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Geschichte

Als die Brandenburger mit Sklaven handelten

1683 errichtete eine brandenburgische Expedition eine Festung an der afrikanischen Goldküste. Die Deutschen hatten es nicht allein auf Land abgesehen: Sie wollten in den Sklavenhandel einsteigen.

Die Brandenburger hatten an alles gedacht. Prächtig herausgeputzt saßen sie in ihren Booten, die sich durch die Meeresbrandung immer näher an ihr Ziel herankämpften: die Goldküste, das heutige Ghana. Hier wollten die Seeleute und Soldaten das Banner Brandenburgs in den Sand pflanzen. Mit Pauken und Trompeten, genauer, den Klängen des Blasinstruments Schalmei, nahm der Kommandeur dieser Expedition, Major Otto Friedrich von der Groeben, diesen Landstrich am 1. Januar 1683 in Besitz. Dazu rollte der Donner aus den Kanonen der beiden Schiffe "Chur Prinz von Brandenburg" und "Morian". Gleich am nächsten Tag bewiesen die Brandenburger dann ihren "preußischen Fleiß". Mit eigens aus Deutschland mitgebrachten Ziegeln und Balken begannen sie mit dem Bau einer Festung.

Der Große Kurfürst

Groß-Friedrichsburg um 1688, Zeichnung (Copyright: commons. wikimedia)

Die ehemalige Kolonie Groß-Friedrichsburg war zugleich ein Gefängnis für Sklaven

Zu Ehren ihres Herrn, Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg, nannten die Deutschen die Festung "Groß-Friedrichsburg". Über ihren Mauern wehte das Banner Brandenburgs: Ein roter Adler auf weißem Grund. Mit billigen europäischen Waren versuchten sie die Loyalität der Afrikaner zu gewinnen und schlossen Verträge. Die Afrikaner erhofften sich von den bald 40 Kanonen von "Groß-Friedrichsburg" auch Unterstützung gegen ihre Feinde. Und so konnten sich die Brandenburger an weiteren günstig gelegenen Punkten festsetzen. "Nach der Zeit unterwarfen sich auch die Einwohner der Orte Accada und Taccarary und die ganze Landschaft dieser Vestung", berichteten die Deutschen aus Afrika.

Der Mann, der die frühkoloniale Besatzung ins Leben gerufen hatte, saß weit weg im fernen Europa. Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg hatte 1640 die Herrschaft angetreten. Mit großem Ehrgeiz ging er daran, sein vom Dreißigjährigen Krieg verwüstetes Land wieder aufzubauen. Geld, Geld und noch mehr Geld war dazu vonnöten.

Brandenburgische Sklavenhändler

Holzstich einer Sklavenkaravane in Afrika, 1870 (Copyright: Picture Alliance)

Millionen Menschen wurden im Laufe der Jahrhunderte als Sklaven aus Afrika verschleppt

Dazu wollten die Brandenburger am brutalen Geschäft des Sklavenhandels partizipieren. Sie hatten keineswegs im Sinn, das ganze Land zu beherrschen oder gar das Landesinnere zu erobern. Sie dachten vor allem ans schnelle Geldverdienen und legten an der Küste befestigte Handelsstützpunkte an.

Sklavenhändler fingen im afrikanischen Hinterland im Laufe der Jahrhunderte Millionen Menschen ein und trieben sie an die Küste. Am Meer warteten dann bereits die europäischen Händler in Festungen wie "Groß-Friedrichsburg", um die Sklaven auf brutale Art und Weise nach Amerika zu verschiffen.

"Krampfhaft zog sich das Herz zusammen"

Dieses "Geschäft" war unmenschlich: Ein Augenzeugenbericht des Chirurgen Johann Peter Oettinger schildert, wie ein "aufrührerischer" Sklave mit einem Tau geprügelt wurde, bis er "von dicken Schwielen bedeckt war und das Blut auf den Boden tropfte." Oettinger hatte großes Mitleid, letztlich war aber auch er ein Teil des Systems Sklavenhandel. Seine Aufgabe war es, die Sklaven auf See gesund zu halten, damit sie beim Verkauf einen hohen Preis erzielen konnten: "Krampfhaft zog sich das Herz zusammen, als ich sie, menschlich gebaute Wesen, wie Vieh behandelt sehen musste."

Weniger Mitleid, dafür umso mehr den Profit hatten die Brandenburger im Sinn. Doch viele Sklaven starben auf der Überfahrt: Als 1693 das brandenburgische Schiff "Friedrich III." die Karibik erreichte, waren von den 800 eingepferchten Sklaven nur noch rund 700 am Leben. Und auch die Brandenburger Seeleute selbst litten an Krankheiten. Als das Schiff wieder in Deutschland angekommen war, war über ein Drittel der Mannschaft verstorben.

Das Ende von "Groß-Friedrichsburg"

Fort Gross-Friedrichsburg (Copyright: commons. wikimedia)

Heute gehört Groß-Friedrichsburg zum UNESCO-Weltkulturerbe

Auch die Deutschen in der Festung "Groß-Friedrichsburg", etwa 90 Mann, litten unter dem tropischen Klima und sich ausbreitenden Seuchen. Zudem war die Konkurrenz groß: Portugiesen, Briten, Niederländer, Schweden und Dänen mischten ebenfalls vor Ort mit und bekriegten sich bisweilen. Die brandenburgische Kolonie drohte, zu einem finanziellen Desaster zu werden.

Der Nachfolger des Großen Kurfürsten zog 1717 einen Schlussstrich unter dieses frühe deutsche Kolonialunternehmen. Zum Preis von "72.000 Dukaten und 12 Mohren" verkaufte Friedrich I. "Groß-Friedrichsburg" und die übrigen brandenburgischen Besitzungen in Afrika an die Niederländer. Allerdings konnten sich auch die neuen Besitzer zunächst kaum an "Groß-Friedrichsburg" erfreuen.

Ein einheimischer Häuptling, der Brandenburg die Treue hielt, und den niemand von dem Verkauf informiert hatte, verteidigte die Festung jahrelang vehement gegen die neuen Besitzer. Als der Häuptling schließlich fliehen musste, nahm er die brandenburgische Flagge mit sich. Später folgte an diesem Ort auf die holländische für lange Zeit die britische Flagge - bevor Ghana 1957 als erster afrikanischer Staat seine Unabhängigkeit erlangte. Die Ruinen von Groß-Friedrichsburg zählen heute zum Weltkulturerbe der Unesco. Und erinnern an ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte.

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