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Wirtschaft

Das System Wal-Mart

Während die Branche kriselt, wächst der größte Einzelhandelskonzern der Welt weiter. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verbuchte Wal-Mart Rekorde bei Umsatz und Gewinn. Wie schafft Wal-Mart das?

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Weltweit erfolgreicher Einzelhändler

Wal-Mart hat es wieder einmal geschafft. Sowohl für das Schlussquartal 2003 wie für das im Ende Januar abgeschlossene Geschäftsjahr verzeichnete der im US-Bundesstaat Arkansas ansässige Konzern Rekorde bei Umsatz und Gewinn. Der Jahresgewinn stieg um rund 13 Prozent auf 8,9 Milliarden Dollar, der Jahresumsatz kletterte um rund 12 Prozent auf 256,5 Milliarden Dollar.

Besonders im Ausland konnte Wal-Mart sein Wachstumstempo erhöhen: Der Auslandsumsatz der mehr als 1300 Geschäfte, davon 92 in Deutschland, stieg um rund 17 Prozent auf 47,6 Milliarden Dollar. Der operative Jahresgewinn der internationalen Wal-Mart-Geschäftssparte stieg um rund 19 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar.

Vom Laden zum Konzern

Mit dem über den Erwartungen der Analysten liegenden Geschäftsergebnis untermauert Wal-Mart erneut seine unangefochtene Spitzenstellung im Einzelhandel. Das war nicht immer so. Den ersten Wal-Mart Store eröffneten die Brüder Sam und Bud Walton 1962 in Rogers, Arkansas. Dagegen wurde das erste Unternehmen der Aldi-Familie Albrecht bereits 1913 gegründet. Dass Wal-Mart es in weniger als 40 Jahren zur klaren Nummer Eins der Branche schaffte, liegt am rasanten Expansionstempo des Konzerns.

"Die Wal-Mart-Story ist faszinierend", beschreibt Jens Jung, Analyst bei Independent Research, die Geschichte vom örtlichen Einzelhändler zum weltweiten Branchenprimus. Die Gründe für die Expansion sind Kundenorientierung und Preisagressivität. "Wal-Mart ist so schnell gewachsen, weil das Unternehmen in den 1980er Jahren als erstes den Kunden in den Mittelpunkt gestellt hat, lange bevor das Unternehmen in Europa gemacht haben."

"Wer ist die Nummer Eins?"

Für Wal-Mart ist der Kunde der König. "Deswegen setzt Wal-Mart im Gegensatz etwa zum deutschen Wettbewerber Metro für die Zukunft nicht auf personalfreies Einkaufen, sondern hält die persönliche Kundenbetreuung weiter für wichtig", betont Jung. Bekannteste Beispiele dieser Philosophie sind die sogenannte Ten Foot Rule und der Wal-Mart Cheer. Nach der Ten Foot Rule müssen Wal-Mart-Mitarbeiter, Kunden die sich in weniger als vier Meter Entfernung aufhalten, grüßen und ihnen ihre Hilfe anbieten. Beim Wal-Mart Cheer (Ruf) buchstabieren die Mitarbeiter gemeinsam lautstark den Firmennamen. Der Cheer endet mit dem Unternehmenscredo: "Wer ist die Nummer Eins? Der Kunde. Immer!"

Genauso konsequent ist Wal-Mart in seiner Preispolitik. "Wal-Mart hat als erster Einzelhändler bei seinen Zulieferern Prozente rausgeholt", erläutert Indenpendent Analyst Jung die Strategie des Konzens. "Wal-Mart weiß, dass im Einzelhandel Profite nur durch Einkaufsmacht und den Preis möglich sind." Seit längerem versuchen auch Wettbewerber die Preise ihrer Zulieferer zu drücken. Allerdings sind viele von ihnen möglicherweise zu spät dran. "Wal-Mart ist durch Übernahmen weiter gewachsen und konnte dadurch immer stärkere Skaleneffekte (Größeneffekte) beim Wareneinkauf erreichen." Durch seine Marktmacht beim Einkauf kann Wal-Mart inzwischen sehr großen Druck auf seine rund 10.000 Produzenten ausüben. Für viele von ihnen ist der Konzern der wichtigste oder gar einzige Abnehmer.

Zusammenarbeit mit Markenherstellern

Allerdings legt Wal-Mart im Gegensatz zu deutschen Discountern wie Aldi und Lildl neben Eigenprodukten auch großen Wert auf Markenprodukte und Markenwerbung. Deswegen arbeitet das Unternehmen auch mit den meisten großen Lebensmittelkonzernen zusammen.

Die Ende der Erfolgsgeschichte des Unternehmens ist offenbar nicht in Sicht. Die größten Konkurrenten wie Carrefour oder Ahold sind zu klein um Wal-Mart auf absehbar Zeit die Spitzenposition der Branche streitig zu machen. "Das einzige Problem könnte das Management der Mentalitätsunterschiede bei den vielen internationalen Engagements sein", sagt Jung. "Bislang ist es Wal-Mart gut gelungen die Übernahmen zu integrieren". Nur in Deutschland kommt der Konzern trotz einiger Zukäufe nicht richtig voran und ist noch nicht unter den Branchengrößen vertreten. Statt das Feld zu räumen, rechnet Independent Research-Experte Jung aber eher mit weiteren Übernahmen von Wal-Mart in Deutschland.

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