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Wirtschaft

Ausverkauf im Kaufhaus-Konzern

KarstadtQuelle kämpft mit Hilfe harter Sanierungsmaßnahmen um sein Überleben. Analysten vertreten die Ansicht, dass die Krise hausgemacht ist: Man hätte die europäischen Märkte nicht aus den Augen verlieren dürfen.

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Thomas Middelhoff ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG

Thomas Middelhoff, Aufsichtsratschef von KarstadtQuelle (Archiv)

Den Mitarbeitern des 1881 gegründeten deutschen Traditionsunternehmens Karstadt stehen ungewisse Zeiten bevor. Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff fand drastische Worte für die Beschreibung der Konzernsituation: "Es geht ums Überleben. Es geht für alle Beteiligten um alles", hatte der Ex-Bertelsmann-Manager im Interview gesagt.

Radikales Sanierungskonzept

Einschnitte beim Personal sollen nun das 1999 mit dem Quelle-Konzern fusionierten Unternehmen aus den roten Zahlen führen. Die Wende ist nach Vorstellung der Konzern-Manager für das Jahr 2007 anvisiert. Um das zu erreichen, will der Aufsichtsrat 77 der zurzeit 181 Karstadt-Warenhäuser abstoßen - das sind drei Mal mehr als ohnehin schon geplant. Bis zu 8500 der 76.600 Vollzeitstellen sind dadurch gefährdet.

Große Teile des Geschäfts will Karstadt nicht mehr selbst betreiben, sondern an fremde Partner vergeben. Das mindert das Risiko, auf den eigenen Produkten sitzen zu bleiben. Die Lebensmittelabteilungen wurden bereits in ein Joint-Venture mit dem Lebensmittelkonzern Rewe ausgegliedert. Der Verkauf von technischen Artikeln soll auf gut laufende Produkte reduziert werden, um gegen Anbieter wie MediaMarkt und Saturn bestehen zu können.

Alte Fehler ausbügeln

Konzernchef Christoph Achenbach hat seinen Sanierungsplan am Dienstag (28.9.2004) der Öffentlichkeit vorgestellt. "Die wirtschaftliche Situation zwingt uns zu den tiefsten Einschnitten, denen sich Karstadt jemals unterziehen musste", sagte der Vorstandschef am Dienstag in Essen. Wenn Achenbach am Folgetag vor die Belegschaft tritt, um den Mitarbeitern Personalabbau und Standortschließungen zu erläutern, wird das kein leichter Gang für ihn soll.

Dennoch hat Achenbach nach Einschätzung von Analysten keine andere Wahl. Er müsse, so die vorherrschende Meinung, die Managementfehler seines Vorgängers Wolfgang Urban ausbügeln. Urban war vorgeworfen worden, über diverse Engagements wie beim Sportsender DSF, der Kaffeehaus-Kette Starbucks oder Fitnessstudios das Kerngeschäft vernachlässigt zu haben.

Hausgemachte Krise

Insofern ist die Krise beim KarstadtQuelle-Konzern - zumindest teilweise - hausgemacht, wie Analyst Matthias Engelmayer von Independent Research erläutert: "KarstadtQuelle ist traditionell auf dem deutschen Heimatmarkt sehr stark. Der Konzern hat es jedoch verpasst, ein weiteres Standbein in Märkten der europäischen Nachbarstaaten oder auch den neuen osteuropäischen Staaten aufzubauen."

Ein Versäumnis mit fatalen Folgen, wie Engelmayer weiter ausführt: "Der anhaltende Konsumrückgang in Deutschland mit einer Sparquote von zurzeit 10,4 Prozent trifft KarstadtQuelle wesentlich stärker als andere Handelsunternehmen, weil er nicht auf anderen Märkten ausgeglichen werden kann." Einem international agierenden Unternehmen, wie beispielsweise dem Metro-Konzern, falle dieser Ausgleich wesentlich leichter. Metro hat schon vor Jahren damit begonnen, auch auf den osteuropäischen Märkten Fuß zu fassen - das zahlt sich nun aus.

Neue Strategien schwer finanzierbar

Aus jetziger Sicht sind die Fehler der KarstadtQuelle-Führung nur schwer zu revidieren. Christian Schindler, Konsumanalyst der Landesbank Rheinland-Pfalz gibt zu bedenken: "Die Bilanzsituation bei KarstadtQuelle ist angespannt, das Geld für neue Konzepte fehlt. Kurz: Die Erschließung neuer Märkte lässt sich bei den gegenwärtigen Verlusten nur schwer finanzieren."

Die Konzernverluste vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen lagen im ersten Halbjahr 2004 bei 346 Millionen Euro. Damit sind sie knapp sechs Mal höher als im Vorjahreszeitraum. Die Erlöse sind um mehr als sechs Prozent auf 6,87 Mrd. Euro gesunken. Eine Besserung ist bis Jahresende 2004 nicht in Sicht.

Weniger Produkte mit mehr Gewinn Insofern sind die jetzt angestrebten Sanierungsmaßnahmen nur folgerichtig. Schindler: "KarstadtQuelle muss den Umsatz und die Gewinne steigern. Das kann zunächst durch eine Fokussierung der Verkaufsstrategie auf eine begrenzte, aber gewinnträchtige Produktpalette geschehen: Weniger Produkte - diese aber mit höheren Gewinnspannen." Auch sei die Fusion der einst eigenständigen Unternehmen Karstadt und Quelle noch nicht konsequent umgesetzt: "Hier sind noch einige Synergien ungenutzt."

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  • Datum 28.09.2004
  • Autorin/Autor André Moeller
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5cqn
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