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Aktuell Europa

Ansturm auf Turiner Grabtuch erwartet

Zum ersten Mal seit fünf Jahren ist das Turiner Grabtuch wieder für die Öffentlichkeit zu sehen. Die Herkunft des etwa vier Meter langen und einen Meter breiten Stück Stoffs ist allerdings immer noch umstritten.

Turin erwartet in den kommenden 67 Tagen einen Ansturm von Pilgern, die sich das Turiner Grabtuch ansehen wollen. Zum zweiten Mal seit fünf Jahren wird es wieder ausgestellt. Es gilt als eine der bedeutendsten Ikonen der Christenheit, obwohl seine Herkunft umstritten ist.

Für die einen ist der Stoff das Tuch, in dem der Leichnam von Jesus Christus nach der Kreuzigung begraben wurde. Sie sehen darauf die Silhouette Jesu mit Spuren der Folter. Andere meinen, das Tuch stamme aus dem Mittelalter und sei nichts anderes als eine Täuschung der Gläubigen. Dennoch befasst sich ein ganzer Wissenschaftszweig mit diesem Stück Stoff.

Enrico Simonato vom internationalen Zentrum für Sindologie, also für die Grabtuch-Wissenschaft, sagte bei der Vorstellung der Ausstellung: "Jeder hat die Freiheit, seine These zum Ausdruck zu bringen und zu verteidigen, aber jede Verteidigung muss die logischen Kriterien der Wissenschaft respektieren, was nicht immer der Fall ist."

Keine Reliquie, sondern eine Ikone

Das Turiner Grabtuch wird seit 500 Jahren in der norditalienischen Stadt aufbewahrt. 1357 war es zum ersten Mal in Frankreich aufgetaucht. Als es 1998 zum ersten Mal fotografiert wurde, bekam die Debatte um das Grabtuch neuen Aufwind: Auf dem Negativ des Fotos war statt des verzerrten und verblichenen Abdrucks ein wohlproportioniertes, harmonisches Gesicht zu erkennen – fast, als sei das Tuch selbst ein Negativ. Papst Johannes Paul II. nannte das Grabtuch bei seinem Besuch in Turin im Jahr 1998 "eine Herausforderung für unsere Intelligenz". Die katholische Kirche selbst bezeichnet das Tuch nicht als Reliquie, sondern als Ikone.

Foto des Grabtuches (Foto: picture-alliance/dpa)

Das Antlitz Jesu Christi?

Papst Franziskus wird die Ausstellung am 21. Juni besuchen. Er will dann vor dem Grabtuch beten und den heiligen Don Bosco ehren. Alle anderen Pilger, die in den kommenden zwei Monaten einen Blick auf das Tuch werfen wollen, müssen dafür einen Termin reservieren. Bis zum Samstag hatten dies schon eine Million Menschen getan. Die Ausstellung vor fünf Jahren besuchten 2,1 Millionen Menschen.

fab/kle (dpa, afp, kna)