1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Aufschwung auch am Arbeitsmarkt

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihr Herbstgutachten vorgestellt. Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind ausgesprochen gut: 2010 könnte das beste Jahr seit der Wiedervereinigung werden.

Symbolbild wirtschaftliocher Aufschwung (Bild: DW)

Am Donnerstag (14.10.2010) traten die Vertreter der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute vor die Bundespressekonferenz, um ihr Herbstgutachten zur Konjunkturentwicklung vorzustellen. Ihre zentrale Botschaft: Deutschland kommt viel schneller aus der Krise als erwartet. Die Arbeitslosenzahlen werden deutlich sinken und die Wirtschaft stärker wachsen, und zwar in größerem Ausmaß als bislang angenommen.

Die Wirtschaftsforschungsinstitute erstellen zweimal im Jahr im Auftrag der Bundesregierung ein gemeinsames Gutachten zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. In ihrer Frühjahrsprognose 2010 hatten die Experten noch ein Wachstum von 1,5 Prozent für dieses Jahr prognostiziert.

Arbeitsmarkt profitiert

Die wichtigste Erkenntnis, die die Forscher aus ihren Daten ableiten, ist, dass der Aufschwung auch am Arbeitsmarkt ankommen wird. Das kräftige Wirtschaftswachstum werde die Arbeitslosenzahlen merklich sinken lassen. Im Jahresdurchschnitt sagen die Gutachter eine Arbeitslosenzahl voraus, die unter drei Millionen liegen wird - das wäre der niedrigste Stand seit 1992. Überraschende Erkenntnis: Die heimische Wirtschaft profitiert nicht mehr nur vom Export, sondern auch von einer unerwartet stark gestiegenen Inlandsnachfrage.

Düsseldorfs teuerste Einkaufsstrasse, die 'Kö' (Foto: AP)

Auch die Inlandsnachfrage zieht an

"Die deutsche Wirtschaft ist auf gutem Weg, den krisenbedingten Produktionseinbruch wettzumachen", schreiben die Experten in ihrem Gutachten. Bundeswirtschaftsminister Brüderle zeigte sich zufrieden. "Deutschland ist Aufschwungland. Wir bewältigen die Krise besser als viele andere fortgeschrittene Volkswirtschaften." Besonders die Aussichten für den Arbeitsmarkt erfreuten den Minister, es gebe den ersten Beschäftigungsaufschwung seit fast zwei Jahrzehnten. Bei ihrer Vorhersage für das nächste Jahr sind die Wirtschaftsforscher allerdings etwas weniger optimistisch und gehen von einer Abschwächung des Aufschwunges aus: Für 2011 erwarten sie ein Wachstum von 2,0 Prozent.

Risiken und eine dringende Empfehlung

Die Gutachter wiesen in ihrem Vortrag auch auf Risiken hin, die die positive Entwicklung der heimischen Wirtschaft bremsen könnten. Dazu zähle einerseits die nur schleppend verlaufende Erholung der Wirtschaft in den USA und andererseits die Entwicklung der immer noch stark wachsenden chinesischen Wirtschaft. Dort, so die Wirtschaftsforscher, drohe eine Immobilienpreisblase.

Symbolbild Wirtschaftswachstum USA (Bild: DW)

Unsicherheitsfaktor USA: Wie entwickelt sich dort die Konjunktur?

Ein anderes unkalkulierbares Risiko sehen die Wissenschaftler in der Bewältigung der Finanzkrise auf europäischer Ebene. "Die Schulden- und Vertrauenskrise einiger Staaten im Euroraum ist keineswegs ausgestanden", schreiben die Experten und führen die Beispiele Irland, Portugal und Spanien an. Müssten diese Länder Hilfen aus dem Euro-Rettungstopf in Anspruch nehmen, könnte das die Konjunktur wieder schwer belasten.

In diesem Zusammenhang formulierten die Experten auch eine Empfehlung an die Bundesregierung. Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe deutlich gemacht, das nur finanziell "gut aufgestellte Staaten" die Folgen großer, globaler Schocks abfedern könnten, schreiben sie. Daher müsse Haushaltskonsolidierung weiterhin Vorrang haben und die Regierung an ihrem strikten Sparkurs festhalten.

Schließlich wiesen die Wirtschaftsexperten in ihrem Gutachten auf das Ausmaß der gerade überstandenen Finanz- und Wirtschaftskrise hin. Da die Wirtschaft im Jahr 2009 um 4,7 Prozent eingebrochen sei, werde man auch am Ende dieses Jahres, allen guten Aussichten zum Trotz, noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreichen können.

Autor: Dirk Kaufmann (AFPD/AP/DPA)

Redaktion: Monika Lohmüller

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema