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Aktuell Europa

Baby Charlie ist tot: Ein kurzes Leben, ein langer Kampf

Das todkranke britische Baby ist genau eine Woche vor seinem ersten Geburtstag gestorben. Die Ärzte hatten zuvor die Beatmungsgeräte abgestellt. Das Schicksal des Jungen hatte international Aufsehen erregt.

"Unser wunderschöner kleiner Junge ist von uns gegangen", erklärte seine Mutter Connie Yates. "Wir sind so stolz auf dich, Charlie."

Charlie Gard litt an einer seltenen genetischen Krankheit, in der Fachsprache mitochondriales DNA-Depletionssyndrom (MDS) genannt. Sein Gehirn war stark geschädigt, unter anderem konnte er nicht mehr selbstständig atmen.

Seine Eltern waren in den vergangenen Monaten vergeblich durch alle gerichtlichen Instanzen gegangen, um Charlies Behandlung mit Methoden zu ermöglichen, die bislang nicht an Menschen ausprobiert wurden. Völlig frustriert und erschöpft gaben die Eltern den juristischen Streit am 25. Juli auf. Ihrem Kind gehe es inzwischen so schlecht, dass selbst eine experimentelle Therapie in den USA ihm nicht mehr helfen könne. Zu viel wertvolle Zeit sei bei den Auseinandersetzungen mit Medizinern und Juristen vergeudet worden, kritisierte das Paar.

Doch selbst um den Sterbeort gab es noch Streit. Die Eltern wollten sich zu Hause von ihrem Sohn verabschieden. Charlies Ärzte im Londoner Great-Ormond-Street-Krankenhaus zweifelten aber, ob die Beatmungsmaschine in die Wohnung gebracht werden könne. Die Klinik forderte auch einen sicheren Pflegeplan und dass Charlie Schmerzen erspart bleiben müssten. Der Londoner High Court entschied schließlich, Charlie solle in einem Hospiz sterben.

Charlies Erkrankung, bei der das Gen RRM2B betroffen ist, wurde vor rund zehn Jahren erstmals beschrieben. Nach britischen Medienberichten sind weltweit weniger als 20 solcher Fälle bekannt. Experten sind sich sicher: Charlie hätte beim derzeitigen Stand der Forschung nicht geheilt werden können. Ein Mediziner in den USA bezifferte die Chance, dass sich der Zustand des Babys durch die experimentelle Therapie etwas verbessern könnte, zunächst auf etwa zehn Prozent. Britische Ärzte warfen dem Mediziner aus New York aber vor, den Eltern zu große Hoffnungen gemacht zu haben.

Der Anwalt der Familie sprach von einer "griechischen Tragödie".

rb/uh (afp, ap, dpa, rtr)

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