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Wissen & Umwelt

Vom stumpfen Knecht zum schlauen Assistenten

An der Uni Bielefeld tüfteln Wissenschaftler am perfekten Serviceroboter. Irgendwann soll er Aufgaben von Menschen übernehmen - zum Beispiel im Altersheim arbeiten. Noch hat Biron aber so seine Macken ...

Frederic Siepmann lehnt sich an Roboter Biron (Foto: Benjamin Wüst)

Der Trainer und sein Schüler: Frederic Siepmann und Serviceroboter Biron

Man braucht schon etwas Phantasie, um in Biron ein menschenähnliches Wesen zu sehen. Biron ist 1,50 Meter groß. Am höchsten Punkt ist eine Kamera montiert - der Kopf. Dahinter recken sich zwei Funkantennen in die Höhe - die Ohren - natürlich. Dann wird es schwierig mit den Parallelen zum Menschen: Biron hat nur einen Greifarm und bewegt sich auf Rädern fort. Sein Gehirn, nennen wir es mal so, trägt er in Form von zwei Laptops, die ihm Leben einhauchen, auf dem Rücken.

Eine Maschine, kein Kleinkind!

(Foto: Benjamin Wüst)

An diesem Tag keine Freunde: Biron hat nur wenig Lust mit Frederic Siepmann zu sprechen

"Biron wurde entwickelt, um mit Menschen in einem Wohnungsszenario zu interagieren. Er muss robust sein und auch als Maschine wahrgenommen werden", erklärt Frederic Siepmann, einer der Erzieher, also Programmierer, von Biron. "Die Leute sollen ihn nicht angucken und glauben, er sei ein kleines Kind. Sie sollen wissen: Das ist mein Roboter!"

Neben den beiden Laptops auf Birons Rücken leuchtet auf einem Monitor, den der Roboter unter der Kamera trägt, die Aufschrift CITEC. Der Name steht für "Cognitive Interaction Technology" - ein staatlich gefördertes Exzellenzcluster der Uni Bielefeld. Es geht also um kognitive Interaktionen.

Sprachlos, aber höflich

Biron ist eines der Versuchsobjekte - heute allerdings ein offenbar schlecht gelauntes. Frederic Siepmann versucht, sich mit Biron zu unterhalten: "Hello Biron" - Biron spricht nämlich nur englisch. Doch manchmal nicht einmal das. "I beg your pardon" ("Entschuldigung"), sagt die kantige Maschine und dreht dabei etwas hilflos wirkend ihre Kamera umher. "Sorry, I can't see you anymore" ("Sorry, ich kann Sie nicht mehr sehen").

Der Vorführeffekt! Biron ist nicht etwa stur, sondern er weiß schlicht nicht, wo er mit seiner Kamera hinschauen soll, wie Forscher Siepmann erklärt: "Solange er keinen Interaktionpartner hat, wechselt die Aufmerksamkeit zwischen den Personen, die vor ihm stehen. Und deshalb guckt er mal Sie und mal mich an."

Biron ist also hin- und hergerissen und das macht ihn sprachlos. Er unterhält sich nur, wenn er sich auf einen Gesprächspartner festgelegt, ihn mit der Kamera fixiert hat. Das gelingt ihm heute nicht - irgendwie menschlich.

Frederic Siepmann stellt etwas an Roboter Biron ein (Foto: Benjamin Wüst)

Birons Gehirn sitzt auf dem Rücken. Zwei Laptops huckepack.

Roboteralltag: Ausmessen, abspeichern, abrufen

Biron soll irgendwann einmal sehen, hören und tasten können. Er soll eine Art Gedächtnis erhalten, um das, was er über seine Sinne wahrnimmt, auch speichern und immer wieder abrufen zu können. Manches kann Biron schon: Er kann Gesichter wiedererkennen und die Menschen dazu mit dem richtigen Namen ansprechen.

Wenn Biron zum ersten Mal in einen Raum kommt, beginnt er sich wild zu drehen und dabei den Raum zu vermessen. Die Maße hält er in einer digitalen Landkarte fest. Wenn man ihm gleichzeitig sagt, dass er gerade in der Küche steht, weiß er später, wenn er den Raum erneut betritt, wo er sich befindet. "Das Ziel ist, ein Szenario zu entwickeln, indem der Roboter tatsächlich im Haushalt helfen kann", sagt Siepmann.

Biron ist der Prototyp eines Serviceroboters. Er soll lernen, seinem Dienstherrn den Kaffee zu bringen, den verlegten Schlüssel zu finden oder das Handy zu suchen. Um das zu trainieren, hat Biron in Bielefeld eine eigene Wohnung - natürlich möbliert.

Zukunftsprojekt: Der Einsatz im Altersheim

DW-Reporter Benjamin Wüst (Foto: DW)

Reporter Benjamin Wüst brachte Biron mehrere Male in Verlegenheit

Es geht aber nicht nur um Kaffee, den Schlüssel oder das Handy. Service-Roboter wie Biron sollen Menschen irgendwann einmal tatkräftig zur Hand gehen, sie vielleicht sogar ersetzen, sagt Helge Ritter, Professor für Neuroinformatik an der Uni Bielefeld. "Wir haben nicht genügend Menschen, die sich wirklich Zeit nehmen können, um alte Menschen zu betreuen", sagt Ritter. Die Pfleger seien jetzt schon überlastet und in Zukunft nehme die Zahl alter Menschen weiter zu. "Wenn jetzt ein Teil der routinemäßigen Tätigkeiten maschinell gelöst werden könnte, dann hätten die Menschen mehr Zeit für echte Zuwendung", hofft Ritter.

Birons Nachfolger könnten also Betten abziehen, Tabletten von A nach B bringen und so die Pfleger in Krankenhäusern oder Altersheimen entlasten. Es ist sogar vorstellbar, dass alte Menschen irgendwann gar nicht mehr ins Altersheim müssen, da sie dank der Hilfe eines Serviceroboters weiter zuhause leben können.

Autor: Benjamin Wüst

Redaktion: Judith Hartl