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Wirtschaft

Auf der Spur der indischen VW-Millionen

In der VW-Korruptionsaffäre hat die südindische Landesregierung von Andhra Pradesh Millionenzahlungen für den Bau einer VW-Fabrik zugegeben: Das Geld sei an "Vashishta Wahan" gegangen, dem angeblich indischen Arm von VW.

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Die indischen Millionen waren für eine neue VW-Fabrik gedacht

Der Verbleib der zwei Millionen Euro ist unklar. Nach Informationen der ARD wurde das Geld ins Ausland transferiert. Als Drahtzieher der Aktion ist der ehemalige VW-Top-Manager Helmuth Schuster ins Visier geraten.

VW-Korruptionsaffäre - Helmuth Schuster

Helmuth Schuster

Schuster hatte jahrelang im Auftrag der VW-Spitze in Indien über den Bau einer Volkswagen-Fabrik verhandelt. Blitzschnell brachte der inzwischen geschasste Top-Manager dann Anfang 2005 seinen eigenen dubiosen Millionendeal über die Bühne: Zwei Millionen Euro verlangte Schuster von der Landesregierung im südindischen Andhra Pradesh, stellte eine Entscheidung der VW-Spitze über die Fabrik innerhalb weniger Tage in Aussicht und machte viel Druck. Komme das Geld nicht umgehend, gehe man mit der Fabrik eben woanders hin, ließ er wissen.

Trotz Bedenken hoher Beamter zahlte die Regierung Andhra Pradeshs "Vashishta Wahan". So wird Volkswagen im indischen Volksmund genannt und so dachte der zuständige Minister angeblich auch, es sei eine Volkswagen-Tochter. Das Geld sei seiner Auffassung nach der Landes-Anteil für den Bau der Fabrik in Andhra Pradesh gewesen. Doch VW ist an "Vashishta Wahan" gar nicht beteiligt, und eine Entscheidung über eine Fabrik in Indien ist bis heute nicht gefallen.

Die dubiose Firma "Vashishta Wahan"

Der Skandal verursacht viel Wirbel in Indien und ließ zunächst Fragen offen. Die wichtigste: Was ist "Vashishta Wahan"? Antworten geben inzwischen die ARD-Recherchen: "Vashishta Wahan" ist eine der Tarnfirmen des weltumspannden Schuster-Netzwerkes. Die Spur führt direkt in Schusters Netz von Strohmännern und Zwischenfirmen. Die Verbindung: Jagadeesh Raja, einer der beiden Geschäftsführer von "Vashishta Wahan". Der indische Finanzberater ist über eine Firma in Dubai mit dem Schuster-Netzwerk verknüpft - über diese Firma wickelte er verdeckte Zahlungen im Auftrag Schusters ab.

Mitte Januar 2005 gingen die zwei Millionen Euro aus Andhra Pradesh auf dem Konto von "Vashishta Wahan" in Neu Delhi ein. Schon wenige Tage später versuchte Schuster offenbar, das Geld außer Landes zu bringen. BK Chaturvedi, einer der Geschäftsführer "Vashishta Wahans", sagte der ARD, Schuster habe ihn mehrfach bedrängt, das Geld noch im Januar ins Ausland zu überweisen. Chaturvedi ist ein renommierter Spitzenmanager der indischen Automobilindustrie - er habe ein illegales Geschäft gewittert und sich geweigert, die Überweisung zu unterschreiben, wie er sagt. Doch der zweite Geschäftsführer Raja und der dubiose Schuster-Berater Ashok Jain haben ebenfalls Zugang zum Firmenkonto.

Das Geld ist Weg, die Pläne der Regierung nicht

Anfang März war das Konto laut Chaturvedi leer. Restguthaben: ganze 180 Euro. Eine erste konkrete Spur also von den zwei Millionen der indischen Landesregierung - und diese Spur führt klar ins Schuster-Netzwerk.

VW - Konzern als Übernahmekandidat?

Muss VW für Schuster geradestehen?

Die Regierung Andhra Pradeshs ist nach den Enthüllungen des dubiosen Deals massiv unter Druck geraten, auch wenn Ministerpräsident Rajasekhar Reddy die verschwundenen Millionen noch nicht abgeschrieben hat: "Unser Geld ist recht sicher", behauptet Reddy, "offenbar hat Schuster Gelder veruntreut. Aber das heißt nicht, dass der Volkswagen-Konzern aus dem Spiel ist."

Andhra Pradesh will jetzt eine Delegation nach Wolfsburg schicken, um auf Bitten VWs die Ermittlungen zu unterstützen und um weiter über den Bau der VW-Fabrik in Südindien zu verhandeln. Falls nichts aus den Plänen wird, meint die Regierung, sei Volkswagen verpflichtet, für Schuster geradezustehen und die zwei Millionen Euro zurückzuzahlen.

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