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Wissen & Umwelt

Asimo – Star der Roboter-Szene

'Asimo' ist erstaunlich menschenähnlich. An der Uni Bielefeld arbeiten zwei der Japaner. Es sind die beiden einzigen in Europa. DW-Reporter Benjamin Wüst durfte sie besuchen und war verblüfft über gewisse Star-Allüren.

Roboter Asimo hebt die Arme und ein Bein (AP)

Leichtfüßiger Kamerad: Asimo

Die Tür ist verriegelt. "Bitte klingeln", steht auf einem Schild. Gelesen, getan. Schon kommt ein Mitarbeiter des Cor-Lab, des Research Institute for Cognition and Robotics, der Uni Bielefeld. Er macht ein grimmiges Gesicht, seine Botschaft ist auch nicht viel besser. "Okay, kommen Sie herein, aber keine Fotos", sagt der Mann.

Es ist nicht gerade leicht, den Helden der Bielefelder Roboterschmiede zu Gesicht zu bekommen. Asimo wird bewacht wie ein Superstar. Der Eintritt in den "Roboter-Sicherheitstrakt" wird nicht mal ebenso gewährt. Das Ergebnis einer kurzen Diskussion mit dem Wachpersonal: Fotos bleiben verboten, aber immerhin, ich darf Asimo in Aktion erleben.

Vor Batteriekraft strotzend

Ich werde in einen kleinen Raum geführt und endlich, da steht er: Asimo, wie er leibt und vor Batteriekraft strotzt. "Ich schlage vor, wir starten einfach und lassen Asimo für sich in Bildern sprechen", sagt Informatiker Sebastian Gieselmann und geht einen Schritt zurück. Jetzt gehört die große Bühne der kleinen Menschmachine.

Roboter Asimo klatscht in die Hände (Foto:dpa)

Aufnahmen während einer Veranstaltung, bei der Fotografieren erlaubt war

Behutsam und elegant hebt Asimo ein Bein vor das andere. Er schlenkert mit den Armen. Erst läuft er langsam, dann wird er schneller. Jede Bewegung wird von einem Surren des Elektromotors begleitet. Ein Techniker des Instituts fährt eine Art Laufstall, der sich über den kleinen Roboter hinwegstreckt, hinterher.

Asimo ist durch Sicherheitsgurte, die an seinen Schultern befestigt sind, mit dem Laufstall verbunden. "Nur für den Notfall", versichern mir die Roboterforscher. Falls Asimo aus irgendeinem Grund umfallen sollte, hängt er in den Seilen und schlägt nicht auf dem harten Fußboden auf. Fortbewegen kann sich der Roboter ganz ohne Hilfe.

Asimo als Dirigent und Börsianer

"Jetzt werden wir zeigen, wie er Kurven gehen kann", sagt Gieselmann und nickt seinem Kollegen Michael Götting zu, der an einem Tisch vor seinem Laptop sitzt und Asimo per Tastatur einflüstert, was er zu tun hat. Asimo läuft problemlos die Form einer Acht ab.

Vorführungen wie diese sind für Asimo Routine. Oft zeigt Asimo seine Gehkünste auf Messen oder vor Politikern. Er durfte sogar schon einmal ein Sinfonieorchester dirigieren und die Glocke zur Eröffnung der New Yorker Börse läuten. "Er hat jetzt 26 Freiheitsgrade. Das heißt, er hat 26 Möglichkeiten sich zu bewegen", erklärt Ziehvater Gieselmann. "Ein Armgelenk ist beispielsweise ein Freiheitsgrad."

Asimo ist Japaner, gebaut von Forschern des Autoherstellers Honda. Honda investiert seit über 20 Jahren in die Entwicklung von humanoiden, also menschenähnlichen Robotern. Dem Cor-Lab in Bielefeld hat Honda gleich zwei Asimo-Exemplare zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt. Es sind die beiden einzigen in Europa lebenden Asimos außerhalb des Honda-Konzerns.

Roboter Asimo spielt Fußball (AP)

Asimo bald in der Bundesliga? Eher nicht, aber ein bisschen kicken kann er schon

Meter machen mit Dauerlächeln

Asimo surrt vor sich hin und macht Meter für Meter. Er läuft gekonnt, geschmeidig und sicher. Er sieht einem Menschen schon sehr ähnlich und bewegt sich auch so. Er kann Schrägen überqueren, sein Lauftempo variieren, enge Kurven meistern ohne ins Wanken zu kommen. Asimo gilt als der weltweit am weitesten entwickelte humanoide Roboter.

Er scheint immer gut drauf zu sein. Er kann sein Gesicht nicht bewegen. Seine Schöpfer haben ihm ein sympathisches Dauerlächeln verpasst. So dreht der kleine Roboter stets strahlend seine Runden. Asimo ist ungefähr 58 Kilo schwer und 1,20 Meter groß. Er ist so gebaut, dass er in einer menschlichen Umgebung leicht Lichtschalter und Türklinken erreichen kann.

