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Kultur

Auf ins Abenteuer Leben

Zu den Besonderheiten der Berlinale gehört ihr Angebot für junge Kinogänger. Ein vielfältiges und anspruchsvolles Programm aus aller Welt, das seinem Publikum einiges zumutet.

Der Abspann läuft, Applaus brandet auf. Jubel. Und ein Junge ruft: "Wiederholung!" Noch einmal, weil es so schön war. So, mit Herz und Seele, reagiert nur das jüngste Publikum der Filmfestspiele, die Kinder, die sich in der sogenannten Sektion "Generation" auf das Abenteuer Kino einlassen. "The Rocket - Die Rakete" haben sie gerade gesehen, haben gelacht und gebibbert und sind dabei 90 Minuten lang in eine ganz andere, für viele völlig fremde Kultur eingetaucht.

Odyssee zum Glück

"The Rocket", ein Film des australischen Regisseurs Kim Mordaunt, spielt in Laos, dem am stärksten bombardierten Land der Welt, und erzählt von Ahlo, der eigentlich ebenso wenig leben sollte wie sein totgeborener Bruder. Denn Zwillinge, davon ist Ahlos abergläubische Großmutter überzeugt, bringen nur Unheil. Und der Fluch scheint sich zu bewahrheiten. Die Familie verliert das Zuhause, weil das Dorf einem neuen Staudamm weichen muss, Ahlos Mutter stirbt bei einem tragischen Unfall und die Odyssee durch das laotische Hinterland verläuft keineswegs ohne Probleme. Erst als Ahlo bei einem spektakulären Raketenwettbewerb die Wolken zum Regnen bringt, wendet sich das Blatt für ihn, der Pechvogel wird zum Glücksbringer.

Szene aus dem Film 'The Rocket' (Foto: Tom Greenwood)

Szene aus dem Film "The Rocket", in dem der Protagonist Ahlo (M.) durch das laotische Hinterland reist

13 lange und 19 kurze Filme präsentiert Marianne Redpath, die Sektionsleiterin von "Generation", Kindern zwischen vier und vierzehn Jahren in der Reihe Kplus. Die Jüngsten staunen hier über Animationsfilme, in denen ein Maulwurf ans Meer reist, Igel, Elch und Wiesel die Stadt erkunden oder fiese Fleischklopse eine kleine Ballerina ärgern. Und die etwas Älteren ziehen mit Eskil in Nordschweden von Ort zu Ort, mit Marussa durch Paris und mit Pete durch den australischen Busch. "Diese Kinder", sagt Marianne Redpath, "wachsen mit Kplus auf, die kommen Jahr für Jahr, und gucken Filme in Originalfassung, die deutsch eingesprochen werden." Rund 30.000 waren es allein im letzten Jahr. Und nach den Vorstellungen bleiben die meisten noch zum Gespräch mit Darstellern und der Crew. Zu bereden gibt es allerlei. Denn das Angebot der Berlinale verlangt seinen jungen Zuschauern oft viel ab. Dieses Kino konfrontiert nämlich bereits Sieben- und Achtjährige mit der Realität - macht sie mit Straßenkindern in Haiti bekannt, mit der Not junger Einzelgänger, mit Flüchtlingskindern vor den Toren Berlins, mit Gewalt, Krankheit und Tod. Aber, sagt Marianne Redpath, "unser Publikum erwartet, dass wir herausfordernde Filme zeigen".

Intensives Kino

Jin steigt die Berge hinab, sie ist weggegangen von den Aufständischen, deren Leben sie bislang geteilt hat. Jin ist 17, Kurdin, bewaffnet, hübsch und robust. Jin kennt sich im Wald und mit den Tieren aus, Bäume und Höhlen bieten ihr Schutz. Jetzt will sie in eine große Stadt, anders leben. Aber zu diesem anderen Leben erhält sie keinen Zugang. Die Behörden verfolgen sie. Und Männer nutzen ihre Hilflosigkeit schamlos aus. Jin geht schließlich zurück den Wald, rettet einen verletzten Soldaten und stirbt wenig später durch die Kugeln seiner Kameraden.

Szene aus dem Film 'Jin' (Foto: Berlinale)

Intensiv, mit langen Einstellungen und wenigen Worten: Der Film "Jin" von Regisseur Reha Erdem

"Jin", von Regisseur Reha Erdem im Osten der Türkei gedreht, ist ein Film mit unendlich langen Einstellungen, wenigen Worten und stetig zunehmender Intensität. Er hat das Programm 14plus eröffnet, jene Sparte der Sektion Generation, die sich an ein Publikum zwischen 14 und 18 Jahren richtet. Die Jugendsparte der Berlinale wurde vor zehn Jahren eingeführt. Ihr Erfolg überrascht selbst die Verantwortlichen.

Eine Lücke geschlossen

6500 Zuschauer gab es im ersten Jahr, 33.000 waren es 2012. "Unser Publikum bleibt uns treu", sagt Marianne Redpath. Es komme immer wieder, mit den Eltern, der Kita, mit der Schulklasse. Und ab 18 entdecke es dann die anderen Sektionen der Berlinale. "Es ist ein sehr schöner Teil meiner Arbeit", so Marianne Redpath, "junge Menschen beim Heranwachsen begleiten zu dürfen. Aber auch immer mehr Erwachsene entdecken das Programm der Sektion für sich". Weil hier außerordentlich gute Filme gezeigt werden. Filme mit jungen Protagonisten, die keineswegs immer als Kinder- oder Jungendfilm entwickelt wurden, Filme, die authentische Geschichten erzählen: Von Versagensängsten, Verzweiflung und Selbstbehauptung, von Naturtalenten, Aktivisten und dem kleinen Glück.

Kinderjury bei der Premiere von Het Zigzag Kind mit Isabella Rossellini (M.) (Foto: dpa)

Kinderjury bei der Premiere von "Het Zigzag Kind" mit Isabella Rossellini (M.)

Und manchmal darf in der Sektion "Generation" auch herzhaft gelacht werden. Bei dem niederländischen Film "Nono, Het Zigzag Kind" von Vincent Bal etwa, mit dem Kplus eröffnet wurde. Bei dieser schrägen Detektivgeschichte bebte das Kino und anschließend, als Kinderdarsteller Thomas Simon und seine berühmten Kollegen Isabella Rossellini und Burghard Klausner auf der Bühne standen, wollte der Jubel gar kein Ende finden. So schön kann die Berlinale sein!

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