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Wirtschaft

Auch Schlecker-Tochter IhrPlatz insolvent

Die Insolvenz der Drogeriekette Schlecker trifft nun auch die Tochter IhrPlatz. Das Osnabrücker Unternehmen galt eigentlich als Aushängeschild. Doch die Abhängigkeit von der Mutter ist groß.

Ein Passant läuft an einem IhrPlatz Drogeriemarkt vorbei am Donnerstag (26.01.2012) in Düsseldorf. Auch die Schlecker-Tochter IhrPlatz geht in die Insolvenz. Betroffen sind rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter. Foto: Martin Gerten dpa/lnw

Drogeriemarktkette IhrPlatz folgt Mutter Schlecker in die Pleite

Die Schlecker-Tochter IhrPlatz folgt der Mutter in die Insolvenz. Das Osnabrücker Unternehmen habe beim Amtsgericht Ulm einen entsprechenden Antrag eingereicht, sagte ein Schlecker-Sprecher am Donnerstag (26.01.2012). Betroffen seien rund 650 Filialen und 5.800 Mitarbeiter. Die IhrPlatz-Beschäftigten wurden am Morgen informiert. Am Montag hatte Schlecker selbst Insolvenz angemeldet. "In der Branche war man davon ausgegangen, dass IhrPlatz über eine gute und solide Substanz verfügt", sagt dazu Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI Retail Instituts in Köln zu DW-WORLD.DE. Insofern sei es auch "nicht besonders angenehm", dass von der Schlecker-Tochter jetzt auch schlechte Nachrichten kämen, betont der Handels-Experte.

Ein Karton mit der Beschriftung Rote Karte für Schlecker steht am Montag (08.03.2010) am Brandenburger Tor in Berlin. Frauen aus dem Einzelhandel und Mitglieder der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) haben gegen die schlechten Arbeitsbedingungen am Frauentag demonstriert. Die prekären Beschäftigungsverhältnisse, besonderes bei der Firma Schlecker, nehmen immer weiter zu, so Verdi. Foto: Alina Novopashina dpa/lbn

Rote Karte für Schlecker

IhrPlatz und die Auslandsgeschäfte waren zunächst außen vor geblieben. Das Osnabrücker Unternehmen befinde sich in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu Schlecker, begründete der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz den Schritt. Die Tochter solle Teil der Restrukturierung werden, deren Ziel der Erhalt des Gesamtunternehmens sei. Dazu werde es in den kommenden Tagen auch Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft Verdi geben. Für die Auslandsgeschäfte wurde dagegen kein Insolvenzantrag gestellt.

Regale werden wieder gefüllt

Schlecker nahm am Donnerstag den sogenannten Regelbetrieb wieder auf, nachdem sich Geiwitz und das Management am Mittwoch (25.01.2012) mit dem wichtigsten Gläubiger, der Einkaufsgemeinschaft Markant, geeinigt hatten. Das gilt auch für IhrPlatz. Eine Einigung über die Belieferung der noch nicht von der Insolvenz betroffenen Auslandsgesellschaften durch Markant sollte am Donnerstag folgen. "Das Unternehmen kämpft. Das ist die gute Nachricht auch für die Mitarbeiter", stellt Handels-Experte Gerling fest.

Geiwitz betonte, er sei nach diesem Durchbruch zuversichtlich, auch die Gespräche mit den anderen Lieferanten in den nächsten Tagen positiv abschließen zu können. Ziel des zusammen mit der Familie Schlecker und dem Management erarbeiteten Restrukturierungskonzepts sei weiterhin der Erhalt des Unternehmens sowie eines großen Teils des Filialnetzes und der Arbeitsplätze.

Zweite Insolvenz von IhrPlatz

ARCHIV - Blick auf eine Werbe-Leiste im Fenster einer Filiale der Drogeriehandelskette Schlecker, Archivfoto vom (12.01.2010) in Magdeburg. Der Drogeriekonzern Schlecker ist insolvent. Ein entsprechender Bericht der «Lebensmittel Zeitung» ist nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa vom Freitag (20.01.2012) korrekt. Schlecker kämpfte im harten Wettbewerb auf dem Drogeriemarkt seit längerem gegen Verluste an. Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz um rund 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Für 2011 rechnete das Unternehmen erneut mit sinkenden Erlösen. Foto: Jens Wolf dpa/lsw (Zu lsw Eil: «Schlecker insolvent» vom 20.01.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++

"Sehr schwerer Weg"

Schlecker hatte IhrPlatz Ende 2007 übernommen. Für das Osnabrücker Traditionsunternehmen ist es schon die zweite Insolvenz. Bereits im Mai 2005 war die Kette zum Amtsgericht gegangen, hatte sich danach aber in Eigenverwaltung saniert. Damals wurden knapp 2.000 Mitarbeiter entlassen und 80 Läden geschlossen.

Insgesamt sind von der Schlecker -Insolvenz inklusive der IhrPlatz-Beschäftigten rund 30.000 Mitarbeiter betroffen. Zur Zahl der Filialen macht Schlecker nur zurückhaltende Angaben. Die 650 Märkte der niedersächsischen Tochter seien aber in den bislang angegebenen derzeit rund 7.000 Filialen enthalten.

Gewerkschaft fordert Bündnis

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte derweil ein Bündnis zur Unterstützung der Schlecker-Beschäftigten. "Es sind nicht die Beschäftigten, die die finanzielle Misere von Schlecker verursacht haben", betonte Stefanie Nutzenberger vom Ver.di-Bundesvorstand. Die Forderung richte sich zum einen an die Lieferanten, die Drogeriemarktkette weiter mit Waren zu versorgen. Aber auch die Kunden seien aufgefordert wie bisher bei Schlecker einzukaufen. Die beängstigende Zeit der Ungewissheit für die Beschäftigten und ihre Familien müsse ein Ende haben. "Die Frauen und Männer haben einen berechtigten Anspruch zu erfahren, ob ihre Arbeitsplätze für die Zukunft gesichert sind", sagte Nutzenberger. "Dazu kann niemand so schnell und umfassend aufklären wie die Familie Schlecker selbst."

Michael Gerling vom EHI Retail Institut ist skeptisch, ob das Unternehmen Schlecker wieder auf die Beine kommen kann: "Das ist eine Branche, in der es sehr schwer ist, sich noch einmal seinen Platz zu erkämpfen", so Gerling zu DW-WORLD.DE. "Man soll nicht sagen, es ist unmöglich. Aber es ist auf jeden Fall ein sehr schwerer Weg."

Autor: Klaus Ulrich (dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Monika Lohmüller

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