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Kultur

Art-Cologne-Chef Hug: "Wir gehen weiter!"

Die Art Cologne wird 50 Jahre alt. Auch in ihrem Jubiläumsjahr zeigt sich die Kunstmesse von ihrer besten Seite, sagt ihr Direktor Daniel Hug.

DW: Mit Kunst wurde immer gehandelt. Aber vor 50 Jahren war die Idee eines Marktplatzes für Kunst noch neu. Haben Kunstmessen unseren Umgang mit Kunst verändert? Sehen wir Kunst heute mehr als Ware?

Daniel Hug: Ja und Nein. Die Kunstmesse hat die Kunst demokratisiert, indem sie einem breiteren Publikum das Kaufen von Kunst schmackhaft machte. Sie ist ein großes Kunstfest, ähnlich wie die Documenta, das viele Leute anlockt. Die Idee, dass man eine Kunstmesse für zeitgenössische Kunst macht, mit Galeristen, die lebende Künstler vertreten, hat den Kunstmarkt total verändert.

Die Art Cologne blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Was waren die Höhepunkt?

Es gab so viele Höhepunkte. Einer war bestimmt 1970, als der Berliner Galerist Werner Block die Installation "Das Rudel" von Joseph Beuys zum Preis von 110.000 DM verkaufte. Das war Rekord für einen lebenden deutschen Künstler. Zum Vergleich: Ein Gemälde des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein kostete damals ebenfalls 100.000 Mark. Die Preis für deutsche Kunst lag deutlich niedriger. Dann hatte wir 2007 die Installation "Twelve Light Horses" von Jannis Kounellis, eine Wiederinszenierung von 1969, mit lebenden Pferden, die auf der Messe ausgestellt wurden. Auch ein Höhepunkt 1976, die Performance von Marina Abramovic und Ulay. Es gab eine Reihe von Perfomances und Happenings auf der Art Cologne. Wir haben ein tolles Buch gemacht, das die Geschichte der Art Cologne erzählt.

Art Cologne-Direktor Daniel Hug steht vor Kunstwerken. Foto: dpa

Messedirektor Daniel Hug

Was waren die schwierigen Phasen der Art Cologne?

Die Art Cologne spiegelt die Höhen und Tiefen des Kunstmarktes. Geht es dem Kunstmarkt schlecht, läuft auch die Messe nicht. Es gab einige Krisen. Es kam in Wellen. Ende der 1970er Jahre hatte man sogar überlegt, die Messe einzustellen. Der Kunstmarkt lag am Boden. Zum Jahrtausendwechsel geriet die Art Cologne in Schwierigkeiten, als plötzlich neue Messen in London und Miami Beach aufmachten. Jetzt läuft es wieder ganz gut.

Anfangs waren Kunsthändler und Galeristen die treibenden Kräfte. Heute lenkt die Messegesellschaft die Geschicke der Art Cologne. Hat diese Professionalisierung – oder sagen wir: Kommerzialisierung der Messe genützt?

Das gibt es schon länger, dass Messegesellschaften auch Kunstmessen ausrichten. Ein professioneller Veranstalter bietet einer Messe viele Vorteile. Die Hallen kosten weniger für die Aussteller. Es gibt eine funktionierende Infrastruktur. Es ist gut, wenn für alles gesorgt wird. Professionalisierung ist ein allgemeiner Trend, übrigens auch bei jungen, von Galeristen getragenen Messen.

Ob Handelsfragen, Steuerangelegenheiten oder Kulturgutschutz - auf dem Kölner Kunstmarkt ging es immer auch um Kulturpolitik. Gilt das auch für das Jubiläumsjahr der Art Cologne?

Ja, das neue deutsche Kulturgutschutzgesetz ist weiter ein Riesenthema, besonders für Händler und Galeristen, die mit Nachkriegskunst und Klassischer Moderne arbeiten. Ich bin deshalb sehr dagegen. Denn die Galeristen machen ja auch Wiederentdeckungen von vergessenen Künstlern. Es ist unheimlich wichtig, dass man solche Künstler auch vermarkten kann. So baut man sie auf. Wenn sie ein hohes Preisniveau erreicht haben, ist klar, dass man sie auch ins Ausland verkaufen können muss, etwa an Museen in den USA. Solche Verkäufe würden unmöglich. Also das Gesetz macht einige Probleme. Man sollte sich das gut überlegen.

Andere Kunstmessen haben der Kölner den Rang abgelaufen. Kunstfreunde mit ganz dickem Portemonnaie kaufen heute lieber in Basel, Hongkong oder Miami. Sind Sie trotzdem stolz, Direktor der Art Cologne zu sein?

(lacht) Ich würde es so formulieren: Ja, es gibt neue Messen, seit die Art Cologne 1967 angefangen hat: Die Art Basel, die Fiac in Paris, die Arcor in Madrid, die Freeze in London, die Messe in Miami. Messen kommen und gehen. Das Durchschnittsalter einer Messe beträgt zwischen zehn und 15 Jahren, dann verschwinden viele. Die Art Chicago etwa war über 20 Jahre die bedeutendste Messe in den USA, dann ging sie unter. In Deutschland gab es einige Zeit lang die Art Fair in Berlin. Die Art Cologne hat überlebt. Und wir gehen weiter. Vom Qualitätsniveau her gibt es wenige vergleichbare Messen. Ich würde sie unter den Top Fünf weltweit für Zeitgenössische Kunst, Klassische Moderne und Nachkriegskunst einordnen. Und auch dieses Jahr ist sie wieder überraschend gut.

Daniel Claude Hug ist ein US-amerikanischer Kunsthändler. Er ist seit 2008 der Direktor der Kunstmesse Art Cologne. Das Gespräch führte Stefan Dege.