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Wirtschaft

Amazon: Verdi zieht positive Streik-Bilanz

Die Geschenke zu Weihnachten kamen fast alle pünktlich an, die Gewerkschaft zieht dennoch eine positive Bilanz des Ausstands beim Online-Versandhändler Amazon. Mehr als eine Woche wurde gestreikt.

Der bisher längste Streik bei Amazon Deutschland ist Heiligabend zu Ende gegangen - und die Gewerkschaft sieht den Online-Versandhändler "empfindlich getroffen". Verdi hatte Mitarbeiter an den Standorten Graben (Bayern), Leipzig (Sachsen), Bad Hersfeld (Hessen) und Rheinberg (Nordrhein-Westfalen) am Mittwoch aufgefordert, die Arbeit niederzulegen. Der Ausstand dauerte bis 15.00 Uhr. Insgesamt hätten sich rund 2000 Mitarbeiter beteiligt, hieß es bei Verdi.

Die Streikwelle bei Amazon hatte bereits am 15. Dezember begonnen. Zeitweise hätten pro Tag bis zu 2700 Beschäftigte in sechs von acht Versandzentren die Arbeit niedergelegt, teilte die Gewerkschaft mit. Als "erfolgreich" bezeichnet der Verdi-Sprecher in Graben den Streik. Den am Ausstand beteiligten Mitarbeitern gehe es vor allem um ihre Existenzsicherung. "Die Gehälter führen direkt in die Altersarmut." Aus der Bevölkerung und auch von anderen Einzelhandelsbeschäftigten hätten sie viel Zuspruch erfahren.

Tarifvertrag nicht in Sicht

"Die Arbeitsniederlegungen haben Amazon empfindlich getroffen: durch Lieferverzögerungen, aber auch, weil das Unternehmen angesichts der Streiks einen deutlich höheren Aufwand betreiben musste, um seine Lieferversprechen einzuhalten", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Umso unverständlicher sei es, dass Amazon sich weiterhin weigere, einen Tarifvertrag abzuschließen. "Das Unternehmen täuscht sich, wenn es glaubt, der Druck würde nachlassen. Er wird weiter zunehmen, auch in anderen Ländern", kündigte Nutzenberger an. Die Gewerkschafterin widersprach der Darstellung, Amazon würde Gehälter der Logistikbranche zahlen.

"Der weltweit größte Versandhändler zahlt nach gar keinem Tarif, sondern betreibt bei Löhnen und Arbeitsbedingungen einseitig und willkürlich Rosinenpickerei", so Nutzenberger. Es sei bemerkenswert, dass Amazon behaupte, sich in Deutschland an den Logistik-Löhnen zu orientieren, dagegen etwa in den USA oder in Italien die zum Teil niedrigeren Einzelhandels-Löhne als Maßstab heran ziehe.

Konflikt seit Mai 2013

Der Tarifkonflikt bei dem Versandhändler dauert seit Mai 2013. Verdi will den deutschen Ableger des US-Giganten zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zu den besseren Bedingungen des Einzel- und Versandhandels zwingen. Amazon lehnt das strikt ab und verweist darauf, dass sich die Bezahlung der Mitarbeiter am oberen Bereich der Logistikbranche orientiere.

ul/sti (dpa)