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Asien

Anschlag auf die Bundeswehr in Kundus

Es könnte ein Racheakt für den NATO-Angriff sein: Ein Selbstmordattentäter hat sich in der Nähe des Bundeswehr-Feldlagers in die Luft gesprengt. Fünf deutsche Soldaten und ein afghanische Dolmetscher wurden verletzt.

Afghanische Polizisten vor einem der ausgebrannten Tanklaster (Foto: AP)

Am Freitag hat die NATO einen Tanklaster angegriffen - im Auftrag der Bundeswehr

Der Anschlag habe sich am Samstag (05.09.2009) Morgen in der Nähe von Kundus ereignet, sagte ein Sprecher der Bundeswehr. Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammed Omar, sagte, der Attentäter habe sich mit einem Auto in die Luft gesprengt. Ob Zivilisten zu Schaden gekommen sind, war zunächst unklar.

Im nahe gelegenen Bundeswehrstützpunkt sei die Wucht der Explosion zu spüren gewesen, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AP. Es sei mitgeteilt worden, dass der Stützpunkt Ziel eines Anschlags gewesen sei. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Ihr Sprecher Sabiullah Mudschahid erklärte, der Selbstmordattentäter stamme aus dem Unruhedistrikt Char Darah.

Verletzte des Luftangriffs werden versorgt (Foto: AP)

Verletzte des Luftangriffs werden versorgt

Am Freitag hatte die Bundeswehr einen Einsatz der NATO auf zwei von Taliban entführte Tanklaster angefordert. Mindestens 50 Taliban-Kämpfer seien bei dem Luftangriff in Kundus getötet worden, teilte die Bundeswehr mit. Die Aufständischen hatten zuvor zwei Tanklastwagen entführt. "Unbeteiligte sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu Schaden gekommen", erklärte das Verteidigungsministerium.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai ließ dagegen mitteilen, es seien bis zu 90 Menschen getötet worden. Er äußerte sein "tiefes Bedauern" und erklärte: "Unschuldige Zivilisten sollten bei Militäroperationen nicht getötet oder verwundet werden." Anwohner der Region sprachen sogar von bis zu 150 Toten.

Polizei: 40 zivile Opfer

Aus afghanischen Polizeikreisen verlautete, es gebe rund 40 zivile Todesopfer. Dabei handele es sich um Personen, die Treibstoff aus den Tanklastwagen abgezapft hätten. Nach einigen Berichten hatten die Taliban Dorfbewohner aufgefordert, sich mit Benzin aus den Fahrzeugen zu versorgen.

Nach Darstellung der Bundeswehr hatten die Taliban die beiden Tanklaster an einem fingierten Kontrollpunkt in der Nacht zum Freitag in der Nähe des deutschen Stützpunktes in Kundus in ihre Gewalt gebracht. Ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug, eine so genannte Drohne, habe die Fahrzeuge verfolgt. Mit der Kamera der Drohne seien 67 Taliban-Kämpfer gezählt worden. Die entführten Fahrzeuge seien bei der Durchquerung eines Flusses auf einer Sandbank steckengeblieben. Ein von der Bundeswehr angeforderter US-Kampfjet habe die Tankwagen dort in Brand geschossen.

Jung verteidigt Luftangriff

Verteidigungsminister Jung bei einem Besuch der deutschen Soldaten in Kundus (Foto: dpa)

Verteidigungsminister Jung bei einem Besuch der deutschen Soldaten in Kundus (Archivbild)

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte: "Sie können davon ausgehen, dass der Angriff angeordnet wurde, weil keine unbeteiligten Zivilpersonen durch den Angriff hätten zu Schaden kommen können. Bei anwesenden Zivilisten hätte der Luftangriff nicht stattfinden dürfen." Der Schutz von Zivilisten habe für die Bundeswehr oberste Priorität. Bei dem Kommandeur des deutschen Wiederaufbauteams in Kundus, der den Luftangriff angefordert habe, handele es sich um einen "ausgesprochen besonnenen Offizier, der alles andere als ein Hasardeur ist". Er habe eine "sehr wohl abgewogene Entscheidung gefällt."

Verteidigungsminister Franz Josef Jung rechtfertigte den Luftangriff mit der besonders kritischen Situation im Raum Kundus. Bei den Taliban habe man es mit einem brutalen, aber leider auch intelligenten Gegner zu tun, sagte der CDU-Politiker. Jungs Parlamentarischer Staatssekretär Walter Kossendey äußerte in der "Nordwest-Zeitung" die Vermutung, die Taliban hätten geplant, die Tankwagen bei einem Anschlag auf die Bundeswehr einzusetzen.

UN und NATO ermitteln

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen kündigte eine Untersuchung an. Ein Team von Ermittlern unter der Leitung eines ISAF-Admirals sei bereits an den Ort des Geschehens geschickt worden, sagte Rasmussen. "Das afghanische Volk muss wissen, dass uns alles daran liegt, es zu schützen, und dass wir diesen Vorfall umfassend und umgehend untersuchen werden". Es sei noch unklar, ob es bei dem Angriff zivile Opfer gegeben habe. Auch die afghanische Polizei leitete Ermittlungen ein.

Neben Experten der NATO soll auch ein Team der Vereinten Nationen den Luftangriff untersuchen. "Wir müssen prüfen, was geschehen ist und warum der Angriff erfolgte, obwohl Opfer unter Zivilisten nicht mit Sicherheit auszuschließen waren", sagte der stellvertretende UN-Beauftragte für Afghanistan, Peter Galbraith, am Freitagabend. (mag/rri/dpa/ap/afp/rtr)

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