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Kultur

Auf den Hund gekommen

Lars von Trier bringt mit "Dogville" das Theater auf die Leinwand - gedreht wurde in einem einzigen Bühnenbild. Sein Film erzählt vom Verlust der Unschuld in einer ganz normalen Kleinstadt, irgendwo in Amerika.

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Nicole Kidman wird versklavt

An diesem Film scheiden sich die Geister. In Cannes wurde "Dogville" als Favorit gehandelt, ging aber leer aus. Ein Kritiker der Branchenzeitschrift "Variety" bezeichnete den Film als "ideologisch apokalyptischen Tiefschlag gegen die amerikanischen Werte."

Macht korrumpiert

"Dogville" ist eine Parabel auf menschliche Werte und ihre Gefährdung. Die schöne Flüchtige, Grace (Nicole Kidman), flieht vor einer Bande Gangster nach Dogville, einer Kleinstadt irgendwo in den Rocky Mountains in den 1930er-Jahren der wirtschaftlichen Depression. Nach der Fürsprache des selbsternannten Dorfsprechers (Paul Bettany) nimmt das Dorf Grace auf, die im Gegenzug für die Bewohner unterschiedliche Arbeiten verrichten muss. Als jedoch bekannt

Der neue Film von Lars von Trier, Dogville

Filmszene Dogville

wird, dass Grace von der Polizei gesucht wird, fordert das Dorf zum Ausgleich für das gestiegene Risiko ihrer Unterbringung mehr Arbeit. Auf die harte Tour muss Grace lernen, dass Güte in dieser Gemeinde ein relativer Begriff ist. Die Forderungen der Bewohner werden immer exzessiver, bis die schutzlose Grace zuletzt versklavt und in Ketten gelegt wird.

Macht korrumpiert, so die einfache Aussage von "Dogville". Amerika steht für von Trier beispielhaft für die Welt. "Ich glaube nicht, dass die Amerikaner schlimmer sind als andere, allerdings auch nicht weniger als die Schurkenstaaten, von denen Mr. Bush so viel spricht", sagt der dänische Regisseur. "Ich glaube, dass die Menschen überall gleich sind, mehr oder weniger. Aber da Amerika so mächtig ist, kann ich ruhig ein wenig sticheln, ohne dass es dabei Schaden erleidet."

Episches Lehrtheater

Film Dogville von Lars von Trier, Schauspielerin Chloe Sevigny

Filmszene Dogville

Der fast dreistündige Film glänzt durch eine hochkarätige Besetzung. Ikonen des amerikanischen Films wie Lauren Bacall, James Caan, Ben Gazzara treten neben Hauptdarstellerin Nicole Kidman auf. Von Trier will die Provokation, die diese Besetzung darstellt, nicht leugnen. "Es ist natürlich verführerisch, einen Hollywood Star für einen Film wie diesen zu nehmen", gesteht er.

Für "Dogville" hat sich von Trier nach eigenem Bekunden durch einen Song aus Bertolt Brechts "Dreigroschen Oper", das "Lied der Seeräuber-Jenny" inspirieren lassen. Die Figur der Grace verkörpert allerdings anders als die Frauen in "Breaking the Waves" oder "Dancer in the Dark" nicht mehr das Bild der Märtyrerin bis in den Tod. Grace wird am Ende des Films grausam Rache für das Leid üben, das ihr zugefügt wurde.

Ende des filmischen Films?

Brecht steht noch in einem anderen Sinn für diesen Film Pate: "Dogville" ist wie ein Theaterstück auf einer Bühne inszeniert. Das Dekor reduziert sich auf wenige Kulissen und Möbel, die die Wohnhäuser andeuten, Kreidestriche markieren die Straße. Der Fokus liegt allein auf der Handlung und der Psychologie der Figuren. Ein Erzähler aus dem Off kommentiert von Zeit zu Zeit das Geschehen auf der Bühne, ganz wie im epischen Lehrtheater.

Lars von Trier in Cannes

Lars von Trier

"Was soll ich denjenigen antworten, die sagen, das wäre kein Kino mehr? Ich sage, sie haben vielleicht sogar recht", erzählt von Trier. Mit "Dogville" verabschiedet er bereitwillig den Begriff des "filmischen Films". Schon 1995 hat sich von Trier als Mitbegründer des "Dogma"-Konzepts vom aufwendigen, illusionistischen Kino abgewandt. Vielleicht besteht sein nächster Schritt nun darin, das Theater vollends auf die Leinwand zu bringen.

Weiter ohne Kidman

Von Trier plant gerade zwei weitere Filme, "Manderlay" und "Washington", die zusammen mit

Nicole Kidman in Cannes

Nicole Kidman

"Dogville" die Amerika-Trilogie "U.S. of A." bilden sollen. Nicole Kidman wird ihm allerdings nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Dreharbeiten mit von Trier kosteten sie zu viel Nerven und waren "einfach zu stressig".

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