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Asien

Armee beginnt neue Offensive gegen Taliban

Die Atommacht Pakistan hat eine neue große Militäroffensive gegen Taliban- und El-Kaida-Kämpfer gestartet. Die Regierung erklärte, es werde diesmal keinen Verhandlungsfrieden mit den Aufständischen geben.

Pakistanische Soldaten rücken aus zu einer Patroullie in Bannu, einer Stadt am Rand der umkämpften Region Waziristan (Foto: ap)

Pakistanische Soldaten rücken aus zu einer Patroullie in Bannu, einer Stadt am Rand der umkämpften Region Waziristan

Die pakistanischen Truppen haben nach Angaben aus Geheimdienst- und Militärkreisen am Samstag (17.10.2009) einen Angriff gegen die Islamisten in der Grenzregion zu Afghanistan begonnen. Die Soldaten erhielten Unterstützung von Kampfhubschraubern und Flugzeugen, sagten Gewährsleute der Nachrichtenagentur AP. Nach Militärangaben nahmen auf Regierungsseite etwa 28.000 Soldaten an dem Einsatz teil. Ihnen stehen Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 15.000 gut ausgebildete in- und ausländische Taliban- und El-Kaida-Kämpfer gegenüber.

Anschläge der Terroristen

Drei pakistanische mit Gewehr im Anschlag (Foto: ap)

Nach einem Anschlag in Lahore am 15. Oktober: Pakistanische Polizisten sichern den Ort des Geschehens

Die Streitkräfte hatten den Bodeneinsatz vor rund zwei Wochen angekündigt. Daraufhin wurde Pakistan von einer Reihe von Anschlägen erschüttert. Dabei starben mehr als 150 Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten.

Die umkämpfte Region in dem Grenzgebiet trägt den Namen Süd-Waziristan und gilt als Hochburg der Taliban. Sie ist außerdem Rückzugsgebiet für die afghanischen Taliban und Angehörige des Terrornetzwerks El Kaida. Im August war dort der pakistanische Taliban-Chef Baitullah Mehsud bei einem US-Angriff getötet worden. Dessen Nachfolger Hakimullah Mehsud soll die Taliban reorganisiert haben. Er gilt als Drahtzieher der jüngsten Anschlagsserie.

Ergebnislose frühere Einsätze

Mehrere Offensiven in den vergangenen Jahren endeten jeweils mit einem Waffenstillstand, der letztlich den Taliban weiter die Kontrolle ließ. Zuletzt schloss die Regierung am 16. Februar 2009 mit den Taliban im Swat-Tal ein Waffenstillstandsabkommen, dass auch die Wiedereinführung der Scharia in der Region beinhaltete. Die Regierung hoffte, so den Taliban den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Aufständischen legten jedoch nicht die Waffen nieder, sondern rückten zwischenzeitlich bis auf 100 Kilometer an die Hauptstadt Islamabad heran. Die Regierung hat erklärt, dass es dieses Mal keine solche Verhandlungslösung geben werde.

Gezielter Terror

Klapprige Reisebus bis zu den Dächern beladen mit Menschen und Möbeln (Foto: ap)

Wegen der Kämpfe in Süd-Waziristan sind viele Menschen mit ihrem Hab und Gut aus der Region geflohen

Mit ihren Terroraktionen gingen die Taliban in den vergangen Monaten auch gezielt gegen Taliban-kritische Journalisten und Geistliche vor. Im August stürmten mutmaßliche Taliban-Kämpfer einen Reisebus, in dem der afghanische Journalist und Taliban-Kritiker Dschanullah Haschimsada saß. Die Täter griffen ihn gezielt aus den Reisenden heraus und erschossen ihn an Ort und Stelle. Haschimsada arbeitete als Bürochef in Pakistan für den afghanischen Fernsehsender Schamschad. Kollegen sagten, der Afghane habe kritisch über den Aufstand der Taliban in seinem Heimatland berichtet.

Bei einem Selbstmordanschlag im pakistanischen Lahore war wenige Wochen zuvor der prominente moderate Kleriker Maulana Sarfraz Naeemi getötet worden. Auch er galt als Kritiker der Taliban. Naeemi hatte gerade das Freitagsgebet beendet, als ihm der Attentäter in seinem Büro auflauerte. Auch zwei weitere Menschen kamen durch den Anschlag ums Leben. Elf Menschen wurden verletzt.

Autor: Martin Schrader (ap, dpa, rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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