1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Formel 1

Böses Foul von Vettel an Hamilton

Auf dem engen Stadtkurs von Baku geht es turbulent zu. Immer wieder gibt es Kollisionen. Sebastian Vettel ärgert sich über Lewis Hamilton und fährt ihm absichtlich ins Auto. Das Rennen gewinnt ein Red Bull.

Sebastian Vettel fährt beim Großen Preis von Aserbaidschan nicht nur in rot, er sieht auch rot. Mit einem unerklärlichen Rammstoß gegen seinen großen Rivalen Lewis Hamilton während einer Safety-Car-Phase hat der Ferrari-Pilot den WM-Kampf in der Formel 1 eskalieren lassen. Beim Sieg von Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo aus Australien in einem echten Chaosrennen brannten bei dem viermaligen Weltmeister die Sicherungen durch.

Zwar beendete Vettel den Großen Preis von Aserbaidschan auf dem vierten Platz und konnte dadurch seinen Vorsprung in der WM vor dem fünftplatzierten Hamilton auf 14 Punkte ausbauen, doch das lange von gegenseitigem Respekt geprägte Titelduell der beiden mehrmaligen Weltmeister dürfte nach der Entgleisung des Deutschen künftig eine andere Richtung einschlagen.

Lauda: "Riesenfoul von Sebastian"

In einem turbulenten Rennen, das 22 Runden zwischenzeitlich abgebrochen werden musste, kam es während der zweiten von drei Safety-Car-Phasen zu Vettels Wutausbruch. Zunächst bremste Hamilton in der 20. von 51 Runden hinter dem Safety Car etwas überraschend ab, sodass Vettel auf den Mercedes des Engländers auffuhr und sich seinen Frontflügel demolierte. Der Deutsche vermutete hinter der Aktion des Briten Absicht und rastete aus: Er setzte seinen Ferrari links neben den Boliden seines Rivalen und rammte den Silberpfeil seitlich. "Das war ein Riesenfoul von Sebastian", sagte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda am Sky-Mikrofon.

Tatsächlich erinnerte die Szene an den Rammstoß von Ferrari-Pilot Michael Schumacher im Saisonfinale 1997 in Jerez gegen den Kanadier Jacques Villeneuve. Dem Rekordweltmeister aus Kerpen wurden damals rückwirkend alle Punkte der Saison aberkannt, während Villeneuve seinen einzigen Titel feierte.

Doch die Rennleitung sah das diesmal offenbar anders und sprach lediglich eine Zehn-Sekunden-Strafe gegen Vettel aus, der uneinsichtig blieb und an seine Box funkte: "Was habe ich Gefährliches gemacht?" Hamilton befand das Strafmaß für Vettels Kontrollverlust für zu gering. "Zehn Sekunden dafür sind ein Witz. Du weißt das, Charlie", funkte Hamilton an die Adresse von Rennleiter Charlie Whiting.

Loser Kopfschutz bremst Hamilton

Und die schlechte Laune des Briten sollte weitere Nahrung erhalten: Weil nach der Rennunterbrechung die Abdeckung seines Cockpitschutzes offenbar nicht richtig befestigt worden war und sich zu lösen drohte, musste der mit Abstand der schnellste Mann im Feld zur Fixierung des Teils an die Box und büßte seine Führung ein. Von Rang neun aus startete der Pole-Setter eine Aufholjagd. In der 33. Runde saß Vettel in der Box seine Strafe ab und kam direkt vor Hamilton wieder auf die Strecke. Bis zur Ziellinie lieferten sich die beiden ein enges Duell, das Vettel letztlich knapp für sich entschied.

Formel 1: Großer Preis von Aserbaidschan (picture-alliance/empics)

Daniel Ricciardo feiert den Sieg

Glücklicher Sieger war Ricciardo, der seinen fünften Karrieresieg feierte. Er war in Baku früh an der Box gewesen, weil sein Bolide einige Trümmerteil aufgesammelt hatte, die entfernt mussten. Hinter dem Australier schaffte es Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas auf den letzten Metern noch, den erst 18-jährigen Kanadier Lance Stroll im Williams zu verdrängen. Pascal Wehrlein sammtelte als Zehnter einen WM-Punkt für Sauber. Renault-Pilot Nico Hülkenberg lag aussichtsreich auf Rang sechs, als er sich versteuerte, seinen rechten Vorderreifen in der Betonwand ruiniert und aufgeben musste.

Hill: "Mangel an Kontrolle"

Doch schon während des Rennens ging es fast nur um die heftige Szene zwischen Vettel und Hamilton. Ex-Weltmeister Damon Hill forderte im englischen Fernsehen die Disqualifikation des Heißsporns Vettel: "Das war gravierend, wenn man sein Auto benutzt, um jemandem zu schaden. Das ist ein Mangel an Kontrolle, das ist Wut und Aggression, die im Sport nicht gestattet werden darf. Er ist viermaliger Weltmeister, das darf er sich nicht erlauben", erklärte der Champion von 1996.

Ferrari-Pressesprecher Alberto Antonini spielte die Aktion dagegen herunter und fand vielmehr in Hamilton den Schuldigen: "Wir haben alle gesehen, was passiert ist. Es war unnötig von Hamilton, an diesem Punkt so langsam zu fahren. Sebastian ist nicht schuld, aber die Entscheidung liegt bei der Rennleitung."

Hamilton selbst nannte Vettel später gegenüber der BBC "eine Schande" und ergänzte: "Zum Glück sind gerade langsam gefahren. Wären wir mit mehr Tempo unterwegs gewesen, hätte es schlimm enden können. Man denke nur an all die Kinder, die heute Formel 1 geschaut haben und solch ein Verhalten von einem vierfachen Weltmeister zu sehen bekommen. Das sagt alles!" 

Das nächste Rennen ist am 9. Juli der Große Preis von Österreich in Spielberg. In der WM-Gesamtwertung hat der Deutsche nach acht Rennen 153 Punkte auf dem Konto. Ihm folgen Hamilton (139) und Bottas (111). 

Alle wichtigen Momente des Rennens von Baku gibt es hier zum Nachlesen.

Die Redaktion empfiehlt