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Asien

Angriff auf westliche Botschafter in Sri Lanka

Tamilische Rebellen feuerten - angeblich unbeabsichtigt - auf eine Gruppe von Diplomaten. Der deutsche Botschafter blieb unverletzt, sein italienischer Kollegen wurde ins Krankenhaus eingeliefert.

Der deutsche und der italienische Botschafter in Sri Lanka, Quelle: AP

Unter Beschuss: Der deutsche (links) und der italienische Botschafter in Sri Lanka

Der deutsche Botschafter in Sri Lanka, Jürgen Weerth, ist am Dienstag (27.2.07) knapp einem Angriff tamilischer Rebellen entgangen. Als er mit weiteren westlichen Diplomaten nach einem gemeinsamen Flug einen Militärhubschrauber verließ, schlugen Granaten auf der Landebahn ein. Weerth blieb unverletzt, wie er der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Seine Kollegen aus Italien und den USA wurden dagegen nach offiziellen Angaben leicht verletzt, als sie im Bezirk Batticaloa im Osten Sri Lankas unter Beschuss gerieten. Nach Weerths Angaben explodierten zwei Granaten "maximal 40 Meter" von der Gruppe entfernt.

Italiens Botschafter mit Splitter im Kopf

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft verurteilte den Beschuss auf die Delegation, die auf Einladung der srilankischen Regierung die Region Batticaloa besuchte. Sie wünschte dem italienischen Botschafter Prio Mariani baldige und vollständige Genesung. Mariani hatte bei dem Beschuss einen Splitter abbekommen. Er wurde daraufhin in die Hauptstadt Colombo geflogen, wo er unter örtlicher Betäubung operiert wurde. Der Diplomat sei außer Gefahr und habe schon wieder nach Hause gehen können, teilte eine Krankenhaussprecherin mit.

Nach Angaben der Regierung in Colombo wurde US-Botschafter Robert Blake leicht verletzt. Die US-Botschaft teilte aber mit, Blake gehe es gut. Neben einer Regierungsbeamtin wurden zudem neun Angehörige der Sicherheitskräfte und ein Kind bei dem Granatenbeschuss verwundet.

Rebellen bedauern den Vorfall

Es ist der erste bekannte Angriff auf westliche Diplomaten seit dem Beginn des Unabhängigkeitskampfes der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE). Die Rebellen kämpfen seit 1983 für eine Selbstbestimmung der tamilischen Minderheit im Norden und Osten des Inselstaats. Im Konflikt zwischen den LITE und der von singhalesischen Nationalisten geführten Regierung sind Schätzungen zufolge mittlerweile mehr als 65.000 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen. Mehrere Anläufe zu Friedensgesprächen sind gescheitert.

Ohne Heimat: Die Kämpfe haben eine Flüchtlingswelle in Sri Lanka ausgelöst, Quelle: AP

Ohne Heimat: Die Kämpfe haben eine Flüchtlingswelle in Sri Lanka ausgelöst

Die LTTE-Rebellen äußerten in einer Erklärung "tiefes Bedauern" über den Angriff. Zugleich warfen sie der Regierung vor, das Leben der Diplomaten in Gefahr gebracht zu haben, weil sie die Botschafter in ein Kriegsgebiet gebracht habe, ohne die Befreiungstiger davon zu unterrichten. Der Hubschrauber mit der westlichen Delegation sei zudem bei einer Militäreinrichtung gelandet. Botschafter Weerth betonte dagegen, der Hubschrauber habe auf einem Sportfeld aufgesetzt. Die srilankische Regierung warf den Rebellen vor, bei ihrem Angriff von der Präsenz der Botschafter gewusst zu haben. Stunden nach der Attacke auf die Diplomaten flog die Luftwaffe Angriffe gegen mutmaßliche Stellungen der Rebellen im Osten des Inselstaats.

Diplomaten wollten sich über Flüchtlinge informieren

Die Diplomaten, darunter auch die Botschafter Frankreichs und Japans, wollten sich auf Einladung des Menschenrechtsministers über die Flüchtlingssituation in Batticaloa informieren.. In den letzten Monaten sind in Sri Lanka mehrere Tausend Menschen vor den Kämpfen zwischen Regierung und Tamilen-Rebellen geflohen. Im besonders umkämpften Bezirk um Batticaloa haben sich nach Angaben von Hilfsorganisationen mehr als 70.000 Flüchtlinge gesammelt.

Die EU-Ratspräsidentschaft äußerte sich auch vor dem Hintergrund des ernsten Zwischenfalls besorgt über die Entwicklung Sri Lankas und forderte beide Seiten nachdrücklich zur Einstellung der gewalttätigen Auseinandersetzungen und zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Sie unterstrich zugleich ihre Bereitschaft, den Friedensprozess weiter zu unterstützen. (tos).

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