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Kultur

Auf Buddhas Spuren in Kabul

Die gesprengten Buddha-Statuen waren das bekannteste Beispiel des Bildersturms der Taliban. Seit Jahren kämpft ein afghanischer Archäologe um den Erhalt der vergessenen Schätze.

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Mehr als 20 Buddhastatuen wurden bei Pandsche Schah in Kabul geborgen

Vor zwei Jahren wollte ein Afghane im Bezirk Pandsche Schah auf dem Narendsch-Hügel in Kabul ein Haus bauen – Bereits nach den ersten Spatenstichen stieß er auf Mauerreste, die aus vorislamischer Zeit stammten. Diese weckten das Interesse des afghanischen Archäologen Zafar Paiman, der erst zwei Jahre zuvor aus dem französischen Exil nach Kabul zurückgekehrt war. Seine Sorge gilt seitdem der Vielzahl archäologischer Fundstücke in Afghanistan, um die sich kaum einer zu kümmern scheint. "Wie soll eine Gesellschaft, die ihre vergangene Geschichte und Kultur nicht kennt, eine zukünftige Gesellschaft aufbauen?“, fragt er. Derzeit untersucht Paiman die buddhistischen Anlagen von Pandsche Schah, in denen er rund 1.500 Jahre alte Statuen und eine große Stupa - ein Denkmal zu Ehren Buddhas - gefunden hat.

Wettlauf gegen die Zeit?

Buddhatempel in Kabul

Eine Stupa zu Ehren Buddhas

Zafar Paiman plant, an der Fundstelle ein Museum zu errichten, damit die Ausgrabungsobjekte durch Transporte nicht unnötig beschädigt werden. Dazu müsste das Gelände allerdings überdacht werden. Zwar habe es bei den bisherigen Ausgrabungen keinerlei Schwierigkeiten mit der örtlichen Bevölkerung gegeben, doch die Gelder fehlen ihm: Bereits zwei Jahre dauern die Arbeiten bereits an, weil Afghanistan nicht ausreichende finanziell unterstützen kann. Dadurch konnte auch das Erdbeben im Jahr 2005 weitere Zerstörungen an den kostbaren buddhistischen Bauwerke anrichten. Auch die UNESCO hat Paiman im vergangenen Jahr bereits mit rund 11000 Dollar unterstützt. Trotzdem will der Archäologe an diesem Projekt festhalten: "Wir Afghanen müssen der Welt zeigen, dass wir unsere Kultur bewahren können“, erklärt er stolz.

Neue Kunstrichtung?

Bisher haben die afghanischen Wissenschaftler über 20 Statuen in Pandsche Schah ans Licht befördert und notdürftig restauriert. Nach ersten Schätzungen datiert Paiman die Funde auf das fünfte Jahrhundert nach Christus und die jüngsten Funde auf das neunte nachchristliche Jahrhundert, als Afghanistan schon teilweise islamisiert worden war. Die interessanteste Erkenntnis für den Archäologen: es handelt sich seiner Meinung nach um einen völlig neuen Kunststil, den Paiman „Kabuler Schule“ getauft hat.

Buddha - Kabul

Ein neuer Stil: Die "Kabuler Schule"

Zahlreiche Fundstätten vorislamischer Kunst sind in Afghanistan bekannt geworden, neben der Hauptstadt Kabul im zentralafghanischen Bamiyan und Hadda im Osten des Landes. Die Region von Kabul bis Nordpakistan ist berühmt für die Gandhara-Kunst, einer Synthese aus indisch-buddhistischen und griechisch-hellenistischen Einflüssen, aus denen um die Zeitenwende ein neuer Kunststil entstand. Noch vor fünf Jahren hatten die Taliban die prominentesten Vertreter dieses gräco-buddhistischen Vermächtnisses, die größten Buddhastatuen der Welt in Bamiyan, gesprengt. Umso wichtiger ist es für den Archäologen Paiman, dass weiteres Kulturgut vor Schaden bewahrt wird.

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  • Datum 03.04.2006
  • Autorin/Autor Nasim Saber
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8B4h
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