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Asien

Aung San Suu Kyi vertraut der Kraft der Worte

Aung San Suu Kyi verbrachte 15 Jahre unter Hausarrest der Militärjunta Birmas. Doch alle Widrigkeiten bestärkten die Friedensnobelpreisträgerin nur weiter in ihrem gewaltlosen Kampf für Demokratie.

Aung San Suu Kyi nach ihrer Entlassung aus dem Hausarrest in 2010 (Foto:ap)

Aung San Suu Kyi kämpft seit Jahren für Demokratie in Birma

Der 26. August 1988 hat sich ins Gedächtnis eingebrannt: Anhänger von Birmas Demokratiebewegung marschierten Richtung Rangun. Trotz der Warnungen der Militärregierung wollten sie in der damaligen Landeshauptstadt demonstrieren, für ihre Rechte kämpfen. Aber auf dem Weg dorthin stoppten Soldaten die Demonstranten. Es herrschte Totenstille, jede kleinste Bewegung hätte sie ihr Leben kosten können.

Plötzlich kam ein Junge nach vorne, zerriss sein Hemd und stand schutzlos vor den Soldaten. Er schwieg, doch seine Augen sagten: "Schießt, wenn ihr euch traut!" In diesem Moment befahl der Offizier den Soldaten, die Gewehre herunter zu nehmen. "Sind wir so schamlos, dass wir kleine Jungen erschießen?" fragte er. Dann stellte sich die Führerin der Demokratiebewegung, Aung San Suu Kyi, neben den Jungen. Schließlich gaben die Soldaten nach und machten den Weg frei. Die Demonstranten erreichten Rangun und Aung San Suu Kyi sprach zum ersten Mal vor einer halben Million Menschen.

Suu Kyi spricht zu ihren Anhängern (Foto:ap)

Der Kampf gegen die brutale Militärjunta ist zur Massenbewegung in Birma geworden.

Elf Jahre später, als sie wieder einmal zu 18 Monaten Hausarrest verurteilt wurde, erklärte Aung San Suu Kyi, warum sie sich für eine gewaltlose Demokratisierung ihres Heimatlandes einsetzt, auch wenn dieser Weg der längere und beschwerlichere sei: "Man kann sein Ziel mit einer ganzen Reihe von Mitteln schnell erreichen. Aber das kann bedeuten, dass man an einem völlig anderen Punkt ankommt, weil man auf dem Weg zu diesem Ziel das Ziel selbst zerstört hat."

Enge Verbindung nach Indien

Suu Kyi wuchs in Indien, der Heimat Mahatma Gandhis auf. Wie Gandhi ging auch sie zum Studium nach England. Und wie Gandhi wurde auch Aung San Suu Kyi durch die politischen Umstände in die Politik gedrängt – es war nicht ihr Traumberuf. Ihr Vater, Aung San, war Vorkämpfer für die Unabhängigkeit des damaligen Birma von Großbritannien, ihre Mutter die erste Botschafterin Birmas in Indien.

Suu Kyis Anhänger mit Bildern der Nobelpreisträgerin (Foto: ap/Khin Maung Win)

Aung San Suu Kyi gibt den 54 Millionen Einwohnern des Landes Hoffnung.

Erst nach dem Lesen der Werke Gandhis verstand sie, was Gewaltlosigkeit wirklich bedeutet, schrieb Aung San Sun Kyi. Sie beschloss, in ihrem Kampf seinem Vorbild zu folgen. In dem Buch " After Gandhi: One hundred years of nonviolent resistance" beschreibt der amerikanische Schriftsteller Perry O'Brien: "Ich glaube, das Besondere an Aung San Suu Kyi ist, dass sie keine Angst mehr hat, und das spielt auch eine große Rolle in ihrer Politik." Dies spiegele sich in ihrem Alltag wider, so Perry: "Wir können daraus lernen, dass man erst wenn man keine Angst mehr hat, Teil solcher Bewegungen werden kann, die letztendlich unser Leben verändern können."

Erfolgreich, oder nicht?

Die heute 66-jährige Suu Kyi gleicht mit ihrem zarten Gesicht, dem sanften Lächeln und den frischen Blüten in dem dunklen Zopf immer noch dem jungen Mädchen, das vor Jahren in die Politik ging. Sie wirkt gelassen, optimistisch, furchtlos. Kritiker sagen, dass ihr entbehrungsreicher Kampf für die Demokratie bisher erfolglos gewesen ist.

Für Ramesh Sharma von der Gandhi Peace Foundation in Neu Delhi spielt Erfolg aber eine untergeordnete Rolle: "Viel wichtiger ist, dass Aung San Suu Kyi die ganze Welt auf die Situation in ihrem Heimatland aufmerksam gemacht hat." Viele Menschen haben versucht, Aung San Suu Kyis Stimme zu unterdrücken: "Aber so wird es nicht ewig bleiben. Der Weg der Gewaltlosigkeit ist hart und er fordert, dass man sich opfert und mit Mitgefühl weiter geht."

Die jahrelang unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin in Birma, Aung San Suu Kyi, ist auf dem Plakat abgebildet (Foto: dpa)

Viele Hoffnungen ruhen auf der Symbolfigur des Widerstand in Birma

Kampf erschafft Ikonen

Ob Mahatma Gandhi, Aung San Suu Kyi oder Nelson Mandela - was diese Menschen von anderen unterscheidet ist ihr persönliches Engagement, so Perry O'Brien: "Diese Leute sind zu Ikonen geworden. Sie sind sehr reale Menschen aus Fleisch und Blut. Sie haben auch ihre Schwächen. Aber sie haben alle irgendwann einmal gezeigt, wie viel ihnen diese Idee der Gewaltlosigkeit bedeutet."

Aung San Suu Kyi will ihren Kampf für die Demokratie niemals aufgeben, auch wenn die Zukunft für sie ungewiss ist: "Ich weiß, dass sie mich noch einmal unter Hausarrest stellen könnten, weil sie es in der Vergangenheit schon getan haben. Aber selbst dann würde ich weiter machen."

Autorin: Isha Bhatia
Redaktion: Ana Lehmann/Ziphora Robina