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Europa

Athens To Potami: Stimme der Vernunft sein

Er plädiert für eine Einigung Athens mit den Geldgebern und sagt auch mal Dinge, die unbequem sind: Stavros Theodorakis, Vorsitzender der europa-freundlichen Partei To Potami, im DW-Gespräch.

"Unser Land braucht eine Einigung mit den Geldgebern": Davon ist Stavros Theodorakis überzeugt. Auch Europa könne "die Angelegenheit mit Griechenland nicht mehr lange in der Schwebe halten". Deshalb habe seine sozialdemokratische Partei To Potami (Deutsch: der Fluss) auch eine klare Haltung: "Falls sich der griechische Ministerpräsident mit unseren Partnern einigt, werden wir uns nicht quer stellen, sondern für dieses Abkommen stimmen."

Solche Aussagen haben dem Oppositionspolitiker auch Kritik eingebracht. Doch Theodorakis geht davon aus, dass die meisten Griechen betont europa-freundlich und der ständigen Verzögerung dieser Verhandlungen überdrüssig seien. Natürlich hätte eine Einigung derzeit auch Schwachpunkte, da die Athener Regierung mit ihrer Verhandlungstaktik viel Zeit verloren habe. Doch nun gilt: "Selbst eine schlechte Einigung wäre zum jetzigen Zeitpunkt besser als gar keine."

Stavros Theodorakis, Vorsitzender der Partei To Potami (Foto: DW)

Stavros Theodorakis im Gespräch mit der DW

Am Mittwoch kam der Oppositionspolitiker mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras zu einem Vier-Augen-Gespräch zusammen. Bei den Verhandlungen mit den Geldgebern war Theodorakis zwar nicht dabei, aber er wagt eine zurückhaltende Aussage über einen möglichen Kompromiss zwischen der Regierung und den Gläubigern: "Vermutlich bekommen wir zunächst einmal eine kleine Einigung, die den Weg für eine umfassende Einigung frei macht."

Gemeinsam regieren?

Der 1963 geborene Theodorakis hat Regierungschef Tsipras mehrfach seine Unterstützung für eine Reformpolitik angeboten, die den Verbleib Griechenlands in der Eurozone sichern soll. Trotz der politischen Differenzen, die gelegentlich auch im Parlament öffentlich ausgetragen werden, scheinen sich die beiden gut zu verstehen. Ob mehr daraus wird?

Theodorakis ist nicht abgeneigt: "In Deutschland regieren die beiden großen Parteien zusammen, das könnte doch auch für uns ein Weg sein", meint der Oppositionspolitiker im Gespräch mit der DW. Gewaltige Probleme könne man eben nur im größtmöglichem Konsens lösen. Aus diesem Grund wolle seine Partei mit dem Ministerpräsidenten zusammenarbeiten. Allerdings räumt er ein: "Wir sind natürlich etwas enttäuscht, denn bis jetzt folgen sie unseren Vorschlägen kaum - um nicht zu sagen, sie tun genau das Gegenteil."

Unpopuläre Maßnahmen

Dass die Vorschläge des Oppositionspolitikers nicht immer Gehör finden, scheint kaum verwunderlich - denn To Potami gehört zu den wenigen politischen Parteien in Griechenland, die selbst zu Wahlkampfzeiten unpopuläre Maßnahmen in Aussicht stellten. Unter anderem versprach Theodorakis, Rentenkassen zusammenzuführen, das subventionierte System der Frühpensionierung abzuschaffen und die Renten in Krisenzeiten zu deckeln. Es könne nicht sein, dass 400-Euro-Renten gekürzt würden, während der eine oder andere 3.000 Euro an Rente bekomme, kritisiert der Sozialdemokrat. Mit solchen Aussagen macht er sich nicht nur Freunde in Griechenland.

Alexis Tsipras (Foto: DPA)

Ministerpräsident Alexis Tsipras: Noch keine Einigung mit den Geldgebern

Er betont aber auch: "Unsere derzeitigen Probleme stammen nicht von der Linkspartei Syriza, sondern von der altgedienten Politikergarde. Da nützt es nichts, dem Volk zu schmeicheln." Irgendwann müssten die Politiker aufhören, "den Unterhalter zu geben, der nur Angenehmes erzählt." Die Aufgabe der Politiker bestehe darin, "Lösungen auszuarbeiten, die der Vernunft entsprechen und möglichst nah am Menschen sind".

Von Haus aus Journalist

Nah an den Menschen sein - damit hat der ehemalige Journalist und Moderator Theodorakis Erfahrung. 14 Jahre lang lief seine TV-Sendung "Protagonisten" in einem griechischen Privatsender. Anders als viele seiner prominenten Kollegen suchte der Journalist aus Kreta das Gespräch mit den einfachen Bürgern. Das brachte ihm viele Sympathien ein.

Vor anderthalb Jahren gründete er seine eigene Partei. Aus dem Stand kam er bei der jüngsten Europawahl auf 6,6 Prozent der Stimmen und schickte zwei Abgeordnete ins EU-Parlament nach Brüssel. Doch er selbst wollte nicht in die Hauptstadt Europas. Seine Begründung: "Was soll ich dort? Ich beherrsche nicht einmal eine Fremdsprache." So viel Ehrlichkeit wussten die Wähler zu schätzen: Bei der Parlamentswahl im Januar avancierte To Potami zur viertgrößten politischen Kraft des Landes - nur knapp hinter der rechtsradikalen Goldenen Morgenröte.

Beobachter in Griechenland vergleichen die Partei mit der spanischen sozial-liberalen Bewegung Ciudadanos von Albert Rivera, die den Sozialisten in Madrid Konkurrenz macht und auch die radikale Linksbewegung Podemos Stimmen gekostet hat. Aber natürlich habe jede Partei ihre eigene Identität, so Theodorakis. Wichtig sei ihm jedenfalls, dass To Potami den Griechen eine Alternative in absurden Zeiten biete: "Wir wollen eine progressive Stimme der Vernunft sein."

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