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Wirtschaft

Arcelor gibt Mittal Steel den Vorzug

Nach monatelangem Ringen werden die beiden Stahlkonzerne Mittal Steel und Arcelor nun doch fusionieren. Dadurch entsteht der mit Abstand größte Stahlkonzern der Welt.

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Arcelors Produktionsanlage in Differdange (Luxemburg)

Der Verwaltungsrat des europäischen Arcelor-Konzerns stimmte am Sonntag (25.6.) dem Zusammengehen mit dem britisch-indischen Konkurrenten einstimmig zu. Das bestätigten beide Unternehmen am Abend. Der neue Konzern werde künftig Arcelor Mittal heißen.

Arcelor fusioniert mit SeverStal gegen Mittal Steel Alexey Mordashev

Alexej Mordaschow zog den Kürzeren beim Poker um Arcelor

Zuvor hatten sowohl der indische Stahlmilliardär Lakshmi Mittal als auch der Chef der russischen SeverStal, Alexej Mordaschow, neue Angebote für die Übernahme von Arcelor vorgelegt. Die Arcelor-Geschäftsführung hatte zunächst dem Russen den Vorzug gegeben, um damit eine Übernahme durch Mittal zu verhindern. Der Verwaltungsrat habe schließlich jedoch entschieden, dass Mittals Offerte jener von Mordaschow insgesamt überlegen gewesen sei, hieß es in einer Arcelor-Mitteilung vom Montagmorgen.

Mehr als 25 Milliarden

Mittal hatte für Arcelor den Angaben nach zuletzt 25,8 Milliarden Euro geboten. Das Gebot je Aktie habe 40,40 Euro betragen. Damit lag der Preis rund 15 Prozent über dem letzten Börsenkurs von Arcelor am Freitag und 45 Prozent über dem ursprünglichen Mittal-Gebot vom Januar.

An die Spitze des neuen Stahlriesen soll Mittal-Chef Lakshmi Mittal treten. Die Familie Mittal werde an dem vereinten Stahlriesen 43,4 Prozent der Anteile halten. Arcelors Vorsitzender Joseph Kinsch werde zunächst seine Position behalten, im kommenden Jahr aber zurücktreten.

Luxemburg zufrieden

Luxemburgs Wirtschaftsminister Jeannot Krecke sagte in einer ersten Stellungnahme, der mit 5,6 Prozent an Arcelor beteiligte luxemburgische Staat werde aller Voraussicht nach für den Zusammenschluss stimmen. "Nach aller Logik würde ich sagen ja", fügte der Minister hinzu. Luxemburg sei sehr zufrieden mit der Empfehlung des Arcelor-Boards. Krecke hob hervor, dass der Sitz des fusionierten Konzerns in Luxemburg liegen werde.

Mit der Fusion entsteht ein Konzern, der auf eine Jahresproduktion von rund 100 Millionen Tonnen Stahl kommt. Das ist knapp ein Zehntel der Weltjahresproduktion. Mittal erzeugte zuletzt knapp 50 Millionen Tonnen pro Jahr, Arcelor 46,65 Millionen Tonnen. An dritter Stelle steht Nippon Steel mit 32,9 Millionen Tonnen. Die Mitarbeiterzahl des neuen Unternehmens wird etwa 330.000 betragen.

Stahl von ThyssenKrupp

Stahlproduktion im ThyssenKrupp-Werk in Duisburg (Archivfoto)

Rückschlag für Thyssen-Krupp?

Entgegen früherer Hoffnungen könnte die Stahl-Hochzeit für den deutschen ThyssenKrupp-Konzern einen herben Rückschlag bedeuten. Nach Angaben eines indischen Fernsehsenders wollen Mittal und Arcelor das kanadische Stahlunternehmen Dofasco doch behalten. ThyssenKrupp hatte sich Hoffnung gemacht, bei einer Fusion von Mittal und Arcelor bei Dofasco zum Zug zu kommen.

ThyssenKrupp prüft indes schon länger Alternativen zu Dofasco, falls sich die milliardenschwere Transaktion zerschlagen sollte. Dofasco war in einem Bieterwettkampf zwischen Arcelor und ThyssenKrupp an Arcelor gegangen. Ein Sprecher von ThyssenKrupp wollte sich zu der neuen Entwicklung zunächst nicht äußern. Am grundsätzlichen Interesse des deutschen Konzerns an Dofasco habe sich aber nichts geändert, fügte er hinzu.

Branche im Umbruch

Wegen der Fusion mit Mittal muss Arcelor nun dem russischen Stahlunternehmen SeverStal 130 Millionen Euro zahlen. Dies ist ein Ausgleich für SeverStals Unterstützung von Arcelor, das sich fünf Monate gegen eine Übernahme durch Mittal gesträubt hatte. Noch in der vergangenen Woche hatte SeverStal sein Angebot für eine 25-Prozent-Beteiligung an Arcelor erhöht.

Zu der neuen Entwicklung erklärte das Unternehmen am Sonntag, es überdenke alle seine Optionen. Man sei aber überrascht, dass Arcelor wegen der neuen Mittal-Offerte in keine weitere Diskussion mit SeverStal eingetreten sei.

Die Stahlbranche befindet sich seit geraumer Zeit vor allem durch die starke Nachfrage aus China und Indien in einer kräftigen Aufschwungphase. Zugleich ist die Branche von einer Übernahmewelle erfasst, die Mittal mit angestoßen hatte. Der Inder Lakshmi Mittal, Gründer und Vorstandschef des gleichnamigen Konzerns, betonte immer wieder, sowohl sein Unternehmen als auch Arcelor hätten sich an die Spitze dieses Konsolidierungsprozesses gesetzt und hätten die gleiche Vision der Zukunft der Branche. Ein Zusammenschluss biete beiden Unternehmen ungeahnte Chancen. (mas)

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