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Aktuell Europa

Ayrault: Franzosen besser verstehen

Die deutsch-französische Achse knirscht gewaltig. Premier Ayrault ist nach Berlin gekommen und wünscht sich mehr Rücksichtnahme auf die Probleme Frankreichs. Kein Zweifel: Franzosen und Deutsche brauchen sich.

Als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kürzlich große Besorgnis über zu schleppende Reformen in Frankreich geäußert hatte, soll die Pariser Regierung in Berlin schriftlich um Aufklärung und eine Stellungnahme nachgefragt haben. Nur ungern werden die Sozialisten im Nachbarland mit den Krisenherden Spanien oder Italien oder gar dem Desaster in Griechenland verglichen.

Der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault beklagte unmittelbar vor seinem Antrittsbesuch bei Kanzlerin Angela Merkel in Berlin an diesem Donnerstag, die Deutschen nähmen zu wenig Rücksicht auf die Probleme seines Landes. "Wir müssen noch mehr miteinander sprechen. Im Moment reicht das Verständnis vielleicht nicht aus", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Er wolle aber in der aktuellen Reformdebatte auf keinen Fall "noch Öl ins Feuer gießen". Beim Führungstreffen Wirtschaft der "Süddeutschen Zeitung" in Berlin hob er den Willen seines Landes zu Reformen hervor. Zugleich zeigte er sich zuversichtlich, dass die Euro-Partner die Finanzkrise überwinden würden.

Soziale Gerechtigkeit gegen übertriebenes Sparen?

Notwendig sei gegenseitiger Respekt, appellierte Ayrault und erinnerte an grundsätzlich gegensätzliche Ausgangspositionen. Frankreich habe auch eine Geschichte, ein Sozial- und Gesellschaftssystem, "an dem wir hängen". Das Gesellschaftsmodell basiere "auf der sozialen Gerechtigkeit", hob er hervor, offenbar in Abgrenzung zu radikalen Spar- und Haushaltsprogrammen. In Deutschland gebe es hingegen in Bezug auf die Euro-Krise ein "Übermaß an Beunruhigung". Deutsche Inflationsängste dürften aber den Kurs in Europa nicht allein bestimmen.

Merkels Kurswechsel

Zu einem möglichen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone konstatierte Ayrault einen "Sinneswandel" der Bundesregierung. Jetzt wolle auch Deutschland gemeinsam mit Frankreich, dass Athen nicht aus dem Euro-Raum falle. Es liege im Interesse aller Europäer, mehr Solidarität zu zeigen. Andernfalls drohe ein Domino-Effekt.

Vorbild sei Deutschland für Frankreich bei der Sozialpartnerschaft. Seine Regierung wolle ähnliche Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern schaffen, wie sie in Deutschland bestehen, referierte der frühere Deutschlehrer.

SC/gmf/hp (afp, AP, rtr, dpa)