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Nahost

Amokfahrt mit Bulldozer

In Jerusalem hat ein Palästinenser mit einer Planierraupe einen voll besetzten Bus gerammt und dabei mindestens zwei Menschen getötet und mehrere Dutzend verletzt. Wer hinter dem Anschlag steckt ist noch unklar.

Umgekippter Bus, davor zwei Personen (2.7.08, Jerusalem - Israel, Quelle: AP)

Nach dem Anschlag: Eine Frau und ein Ersthelfer vor dem umgestürzten Bus

Bei einer Amokfahrt in der Innenstadt Jerusalems sind am Mittwoch (02.07.2008) mindestens zwei Menschen getötet worden. Der Fahrer einer Planierraupe stieß mit mehreren Fahrzeugen und Fußgängern zusammen, bis er von der Polizei erschossen wurde. Der Anschlag sei offenbar politisch motiviert, teilte die Polizei mit. Örtliche Medien sprachen von bis zu vier Toten. Mindestens 22 Menschen wurden verletzt.

Nach Polizeiangaben stammte der Attentäter aus dem arabischen Ost-Jerusalem und war als Krimineller bekannt. Der israelische Rundfunk meldete, er gehöre vermutlich zu keiner der militanten Palästinenserorganisationen und habe offenbar auf eigene Faust gehandelt. Gleichzeitig bekannte sich jedoch eine Gruppierung namens Emad Maghanija-Brigaden zu dem Anschlag. In einem Telefonanruf bei der Nachrichtenagentur AFP in Ramallah bekannte sich zudem ein Sprecher der Gruppe "Die Brigaden der freien Menschen von Galiläa" zu der Attacke. Beide Bekenneraussagen konnten zunächst nicht auf ihre Glaubwürdigkeit überprüft werden.

Angriff vor laufender Kamera

Zerstörte Autos, davor ein Mann in Uniform (2.7.08, Jerusalem - Israel, Quelle: AP)

Auch mehrere andere Fahrzeuge wurden demoliert

Hunderte Menschen liefen unmittelbar nach dem Bulldozer-Anschlag in Panik durch die Straßen der Innenstadt. Am Unglücksort lagen Verletzte zwischen Glassplittern und Blutlachen auf der Straße. Etwa ein Dutzend Autos wurden von dem Bulldozer zerquetscht. "Das war ein Alptraum", sagte der 19 Jahre alte Soldat Ben Schimon. "Der rammte alles, was er gesehen hat. Er hatte eine Pistole und begann, auf einen Polizisten zu schießen."

Der Amoklauf ereignete sich vor einem Bürogebäude, in dem zahlreiche Medien untergebracht sind. Eine Fernsehkamera konnte Aufnahmen machen, wie der Bulldozer ein Auto zermalmte. Dem Video zufolge tötete ein Soldat, der nicht im Dienst war, den Fahrer mit mehreren Schüssen in den Kopf. Angehörige der Streitkräfte tragen in Israel auch außer Dienst ihre Waffe.

In den vergangenen drei Jahren hat es in Jerusalem nur vereinzelt Anschläge gegeben. Im Gegensatz zu den Palästinensern im Westjordanland genießen die Palästinenser in Ostjerusalem Bewegungsfreiheit in der Stadt und können auch im jüdischen Teil arbeiten.

Ägypten hält Palästinenser mit Wasserwerfern zurück

Menschen vor einem Grenztor (1.7.08, Rafah - Gaza, Quelle: AP)

Palästinenser am wiedereröffneten Grenzübergang Rafah zwischen dem Gaza-Streifen und Israel

Am Grenzübergang Rafah vom Gazastreifen nach Ägypten kam es unterdessen zu Ausschreitungen: Wütende Palästinenser versuchten, die Grenze zu überrennen und schleuderten Steine auf ägyptische Sicherheitskräfte. Die Grenzbeamten drängten die Angreifer Zeugenberichten zufolge mit Wasserwerfern zurück. Ägypten hat den Übergang Rafah nach der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen vor über einem Jahr geschlossen.

Am Dienstag wurde die Grenze nach dem Waffenstillstandsabkommen zwischen der Hamas und Israel erstmals geöffnet, es wurden jedoch nur wenige Palästinenser durchgelassen. Im Januar hatte die Hamas Löcher in den Grenzwall gesprengt, woraufhin Hunderttausende der 1,4 Millionen Einwohner des Gazastreifens zwei Wochen lang nach Ägypten ein- und ausreisen konnten.

Wieder Lieferungen nach Gaza

Israel öffnete am Mittwoch vereinbarungsgemäß die Grenzübergänge in den Gazastreifen und wollte erstmals seit über einem Jahr mehrere Warenlieferungen zulassen. Fünf Zementlaster, Benzin, Weizen und Tiernahrung sollte über die Grenze kommen, wie das Innenministerium im Gazastreifen erklärte. 26 kranke Palästinenser sollen zur medizinischen Behandlung nach Israel reisen dürfen. Israel hatte die Grenzen seit Inkrafttreten des Waffenstillstands am 19. Juni als Reaktion auf Raketenangriffe an sechs Tagen geschlossen, zuletzt am Dienstag. (rri)

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