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Kultur

Auseinandersetzung mit NS-Terror

Spät, aber mit einiger Dynamik geht München jetzt an den Bau des lange erwarteten NS-Dokumentationszentrums heran. Die Metropole stellt sich damit ihrer Geschichte als Zentrum der Bewegung.

Den Namen "Palais Barlow" kennt heute auch in München kaum noch jemand. Dennoch wurde an diesem Ort Geschichte geschrieben. Die NSDAP hatte dort während des Dritten Reiches ihre Parteizentrale, und so hieß das Palais bald "Braunes Haus". Das Gebäude selbst wurde im Krieg zerstört.

Das Braune Haus, die ehemalige NSDAP-Parteizentrale in München

Das "Braune Haus", die ehemalige NSDAP-Parteizentrale in München

Seit 2011 wird auf dem Grundstück gebaut. Das NS-Dokumentationszentrum, das hier entsteht, wird den dunklen Teil deutscher Geschichte beleuchten - an einem realen historischen Schauplatz, von dem aus einst der Terror organisiert wurde. Jetzt soll ein Raum für historisch-politische Bildungsarbeit entstehen, um das Bewusstsein nachkommender Generationen für Demokratie und Rechtstaat zu schärfen.

Wege zur Aufarbeitung

Eine hochkarätige Arbeitsgruppe aus Experten, Historikern und Architekten entwickelte das Konzept für die Präsentation im NS-Dokumentationszentrum. Wilfried Nerdinger ist Direktor des Architekturmuseums München und Mitglied der Expertengruppe: "Die Grundidee des Konzepts ist es, den authentischen Ort in die Präsentation einzubeziehen." Denn tatsächlich sind es vom geplanten Neubau bis zu den NS-Bauten nur einige hundert Meter Luftlinie. So soll der Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart gelingen. Hans-Georg Küppers, der Kulturreferent der Stadt, sagt, dass Besucher zu Fragen animiert werden sollen, wie: "'Warum München?' und 'Was hat das heute mit mir zu tun?'"

Adolf Hitler im Münchener Hofbräuhaus im Jahre 1941

Adolf Hitler im Münchener Hofbräuhaus im Jahre 1941

München ist von zentraler Bedeutung für die Entstehung und Verbreitung des Nationalsozialismus. Hier wurde die NSDAP gegründet, hier war das Zentrum der Partei, hier ereignete sich der Hitler-Ludendorff-Putsch, mit dem der spätere Reichskanzler 1923 versucht hatte, an die Macht zu gelangen. Hitler selbst nannte München "die Hauptstadt der Bewegung" und versuchte, sie nach seinen ästhetischen Vorstellungen zu gestalten.

Das "NS-Dokumentationszentrum München" will, wenn es 2014 wie geplant öffnet, die Ursachen beleuchten und die Umstände zeigen, die dazu führten, dass sich eine Stadt und ihre Bewohner von den Nazis vereinnahmen ließen. Darüber hinaus haben die Macher des Zentrums das Ziel, die Mechanismen von Propaganda und Terror, die Verfolgung Andersdenkender, aber auch den Widerstand greifbar zu machen. Auf vier Etagen und fast 1000 Quadratmetern Fläche sollen Vorgeschichte und Nachwirkungen der NS-Zeit ebenso dokumentiert werden wie die Jahre zwischen 1933 und 1945.

Neue Dynamik für einen langwierigen Prozess

Das geplante NS-Dokumentationszentrum in München

Das geplante NS-Dokumentationszentrum in München

In Berlin, Köln oder Nürnberg gibt es längst vergleichbare Projekte. Seit 2001 war klar, dass auch in München ein NS-Dokumentationszentrum entstehen soll. Erste Überlegungen gab es bereits nach Kriegsende, doch immer wieder kam es zu Verzögerungen. Lebhaft debattiert wurde über den Standort, dann über die Finanzierung und schließlich über den Namen des Zentrums. Im November 2011 musste die Gründungsdirektorin ihren Hut nehmen, da sie offenbar kein schlüssiges Konzept über die Ausgestaltung vorgelegen konnte. Danach ging alles sehr schnell. Inzwischen gibt es ein überzeugendes Ausstellungskonzept. Nun ist die Stadt wieder im Zeitplan.

Offizielle Grundsteinlegung setzt Zeichen

Aufmarsch der Nazi-Größen in München aus dem Jahre 1935

Aufmarsch der Nazi-Größen in München aus dem Jahre 1935

Am 9. März wird der Grundstein gelegt, direkt neben der Münchener Musikhochschule, dem einstigen Führerbau, und in unmittelbarer Nähe zu den neoklassizistischen Museumsbauten des Königsplatzes. Dort brannten 1933 von den Nazis verfemte Bücher, ganz in der Nähe liegt die Universität, wo die Geschwister Scholl und ihre Mitstreiter von der studentischen Widerstandsgruppe "Die weiße Rose" ihre Flugblätter verteilten.

Der neue Museumsbau wird ganz anders aussehen als die Bauten in der Umgebung: ein schlichter Würfel mit großen Sichtöffnungen, der einen unverstellten Blick auf die Vergangenheit lässt. Modern, einfach aus Sichtbeton - ein Haus, so ganz anders als das "Braune Haus", das einst hier stand. Und doch wird das weiße Haus unübersehbar sein.

Autorin: Renate Heilmeier
Redaktion: Birgit Görtz

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