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Wirtschaft

Autobranche gibt Gas

Die Autobauer können aufatmen. Auch 2011 wird ein gutes Jahr für den deutschen Automarkt - nur die Rekordwerte aus dem Jahr der Abwrackprämie werden nicht erreicht. Die deutschen Autobauer verkaufen vor allem im Ausland.

Das traditionelle Zugpferd der deutschen Wirtschaft, die Autoindustrie, hat in den vergangenen zwei Jahren extreme Schwankungen erlebt. Zu Beginn der Wirtschaftskrise hielten sich die Menschen beim Autokauf sehr zurück, also kurbelte der Staat über die Abwrackprämie den Verkauf an. Aber wie werden sich die potentiellen Kunden verhalten, wenn die Abwrackprämie ausläuft - das war lange die große Frage. Die Antwort: Sie kauften in diesem Jahr weiter und werden das auch im kommenden Jahr tun, prognostiziert der Importeurverband VDIK. Die Autohersteller dürften endlich darauf hoffen, dass sich der Markt stabilisiert. Und davon profitieren nicht nur die deutschen Autobauer, sondern auch die ausländischen.

Porsche auf dem Genfer Autosalon 2010, Foto: AP

Deutsche Luxusmarken sind in Asien heiß begehrt

"Ich gehe davon aus, dass es in 2011 rund 3,1 Millionen Auto-Neuzulassungen geben wird", sagte der Präsident des Importeursverbands VDIK, Volker Lange, am Donnerstag (16.12.2010). Er rechnet also mit einem Wachstum von sechs Prozent. Falls sich die Wirtschaft weiter so positiv wie bisher entwickelt, könnten sogar noch mehr Autos verkauft werden. Damit liegt der VDIK auf gleicher Linie wie der Verband der Automobilindustrie VDA. Nicht nur in Deutschland, weltweit werden wieder Neuwagen nachgefragt. Daher geht der VDA davon aus, dass die deutschen Autobauer künftig wieder Rekorde beim Export und bei der Inlandsproduktion aufstellen werden. Vor allem im Ausland, wie China oder Indien sind die deutschen Luxuskarossen gefragt.

Abwrackprämie ein Erfolg

Das Jahr 2009 war ein Rekordjahr - dank der Abwrackprämie. 3,8 Millionen Autos fanden einen Käufer. So viele werden es im laufenden Jahr nicht werden, erwartet der VDIK. Rund 23 Prozent weniger Autos werden die Geschäfte verlassen, nämlich nur noch 2,92 Millionen Neuwagen. Das entspricht einem Niveau, das es zuletzt vor der Wiedervereinigung gab. "Damit liegen wir 5,5 Prozent unter den Zahlen von 2008 - aber nicht so weit, wie viele befürchtet hatten", sagte Lange.

Die Abwrackprämie bewertet er als einen guten Erfolg. Vor allem sei der befürchtete Vorzieheffekt relativ schwach ausgefallen. Es haben also nicht nur die Menschen Autos gekauft, die das sowieso vorhatten, wodurch die Nachfrage nach Ablauf der Abwrackprämie eingebrochen wäre. Der Grund: "In erster Linie haben typische Gebrauchtwagenkäufer die Umweltprämie dafür genutzt, sich erstmals für ein neues Fahrzeug zu entscheiden." Außerdem habe die Prämie zusammen mit der Kurzarbeiterregelung in der Krise Arbeitsplätze vor allem auch bei Zulieferern erhalten.

Kleinwagen gefragt

Kleinwagen

Vor allem Kleinwagen sind in Deutschland gefragt

Peugeot, Nissan oder Fiat - besonders die Kleinwagensparten, auch die der ausländischen Hersteller, haben von der Abwrackprämie profitiert. Im laufenden Jahr werden aber die ausländischen Automarken nach Ansicht des VDIK Marktanteile verlieren. Statt über 40 Prozent bedienen sie nur noch knapp 36 Prozent des Marktes und liegen damit knapp über dem Wert von 2008. Somit seien die Verkaufsraten 2009 ein einmaliger Ausreißer nach oben gewesen, meint der VDIK. Mittelfristig traut der Verband den Importeuren Marktanteile auf dem aktuellen Niveau zu.

Die Verbraucher werden weiterhin auf umweltfreundliche, kleinere Fahrzeugen nachfragen, davon ist Lange überzeugt. "In diesen Segmenten sind wir traditionell gut aufgestellt und werden die Chancen auch zu nutzen wissen", sagte er. Sollte sich dieser Trend verfestigen, könnten die Importeure ihren Marktanteil möglicherweise schon 2011 etwas ausbauen.

Nutzfahrzeuge wieder gefragt

Auch vom deutschen Nutzfahrzeugmarkt gibt es gute Nachrichten. Im laufenden Jahr hat er sich deutlich vom tiefen Absturz im Krisenjahr 2009 erholt, aber noch nicht wieder das langjährige Durchschnittsniveau erreicht. Der VDIK erwartet 2010 gut 280.000 Zulassungen von Transportern, Lastwagen oder Zugmaschinen. Im kommenden Jahr werde der Durchschnitt wieder übertroffen, prognostizierte Lange. Er rechnet mit einem Plus von sechs Prozent.

Elektroautos brauchen staatlichen Schubs

Die vielgepriesene automobile Zukunft, nämlich Elektroautos, brauchen staatliche Subventionen, um eine Chance bei deutschen Autokäufern zu haben. Ohne Staatsunterstützung wird die Bundesregierung ihr 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf der Straße zu haben, nicht erreichen, meint VDIK-Präsident Volker Lange. Bislang müssen sie mit Mehrkosten in Höhe von rund 15.000 Euro rechnen, wenn sie aus der Steckdose tanken wollen. Die ausländischen Hersteller haben bereits begonnen Elektroautos in Serie zu fertigen. Mit dem Jahreswechsel kommen mehrere dieser Stromer auf den deutschen Markt. Allerdings werden nach Lange wohl nur rund 2500 verkauft. Deutsche Autobauer hinken der Entwicklung hinterher und planen erst 2013 die Serienfertigung von E-Autos aufzunehmen.

Autor: Insa Wrede (dpa, dapd)

Redaktion: Henrik Böhme

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