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Wirtschaft

Appel soll es bei der Post richten

Frank Appel wird Vorstandschef der Deutschen Post. Der 46-Jährige ersetzt Klaus Zumwinkel, der wegen angeblicher Steuerhinterziehung zurückgetreten ist. Appel ist die Wunschbesetzung Zumwinkels.

Frank Appel (Quelle: AP)

Der Neue an der Post-Spitze

Am Montag (18.2.2008) bestimmte der Aufsichtsrat des Konzerns Frank Appel einstimmig und mit sofortiger Wirkung zum Nachfolger Klaus Zumwinkels. Der Vertrag des bisherigen Post-Logistikvorstands läuft bis Ende Oktober 2012. Appel versprach den 520.000 Mitarbeitern des Unternehmens in einer ersten Erklärung "kooperative Führung und Klarheit der Entscheidungen". Er wolle schnell Handlungsschwerpunkte definieren. Zu den Themen, die er mit Hochdruck angehen werde, gehörten die Zukunft der Postbank und des defizitären USA-Geschäfts. Zugleich versicherte er Großkunden und Privatkunden, er wolle sich um weitere Service-Verbesserung bemühen.

Viel zu tun für den Neuen

Auf den neuen Mann an der Spitze des weltweit aktiven Konzerns wartet keine leichte Aufgabe. Das Expressgeschäft in den USA kommt trotz mehrjähriger Bemühungen nicht aus den roten Zahlen heraus. Erst im Januar musste die Deutsche Post AG weitere 600 Millionen Euro auf ihr US-Engagement abschreiben. Oben auf der Tagesordnung steht auch die Fusion der Postbank mit einer der großen deutschen Privatbanken. Sowohl Deutsche Bank als auch die Commerzbank haben öffentlich Interesse an der Posttochter mit ihren 14,5 Milliarden Kunden gezeigt.

Zu den langfristigen Aufgaben zählt die längst nicht abgeschlossene Integration der mehr als 120 Unternehmen in aller Welt in den Gesamtkonzern, die in den vergangenen Jahren zugekauften worden waren. Auch die Frage, wie die Briefsparte der Post AG, bisher gewinnträchtigster Bereich, den Wegfall des Briefmonopols seit Anfang des Jahres verkraftet, dürfte in den nächsten Jahren ein Dauerthema darstellen.

Appel ist 'Kronprinz' Zumwinkels

Klaus Zumwinkel (Quelle: AP)

Unrühmlicher Abgang für den Ex-Post-Chef

Klaus Zumwinkel, der 18 Jahre an der Spitze des DAX-Konzerns gestanden hatte, hatte am Freitag seinen Rücktritt eingereicht, nachdem Tags zuvor Steuerfahnder sein Wohnhaus und sein Büro durchsucht hatten. Der Manager, der Mitte Dezember 65 Jahre alt wird, wollte ursprünglich im November abtreten. Er hat Appel schon seit geraumer Zeit als Nachfolger aufgebaut. Appel würdigte Zumwinkels Leistung für den Postkonzern. Zumwinkel habe großes geleistet. "Auf diesem starken Fundament kann ich aufbauen", betonte Appel.

Zumwinkel wird vorgeworfen, über eine Stiftung in Liechtenstein rund eine Million Euro Steuern hinterzogen zu haben. Der Aufsichtsrat nahm den Rücktritt am Montag an. Auch die Bundesregierung hat massiven Druck ausgeübt. Der Bund ist über die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau mit 31 Prozent größter Einzelaktionär der Post AG.

Vom Gehirnforscher zum Manager ohne Allüren

Die Ausbildung des 1961 geborenen Appel deutete zunächst nicht auf eine Karriere in der Wirtschaft hin. Der gebürtige Hamburger studierte Chemie in München und wurde 1993 in Neurobiologie in Zürich promoviert. Der hochgewachsene Appel hat Familie mit zwei kleineren

Kindern und wohnt im beschaulichen Siebengebirge nahe bei Bonn.

Ebenso wie Zumwinkel und weitere Post-Vorständler kam Appel vom Beratungsunternehmen McKinsey. Dort entdeckte ihn auch Zumwinkel und holte ihn zur Post, wo er nach zwei Jahren in den Vorstand aufstieg. Danach war er für das internationale Kostensenkungsprogramm "STAR" verantwortlich und gab auch bei einer Offensive für weltweit mehr Kundenservice den Takt vor. Appel gilt als Manager ohne Allüren. Gerne erzählt er, dass ihm einmal ein Pförtner die Zufahrt auf den Vorstandsparkplatz verweigerte, weil er nur in einem gewöhnlichen Kombi vorfuhr. (leix)

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