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"Die Anschläge zielen auf den Tourismus"

Rodion Ebbighausen12. August 2016

Noch sind die Täter der Anschläge im Süden Thailands unbekannt. Aber für Experten vor Ort ist klar, dass der wichtige Tourismussektor getroffen werden sollte. Die DW sprach mit Michael Winzer in Bangkok.

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Touristen schauen sich in Bangkok Skulpturen an (Foto: PORNCHAI KITTIWONGSAKUL/AFP/Getty Images)
Bild: Pornchai Kittiwongsakul/AFP/Getty Images

Deutsche Welle: Wie ist die Atmosphäre in Bangkok nach der Anschlagsserie?

Michael Winzer: Die Menschen sind sehr überrascht. Man hat gedacht, dass jetzt, nachdem die politischen Weichen für die neue Verfassung gestellt sind, ein bisschen Normalität einkehrt. Aber dass jetzt eine solche Anschlagsserie stattfinden kann, trotz der hohen Sicherheitsvorkehrungen, davon ist man überrascht. Es ist auch klar, dass eine Gruppierung dahinter stecken muss, die ein entsprechendes Know-how und Netzwerk mitbringt, um in der Lage zu sein, so eine konzertierte Aktion in verschiedenen Provinzen und Städten zu starten.

Porträt Michael Winzer (Foto: KAS)
Winzer: "Menschen hatten auf ein bisschen Normalität gehofft"Bild: KAS

Was wissen wir und was wissen wir nicht mit Blick auf die Täter?

Also zu den Tätern gibt es im Moment noch keine Informationen. Es hat sich keine Gruppierung zu den Anschlägen bekannt. Von den Anschlagsorten her kann man sagen, dass es sich um Touristenorte handelt. Die Anschläge richten sich gegen den Tourismus in Thailand. Der Tourismus ist der Wirtschaftssektor, der in den letzten Jahren gewachsen ist, der die thailändische Wirtschaft gestützt hat. Die Orte wurden wahrscheinlich gezielt ausgewählt, um die Wirtschaft anzugreifen. Im November und Dezember beginnt die Hauptsaison in Thailand. Das Timing wird wahrscheinlich auch das Buchungsverhalten beeinflussen. Es lässt sich jetzt schon sagen, dass es mit Sicherheit eine Intention der Anschläge war, den Tourismus und die Wirtschaft zu treffen.

Welche offiziellen Reaktionen gibt es von den thailändischen Behörden?

Es gab eine Pressekonferenz, aber da gibt es noch keine konkreten Hintergrundinformationen. Die thailändischen Behörden sagen, dass es sich eher nicht um Terrorismus handelt, sondern um lokale Sabotage. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch zu früh, um einen umfassenden Überblick zu haben. Es gab da ja wohl auch noch Brandstiftungen, bei denen noch unklar ist, ob die im Zusammenhang mit den Sprengstoffanschlägen stehen.

Haben Sie den Eindruck, dass die Berichterstattung im Land die Bürger ausreichend und umfassend informiert?

Ich habe im Moment über die thailändische Medien einen schlechten Überblick, ich bekomme meine Informationen hauptsächlich über Twitter und über soziale Netzwerke. Über die Anschläge hat man berichtet. In den nächsten Tagen wird sich zeigen, inwiefern die Behörden Informationen herausgeben und inwiefern man da auch bereit ist, frei über die Anschläge berichten zu lassen.

Sie berichten von den sozialen Medien und von Twitter. Die sind ja auch bei Anschlägen etwa in Europa ein zweischneidiges Schwert gewesen. Es gab Panikmache und Fehlinformation auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite auch die Möglichkeit, schnell zu kommunizieren. Wie erleben Sie das in Thailand?

Es gibt sehr viele Informationen. Es gibt Informationen und Bilder vor Ort von Augenzeugen, von Leuten die die Anschläge miterlebt haben. Es gibt Einschätzungen von Experten, es gibt auch Nutzer von Twitter oder anderen Medien, die bereits jetzt schon versuchen, die Anschläge zu instrumentalisieren. Also da gibt es eine breite Vielfalt von Informationen und da muss man natürlich sehr vorsichtig sein.

Michael Winzer ist Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Thailand.