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Wirtschaft

"Atmosfair": freiwilliger Klimaschutz

Ein Flug geht heutzutage weniger auf Kosten unseres Geldbeutels, aber immer noch auf Kosten der Umwelt. Die Initiative "Atmosfair" wirbt für mehr Bewusstsein und einen freiwilligen Ausgleich.

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Große Flughöhe, große Umweltbelastung

Wer viel mit dem Flugzeug unterwegs ist, schadet dem Klima - eine Binsenweisheit. Seit 1970 hat sich der weltweite Flugverkehr verfünffacht, in letzter Zeit machen vor allem die Billigfluglinien die Reise im Flugzeug für fast jeden in den Industriestaaten erschwinglich. Die dabei verursachten Kosten für die Umwelt werden nirgendwo in Rechnung gestellt. Alle Bemühungen, weltweit für eine Flugbenzinsteuer zu werben, sind bislang gescheitert. Und auch das internationale Klimaschutzabkommen, das Kyoto-Protokoll, hat den Flugverkehr bislang ausgeklammert. Die Initiative Atmosfair will jetzt auf freiwilliger Basis versuchen, die Kosten, die der Flugverkehr verursacht, auszugleichen.

Kosten werden verschoben

Umweltminister Jürgen Trittin ohne Bart

Umweltminister Jürgen Trittin fliegt mit schlechtem Gewissen

Die Idee für die gute Sache funktioniert so: Wer fliegt, finanziert ein Umweltprojekt in einem Entwicklungsland. Eine Idee, die das deutsche Umweltministerium anlässlich des Erdgipfels in Johannesburg vor zwei Jahren hatte. Bundesumweltminister Jürgen Trittin erinnert sich: "Wir haben uns gefragt, wie man eigentlich glaubwürdig zu so einem Gipfel kommen kann, und dabei gleichzeitig ja eine erhebliche Menge an Treibhausgasen verursachen. Wir haben das dann berechnet. Das waren 1280 Tonnen!" Das müsse an anderer Stelle auf diesem Globus wieder eingespart werden, sagte sich die deutsche Delegation, und finanzierte mit dem Erlös eine ganze Reihe von Energiesparhäusern in einem Township.

Schirmherr der jetzigen Initiative ist der Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) , Klaus Töpfer. Er glaubt zwar nicht, dass nun jeder Fluggast freiwillig seinen Obulus bezahlt, aber er hofft darauf, mehr Bewusstsein für ein wichtiges Thema zu schaffen. Wer der Umwelt schadet, verursacht Kosten, die andere begleichen müssen. "Unsere Preise decken nicht alle Kosten ab", so Töpfer zu DW-WORLD. "Diese Kosten müssen von jemandem getragen werden. Im Allgemeinen verschieben wir die Kosten gerade auf die wesentlich Ärmeren in unserer Welt und auf kommende Generationen."

Freiwilliger Ausgleich

Klaus Töpfer bei der UNEP (Umweltschutzprogramm der UN) in Genf, Schweiz

UNEP-Direktor Klaus Töpfer gleicht seine Vielfliegerei mit einem Zertifikat von "Atmosfair" aus

Träger der Initiative ist das "Forum anders Reisen", ein Zusammenschluss von 100 umweltfreundlichen Reiseveranstaltern, die immerhin 60.000 Kunden pro Jahr betreuen, fast die Hälfte davon Fluggäste. Das Forum hat in einer Tabelle errechnet, welcher Flug welche Kosten verursacht. Ein Kurzflug von Berlin nach Bonn und zurück kostet acht Euro. Für die Anreise des UNEP-Direktors von seinem Amtssitz in Afrika nach Berlin kommen schon ganz andere Summen zustande. "Sie verursachen mit ihrem Flug von Nairobi nach Berlin mit Umsteigen in Frankfurt und zurück Abgase mit einer Klimawirkung von insgesamt 4260 Kilogramm Kohlendioxid", rechnet der Forum-Chef Roland Streicher dem UNEP-Direktor Töpfer vor. "Diese können Sie mit einem Zertifikat von Atmosfair für ein Klimaschutzprojekt im Wert von 74,70 Euro einsparen."

Die Initiative unterstützt zunächst zwei Projekte: In Indien werden Großküchen mit Solaranlagen ausgestattet, in Brasilien wird ein Kraftwerk gebaut, in dem Abfälle entsorgt und thermisch Strom erzeugt wird. Töpfer jedenfalls versprach, mindestens in diesem Monat alle Kosten seiner Flüge auszugleichen. Und da kommt bei dem regen Chef des UN-Umweltprogramms schon einiges zusammen.

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