mit Kriegsrhetorik: US-General Richard Natonski bezeichnete Falludscha als Krebsgeschwür und Rattennest. "Wir können keine Zufluchtstätte für den Feind haben und gleichzeitig Fortschritte erwarten", so der Militär.

Gebetsräume im Kebap-Restaurant

Frauen auf dem Weg nach Falludscha

Die Rebellen bekommen Unterstützung aus der Bevölkerung

Falludscha wird auch die "Stadt der Moscheen" genannt. Mehr als 200 sunnitische Gotteshäuser gibt es in der Gegend. Religion spielt eine große Rolle in der Stadt. Die Kebap-Restaurants haben Gebetsräume und anders als im übrigen Irak, wurde hier nie der Verkauf von Alkohol zugelassen. Frauen sind fast nie auf der Straße zu sehen und ein Großteil der männlichen Bevölkerung trägt Bärte als Zeichen strenger Religiosität. Muslimische Extremisten finden bei der Bevölkerung Unterschlupf und Unterstützung.

Drohung für Allawai

Der irakische Premierminister Iyad Allawi sagt, dass der Ort ein sicherer Hafen für ausländische Kämpfer sei, die in den Irak kamen, um die "Besatzungsmacht" und die irakische Regierung anzugreifen. Nach Augenzeugenberichten, sollen mehrere Banden in Falludscha gemeinsam operieren, um die US-Armee abzuwehren. Seit der Übergabe der Sicherheitskontrolle an irakische Streitkräfte im April 2004 ist Falludscha in der Hand der Rebellen. Doch die Stadt ist den USA schon länger als Unruheherd aufgefallen. Zum einen war die Unterstützung für Saddam hier immer groß, und zum anderen hatte die US-Armee in Falludscha schnell ihre Sympathien verschenkt. Ein Beispiel war die Ermordung von 13 Demonstranten am 28. April 2003, die auf das Konto der 82. Airborne Divison geht. Die Rebellen haben seitdem als Vergeltung mehrere US-Soldaten systematisch umgebracht.

Schwere Herausforderung

Nach Angaben von US-Militärs ist Falludscha auch der Ort, an dem sämtliche Geiselnahmen ausländischer Arbeiter endeten. Seit Monaten trainiert die US-Armee, um Falludscha anzugreifen – doch es wird eine schwere Herausforderung. Die üppige Vegetation am Euphrat bietet perfekten Schutz für die Guerilla-Kämpfer. Und der Ärger bei der Bevölkerung auf die US-Präsenz wächst – egal ob sie das alte System unterstützt haben oder es wiederherstellen möchten. (kw)