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Nahost

Assad kann triumphieren

Die syrischen Bürgerkriegsparteien haben sich auf den Abzug der Rebellen aus ihrer einstigen Hochburg Homs geeinigt. Für das Regime ist das vor allem propagandistisch ein Erfolg. Der Krieg geht dennoch weiter.

Syriens Staatsmedien bejubeln die "Befreiung" von Homs aus der Hand der "Terroristen". Tourismusminister Bisher Yazigi hatte schon vor Tagen völlig ernsthaft erklärt, er freue sich auf eine "blühende Tourismus-Saison" in der zerbombten Metropole. Der Abzug der letzten größeren Rebelleneinheiten aus Syriens drittgrößter Stadt bietet dem Regime in Damaskus eine weitere willkommene Gelegenheit, die eigene militärische Überlegenheit zu zelebrieren und sich als Sieger zu inszenieren.

Möglich wurde der Abzug allerdings

durch einen Deal, dem beide Seiten schon unter UN-Vermittlung zugestimmt hatten

und bei dessen Konkretisierung unter anderem iranische Unterhändler mitgewirkt haben sollen: Das Regime und seine verbündeten Milizen lassen die Rebellen mitsamt leichter Waffen abziehen. Die Rebellen lockern im Gegenzug ihre Blockade in zwei schiitischen Dörfern und lassen auch ihrerseits mehrere Gefangene frei. Dem Vernehmen nach soll es sich dabei überwiegend um iranische Milizionäre sowie Kämpfer der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah handeln. Beide kämpfen auf Regimeseite gegen die Rebellen. Diese hingegen sind überwiegend Sunniten und haben ebenfalls ausländische Kämpfer in ihren Reihen - darunter auch viele "Dschihadisten" aus dem Umfeld von Al-Kaida.

Straße mit zerstörten Gebäuden in Homs (Foto: Joseph Eid/AFP/Getty Images)

Der zweijährige Dauerbeschuss hat Spuren hinterlassen

Niederlage war absehbar

Dass die Altstadt von Homs nach fast zwei Jahren Belagerung und Dauerbeschuss wieder in die Hände des Regimes fallen würde, war freilich schon länger absehbar. Früher hatten die Rebellen schätzungsweise bis zu 70 Prozent der Stadt und ihrer Umgebung unter Kontrolle. Doch seit 2012 hatte das Regime immer mehr Viertel und Gebiete zurückerobert. Die schließlich nur noch in der historischen Altstadt und im Ortsteil Al-Waer verschanzten Rebellen hatten zuletzt weder ausreichend Munition noch genügend zu essen. Auch Medikamente waren knapp geworden. Zivilisten hatten massiv unter der katastrophalen Versorgungslage und den Bombardements zu leiden.

Manche Regimegegner bewerten es zwar als Teilerfolg, dass die Rebellen zumindest mitsamt Waffen abziehen durften und nun anderswo in Syrien weiterkämpfen können. Dennoch empfinden viele den Abzug der Rebellen in erster Linie als bittere Niederlage. Denn gerade Homs galt vielen in der Anfangzeit des Konflikts als Symbol für den Widerstand gegen die Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad: Zu Beginn des ursprünglich unbewaffneten Aufstandes 2011 hatten dort Hunderttausende mutig gegen Assads Diktatur demonstriert. Jetzt, nach dem Abzug aus der Altstadt, ist einzig noch das Stadtviertel Al-Waer unter Kontrolle der Regierungsgegner. Schon jetzt wird spekuliert, dass auch dort bald die Kämpfer ihre Stellungen räumen müssen.

Syrische Rebellen mit Raketenwerfer (Foto: Salah al-Ashkar/AFP/Getty Images)

Die Rebellen können nun andernorts weiterkämpfen

Der Krieg geht weiter

Baschar al-Assad hingegen kann nun zumindest propagandistisch auftrumpfen: Er kann behaupten, die weitgehend zerbombte Stadt zumindest am Ende ohne zusätzliches Blutvergießen "befreit" zu haben. Er kann nun möglicherweise auch in Homs relativ störungsfrei am 3. Juni

pseudo-demokratische Präsidentschaftswahlen

abhalten lassen. Und er kann sich weitgehend sicher sein, dass westliche Staaten weiterhin nicht bereit sein werden, in Syrien direkt militärisch zu intervenieren. Denn USA und Europäer sorgen sich nicht nur um die zunehmende Dominanz radikalislamischer Milizen auf Seiten der Assad-Gegner. Sie würden mit Blick auf den Konflikt in der Ukraine jetzt wohl auch eine zusätzliche Konfrontation mit Russland scheuen. Denn Moskau ist, neben Teheran, immer noch Assads wichtigster politischer Verbündeter und Waffenlieferant.

Homs liegt geografisch in einem Korridor, der sich von der Hauptstadt Damaskus bis zu Assads Herkunftsregion an der Mittelmeerküste erstreckt. Insofern kann Assad auch militärstrategisch einen Erfolg verzeichnen. Gewonnen hat er den Krieg deshalb jedoch noch lange nicht. Die militärische und finanzielle Unterstützung, die seine Gegner aus der Golfregion und teils auch aus westlichen Ländern erhalten, verhindert bisher eine endgültige Niederlage der Rebellen. Sie reicht aber bei weitem nicht aus, Assads Truppen zu besiegen. Die Konsequenz lautet: Das gegenseitige Morden geht weiter.

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