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Kultur

Arbeiten: Heimlich & Co.

Perücke, Hornbrille und Mantel. In der Hand den Fotoapparat. Wartend stehen sie an einer Straßenlaterne: Privatdetektive. Ein ausgefallener Job - in Speyer und für jemanden, der aus Ägypten stammt, wie Dr. Maher Higazi.

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Jagd auf Menschen - Privatermittler in Aktion

"Früher, da habe ich mich innerhalb kürzester Zeit verkleidet. Drei, vier Minuten hat das gedauert. Ich hatte eine Perücke und drei Brillen, Mantel, Jacke und einen Hut. Das ging ruckzuck."

Detektiv in Deutschland

dr. maher higazi, privatdetektiv aus speyer

Privatdetektiv seit über 40 Jahren - Dr. Maher Higazi

Speyer, eine halbe Stunde südlich von Mannheim. Ein leicht verfallenes Wohnhaus. Über der Klingelanlage neben der milchigen Glastür prangt ein überdimensional großes, goldenes Schild: "Dr. Higazi - Security & Consulting". Im fünften Stock sitzt der Leiter dieser Sicherheitsagentur, Maher Higazi. Die Wände hängen voller Urkunden: 25-jährige Dienstjubiläen, besondere Auszeichnungen, Ausbildungszertifikate. Von seinem Schreibtisch aus kann Higazi bei gutem Wetter bis nach Heidelberg blicken. Heute geht das nicht. Trotzdem versucht er es. Seit über 40 Jahren arbeitet der aus Ägypten stammende Mann nun schon als Detektiv in Deutschland.

Mit 15 Jahren nach Deutschland

1955 ist er hierher gekommen und wollte am liebsten sofort wieder zurück nach Ägypten. "Das Heimweh war ziemlich groß. Und dann eine ganz andere Kultur, andere Menschen, Sitten, Traditionen." Mit 15 hatte er als jüngster ägyptischer Abiturient in Mannheim ein VWL-Studium begonnen. Abgeschlossen hat er es mit einer Doktorarbeit über die Verstaatlichung des Suezkanal.

Studentenjob: Privatermittler

Schottische Literatur: Manuskript von Sir Arthur Conan Doyle

Auf den Spuren von Sherlock Holmes

Neben dem Studium hat er zu arbeiten begonnen - als Privatdetektiv. An der Uni hatte er den Aushang gesehen: "Observationskräfte gesucht". Verdeckt zu arbeiten faszinierte ihn. "Ich bin nie entdeckt worden", sagt Dr. Higazi und lacht. Das Gesicht des 64-Jährigen strahlt, wie das eines Sechsjährigen. Es ist, als wenn er in eine besonders schöne Zeit zurückreist. In eine Zeit in der er in verschiedene Verkleidungen schlüpfte und untreue Ehepartner beschattete. "Das hat mir regelrecht Spaß gemacht. Das hat gekitzelt. Und dann der Erfolg jemanden zu ertappen, nach stundenlangem Warten." Seinen ersten Fotoapparat hat er noch immer. Und auch die Schnur, mit deren Hilfe schnell der richtige Abstand zum abfotografieren von Dokumenten hergestellt werden konnte. "Das war wie bei James Bond". Oft ging es um die Feststellung der Schuldfrage, wenn es zur Scheidung kam. Wer hat den Ehebruch begangen? Dafür brauchte man die Detektive.

Veränderter Markt

Heute ist das anders und so hat sich der Markt verändert. Der größte Teil der Aufträge kommt jetzt von Firmen: Arbeitgeber, die Blaumacher überführen wollen. Einen Job, den sich die Unternehmen bis zu 5000 Euro kosten lassen. Unberechtigt krank feiern - da hört der Spaß auf, auch für Dr. Higazi. "Ich bin selbst Arbeitgeber und kann das gut nachvollziehen. Und für die Firmen lohnt es sich. Oft muss dann keine Abfindung mehr gezahlt werden." Mit einem Mal ist das jungenhafte Lachen verschwunden, sind die Mundwinkel herunter gefallen. Der Blick ist seriös, wie der eines Staatsanwaltes.

Eine Berufung für Generationen

Maher Higazi

Vom Studentenjob zum Traumberuf

Nur noch selten jagt Dr. Higazi selbst Menschen mit dem Fotoapparat. Als Firmeninhaber sitzt er meistens hinter seinem großen Schreibtisch. Von hier leitet er ein Unternehmen mit 40 Mitarbeitern. Sehr erfolgreich hat er sich im einst fremden Land eine Existenz aufgebaut. Seit fast vierzig Jahren ist er Mitglied im Bundesverband der Deutschen Detektive. Nicht ganz so lang im Weltverband der Detektive, dem WAD. Und Ägypten? "Ist Urlaubsland. Zwei, drei Wochen sind schön. Aber dann will ich wieder zurück nach Deutschland", sagt Higazi. "Hier lebt meine Familie, meine Frau und meine Tochter mit ihren drei Kindern". Tochter Anja lebt nicht nur in seiner Nähe, sie arbeitet auch für ihn - als Detektivin. Und auch der Berufswunsch ihrer Kinder ist klar, nur nicht wie man ihn richtig schreibt: Detektiv. So wie Opa.

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  • Datum 05.01.2006
  • Autorin/Autor Maik Meuser
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  • Permalink http://p.dw.com/p/7a9h
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