Die Laptoptastatur klackert, Asimo reagiert: Er bleibt stehen, hebt den Arm und winkt - natürlich mit einem Lächeln im Gesicht. Ein knuffiges Kerlchen. Mit seinen Armen und Händen könnte Asimo ein Tablett tragen oder auch einen Servierwagen vor sich herschieben. Asimo kann seine Hände nur auf und zu machen, mehr geht noch nicht. "Nicht schlimm, denn gebaut wurde er, um zu laufen", sagt Gieselmann. Ganz am Anfang war Asimo bloß eine Kiste, an der zwei Beine befestigt waren. Arme und Kopf bekam er erst später.

Mittlerweile kann Asimo sogar joggen. "Da hat er teilweise Flugphasen von bis zu 0,8 Sekunden, wo wirklich kein Bein auf dem Boden ist", schwärmt Gieselmann, während Asimo plötzlich ein lautes Piepsen von sich gibt. "Was ist los? Hat er Herz-Kreislaufprobleme?" Der Spaß kommt nicht gut an. Die Forscher sind mit einem Mal nervös, werden etwas blass um die Nase.

Asimo ein Toaster?

Die Sicherheitsgurte heben Asimo in seinem Laufstall in die Luft. Er baumelt kurz in der Luft, dann hängt er still – natürlich fröhlich lächelnd. "Das ist bisher noch nie passiert. Die Hardware ist wirklich sehr zuverlässig. Allein dieser Roboter ist mittlerweile schon um die 42 Kilometer gelaufen", verteidigt Gieselmann Asimos Aussetzer.

Die Forscher heben wie bei einem Verkehrsunfall eine Decke vor Asimo, um ihn vor fremden Blicken zu schützen. Schließlich ist die Technik streng geheim und Eigentum von Honda. Sie klappen Asimos Kopf nach hinten und lösen ein Rückenteil. Eine Notoperation. Das sieht nach etwas Ernsthaftem aus. "Alles nicht so schlimm. Dass irgendwann mal irgendwas passiert kann immer sein. Ich meine, jeder Toaster hat mal einen Sprung", versucht Gieselmann die Fassung zu wahren. Doch das misslingt. Asimo ein Toaster? Also bitte!

So unvermittelt das Piepsen begann, so plötzlich hört es auch wieder auf. Asimo wird langsam wieder zu Boden, auf seine Beine gelassen und marschiert gleich wieder lächelnd los, so als wäre nichts gewesen.

Warum er gepiepst hat? Die Ziehväter wissen es nicht. Vielleicht wollte er ja etwas sagen? "Nein", sagt Michael Götting, und er muss es wissen. Götting lenkt Asimo per Laptop und wenn der Roboter spricht, dann nur, weil Götting ihm die richtigen Worte einhaucht. "Er hat ein so genanntes TTS – also ein Text-to-Speach-System eingebaut. Das ist ein System, das Laute synthetisch erzeugt", erklärt er. "So kann Asimo alles sagen, was wir ihm vorgeben."

Roboter Asimo begrüßt die Chefs des Genfer Autosalons per Handschlag (dpa)

Händeschütteln bei der Eröffnung des Genfer Autosalons

Auf dem Weg zur Selbstständigkeit

Ein großes Handicap hat Asimo: Alles was er tun soll, muss man ihm sagen, also einprogrammieren -jeden Schritt, jedes Nicken, jeden Handgriff, jedes Wort. Weltweit gibt es über eine Million Industrieroboter, die Autos und Flugzeuge zusammenbauen. Jetzt soll der nächste Schritt erfolgen. Roboter sollen mehr als plumpe Befehlsempfänger werden. In Bielefeld soll Asimo daher lernen zu lernen. Eine ganz neue Stufe in der Robotertechnologie, sagt Michael Götting. "Er soll sich wirklich autonom in einer von uns gestalteten Umgebung zurechtfinden können. Ohne, dass wir ihm ständig jedes Detail mitteilen müssen."

Die Vision: Menschmaschinen, humanoide Roboter, sollen selbstständig werden. Sie sollen lernen, sich frei und ohne Programmablauf in menschlicher Gesellschaft zu bewegen. Ein äußerst komplexes Unterfangen. Wie soll ein Roboter lernen? Welche neuronalen Schaltkreise sind für die Wahrnehmung und das Lernen verantwortlich? Was geht dabei im Gehirn vor?

Forschungsfragen für die Neurologie. Die Antworten der Neurologen sollen dann auf Asimo übertragen werden. Mithilfe der künstlichen Intelligenz sollen Roboter wie Asimo in Zukunft mit Menschen zusammenleben und arbeiten, zum Beispiel als Kofferträger am Bahnhof, als Kellner im Restaurant oder als Führer im Museum. Das freundliche Lächeln für diese Jobs hat Asimo jetzt schon. Noch aber läuft er fleißig eine Acht nach der anderen.

Autor: Benjamin Wüst
Redaktion: Judith Hartl

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