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Wirtschaft

IWF traut dem Aufschwung nicht

Der Internationale Währungsfonds traut der Erholung der Weltwirtschaft nicht so richtig. Im jüngsten Wirtschaftsausblick mahnt er deshalb, bestehende Ungleichgewichte schleunigst auszugleichen.

Passanten laufen am Logo der Herbsttagung von IWF und Weltbank am Hauptquartier des IWF am 6.10.2010 in der 19. Straße in Washington vorbei. (Foto: Rolf Wenkel / DW)

Treffpunkt der Volkswirte: Die IWF-Tagung in Washington

Zurück zum Gleichgewicht finden – so könnte man den jüngsten Weltwirtschaftsausblick des Internationalen Währungsfonds überschreiben, der am Mittwoch (06.10.2010) in Washington vorgestellt wurde. Demnach verläuft die Erholung der Weltwirtschaft mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten: In den entwickelten Industrieländern gebe es nur mäßiges Wachstum und ein relativ hohes Risiko für Rückschläge, während viele Schwellenländer wieder ein starkes Wachstum verzeichneten.

Das Hauptanliegen der Politiker müsste deshalb darin liegen, Ungleichgewichte zu beseitigen, meint IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard: "Erst einmal geht es darum, dass die Staaten zu ihrem inneren Gleichgewicht finden. Als in der Krise die private Nachfrage einbrach, da halfen Konjunkturprogramme, das Schlimmste zu verhindern. Das war nötig und richtig. Doch nun muss die private Nachfrage zum Antreiber der Erholung werden, weil die meisten Konjunkturprogramme auslaufen."

Binnennachfrage stärken

IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard (Foto: dpa)

IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard

Deshalb gelte es, sagte Blanchard, die private Nachfrage und die Investitionen zu stärken und zu fördern. Dies gelte aber nicht nur für das innere Gleichgewicht von Volkswirtschaften, sondern auch für die riesigen Ungleichgewichte, die zwischen den Staaten herrschen und die eine Erholung der Weltwirtschaft noch immer bedrohen. Um die externen Ungleichgewichte zu mildern, müssten Defizitländer wie die USA ihre Exportanstrengungen verstärken. Vermehrte Exporte würden zu einer höheren Binnennachfrage führen und so Spielräume für die Regierungen schaffen, ihre defizitären Haushalte zu konsolidieren. Aber auch die Länder mit einem notorischen Exportüberschuss, besonders in Asien, täten gut daran, die heimische Nachfrage zu stärken, um nicht ewig auf das Wachstum der Exporte angewiesen zu sein.

Die gewaltigen Ungleichgewichte zeigen sich auch in den unterschiedlichen Wachstumsraten, die der IWF den einzelnen Weltregionen zutraut: "Für die entwickelten Industrieländer sagen wir nur ein schwaches Wachstum voraus, etwa 2,7 Prozent in diesem und 2,2 Prozent im nächsten Jahr." Ganz anders dagegen das Wachstum in den Schwellenländern: Das schätzt der Währungsfonds auf 7,1 Prozent in diesem und 6,4 Prozent im nächsten Jahr.

Auch für Deutschland hat der IWF seine Wachstumsprognose angehoben, sagt IWF-Länderbeobachter Jörg Decressin: "Wir rechnen mit einem Wachstum von 3,3 Prozent in diesem Jahr, das sind 1,9 Prozentpunkte mehr als ursprünglich angenommen, und für 2011 rechnen wir mit einem Wachstum von zwei Prozent, was immerhin auch noch 0,5 Prozentpunkte mehr sind als ursprünglich angenommen."

Deutschland schwimmt oben

Dies ist die höchste Korrektur nach oben, die der IWF für ein einzelnes Land vorgenommen hat. Ganz anders dagegen die Vorhersagen für die USA: Hier kappte der Währungsfonds seine Prognose deutlich auf nur noch 2,6 Prozent in diesem und 2,3 Prozent im nächsten Jahr. Und die Arbeitslosenquote bleibt laut IWF in den USA unverhältnismäßig hoch. Kein Wunder, das aus den USA die lautesten Vorwürfe kommen, der Exportriese China verschaffe sich auf unfaire Weise Wettbewerbsvorteile, indem er seine Währung künstlich niedrig halte.

Auf dieses Ungleichgewicht angesprochen, gab sich IWF-Direktor Olivier Blanchard sehr diplomatisch und unverbindlich - er beließ es bei einer allgemeinen Warnung vor einem Abwertungswettlauf. "Wenn ein Land entscheidet, seine Währung zu fixieren oder es unterlässt, sie anzupassen, dann wird es für die anderen Länder schwierig, sich ihrerseits anzupassen. Deshalb ist Zusammenarbeit und Koordination für die Schwellenländer wichtig, sodass sie sich alle in einer vernünftigen Weise entwickeln können und nicht in das geraten, was man neuerdings Währungskrieg nennt."

Autor: Rolf Wenkel, Washington
Redaktion: Martin Schrader

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