Anklage im Missbrauchsskandal der Schwedischen Akademie | Kultur | DW | 12.06.2018
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Nobelpreis-Akademie

Anklage im Missbrauchsskandal der Schwedischen Akademie

Jean-Claude Arnault, Ehemann des langjährigen Akademie-Mitglieds Katarina Frostenson, steht seit Monaten im Zentrum des Skandals der Schwedischen Akademie. Jetzt wird er wegen Vergewaltigung angeklagt.

Wie die Staatsanwaltschaft in Stockholm mitteilte, muss sich der 71-jährige Franzose Jean-Claude Arnault wegen Vergewaltigung einer Frau in zwei Fällen verantworten. Staatsanwältin Christina Voigt erklärte, dass sie die Beweislage für "tragfähig" halte. Im November 2017 war Arnault im Zuge der #MeToo-Kampagne von 18 Frauen wegen sexueller Übergriffe beschuldigt worden. Nach Recherchen der schwedischen Tageszeitung "Dagens Nyheter" soll Arnault über Jahre hinweg weibliche Mitglieder der Akademie, Mitarbeiterinnen sowie Frauen und Töchter von Akademiemitgliedern sexuell belästigt oder missbraucht haben.

Streit lähmt die Akademie

Die Staatsanwaltschaft ordnete damals eine Untersuchung an, woraufhin einige Beschuldigungen aus Mangel an Beweisen zunächst fallen gelassen werden mussten. Arnault stritt alle Anschuldigungen ab. Der Umgang mit dem Skandal sorgte innerhalb der Schwedischen Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt, für großen Streit. Sechs ihrer 18 Mitglieder legten ihre Ämter nieder, darunter auch Frostenson. Die Vergabe des Literatur-Nobelpreises für das Jahr 2018 wurde daraufhin verschoben. Momentan sind nur noch 10 der 18 Mitglieder der Akademie aktiv, vier Sitze sind seit Beginn des Skandals vakant.

Die schwedische Schriftstellerin Katarina Frostensson und ihr Mann Jean-Claude Arnault (picture-alliance/IBL Schweden)

Schriftstellerin Katarina Frostenson und Jean-Claude Arnault im Jahr 2015

Im Zuge des Skandals war auch ans Tageslicht gekommen, dass ein von Arnault geführtes Kulturinstitut durch die Akademie über Jahre hinweg mit hohen Summen gefördert worden war. Zudem soll er Namen von Preisträgern vorzeitig ausgeplaudert haben. 

Frau zum Sex gezwungen?

Der jetzt erhobenen Anklage zufolge soll Arnault eine Frau in Stockholm im Jahr 2011 in zwei Fällen vergewaltigt haben. Im ersten Fall habe er die "stark verängstigte" Frau zum Sex gezwungen, Monate später habe er sie im Schlaf vergewaltigt. Elisabeth Massi Fritz, die Anwältin des mutmaßlichen Opfers, erklärte, die Frau sei "sehr erleichtert", dass Arnault nun vor Gericht komme. Sie sei von ihm "auf besonders ernste Weise verletzt und erniedrigt worden".

Bjorn Hurtig, Anwalt des Angeklagten, sagte im schwedischen Radio, dass Arnault sich als Opfer einer "Hexenjagd" fühle. Zeugenaussagen stützen jedoch die Angaben des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers. Ein Datum für einen Prozess wurde zunächst nicht festgesetzt.

pj/bb (dpa, AFP)

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