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Deutschland

Alle lieben Deutschland

Deutschland genießt weltweit höchstes Ansehen. Vor allem Frankreich und England schätzen die Bundesrepublik - für die selbstkritischen Deutschen nur schwer vorstellbar.

Ein Gartenzwerg mit Sonnenbrille sitzt in einem Schrebergarten in Mainz ( Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Nicht nur Gartenzwerg-Liebhaber: Andere Länder schätzen vor allem Deutschlands starke Wirtschaft

Sie tragen Tennissocken in Sandalen, warten als Fußgänger auch nachts an der roten Ampel und lachen höchstens dann, wenn anderen ein Missgeschick passiert: Die Liste der Vorurteile über die Deutschen ist lang. Neben diesen harmlosen Klischees hat Deutschland seit der Eurokrise auch mit alten politischen Ressentiments zu kämpfen: Ausländische Zeitungen bildeten Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Hitlerbart oder preußischer Pickelhaube ab, um ihrem Unmut über Merkels Sparpolitik Ausdruck zu verleihen.  

Dabei ist das Image der Bundesrepublik deutlich besser als gedacht, wie eine Studie des britischen Senders BBC zeigt. Etwa 26.000 Menschen in 25 Ländern weltweit wurden nach ihrer Meinung zu 16 Ländern und der EU befragt. Das Ergebnis: 59 Prozent der Befragten bewerteten den Einfluss Deutschlands als "überwiegend positiv". Damit liegt Deutschland in der Studie an der Spitze, gefolgt von Kanada und Großbritannien. Am Ende der Skala platzierten sich der Iran und Pakistan.

Stabilität in Eurokrise

Zwei junge Fußballfans jubeln (Foto: Ralph Orlowski/Getty Images)

So fröhlich wie diese Fußball-Fans konnte sich Deutschland während der WM 2006 präsentieren

Doch warum schneidet Deutschland so gut ab? Über die Gründe kann nur spekuliert werden, sagt Sam Mountford, Direktor von GlobeScan, im Gespräch mit der Deutschen Welle. Das Meinungsforschungs-Institut hatte die Studie im Auftrag der BBC ausgeführt. "Was wir sagen können, ist, dass die Länder, die in der Studie gut abgeschnitten haben, wohlhabend, stabil und demokratisch sind." Aus früheren Befragungen sei bekannt, dass es vor allem Deutschlands starke Wirtschaft sei, die dem Land gute Noten bescherte.

Besonders beliebt ist Deutschland in Europa. So bewerteten 81 Prozent der Franzosen und 78 Prozent der Briten Deutschland positiv. Nur das krisengeschüttelte Griechenland sorgte für schlechte Werte. Auch in Indien und Pakistan ist Deutschlands Ruf eher mäßig.

Vor allem die guten Noten aus England lassen aufhorchen, denn auch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg genoss Deutschland im Vereinigten Königreich einen eher zweifelhaften Ruf. Doch ein Wandel ist auch unabhängig von der BBC-Umfrage bemerkbar. So listete die Boulevardzeitung "Sun" Anfang des Jahres zehn Gründe auf, warum man Deutschland lieben sollte: Neben den Models Claudia Schiffer und Heidi Klum schätzte das Blatt auch deutsche Automarken wie Audi, VW und Mercedes, das Oktoberfest und den mehrfachen Wimbledon-Sieger Boris Becker. Für Mountford ist das verbesserte Image vor allem wirtschaftlicher Natur: "Die Briten sehen die Stabilität, die Deutschland für die Eurozone bieten kann. Und die ist auch in Großbritanniens Interesse."  

Imagewandel durch Großveranstaltungen

Das Bild zeigt Jürgen Block, Geschäftsführer Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V (BCSD). (Foto: BCSD)

"Positive Großveranstaltungen": Jürgen Block, Geschäftsführer BCSD

Für Jürgen Block, Geschäftsführer der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing (BCSD), hängt Deutschlands Spitzenposition aber auch von emotionalen Faktoren ab. "Dass Deutschland beliebter geworden ist, liegt auch einfach daran, dass wir über Großveranstaltungen - sei es die Expo 2000 in Hannover, die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2006 oder die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 - die Gelegenheit hatten, uns über einen längeren Zeitraum positiv zu präsentieren." Außerdem sei über die vergangenen Jahrzehnte eine Art "Nachholbedarf" entstanden. Deutschlands gewandeltes Image wecke Neugier.

Vor allem Berlin mit seinen unzähligen Clubs und Kneipen genieße unter jungen Amerikanern, Europäern und Israelis Kultstatus. Andere schätzten Deutschlands gemütliche Seite. So seien nicht nur die bekannten Weihnachtsmärkte in Dresden und Nürnberg bei ausländischen Gästen beliebt, auch kleinere Märkte wie in Esslingen oder Goslar entwickelten sich immer mehr zur Touristenattraktion. Die positive Gesamtbilanz: Die Anzahl der Übernachtungen von ausländischen Gästen stieg im dritten Jahr in Folge und lag 2012 bei knapp 70 Millionen.

Deutschland fängt an, sich zu mögen

Eine Frau schaut sich einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt an (Foto: AFP /Getty Images)

Christstollen und Glühwein: Deutschlands Weihnachtsmärkte werden immer beliebter

"Das gute Image ist sicherlich auch dadurch gekennzeichnet, dass wir selber nicht mehr so ein verkrampftes Verhältnis zu unserer Nation, zu unserem Land, zu unserer Gesellschaft haben. Und wer sich selber mag, der wird auch von anderen gemocht", erklärt Block. Der positive Blick auf das eigene Land fällt allerdings vielen immer noch nicht leicht. Laut einer Untersuchung der Universität Köln sind die Deutschen besonders selbstkritisch. So sind sie zwar meist stolz darauf, Rheinländer oder Bayer zu sein, doch mit dem Deutschsein an sich tun sie sich schwer. So stimmten viele der Aussage zu: "Ausländer haben viele positive Eigenschaften, die uns Deutschen fehlen."

Völlig zu Unrecht, befand bereits 2007 der amerikanische Autor Eric T. Hansen in seinem Buch "Planet Germany. Eine Expedition in die Heimat des Hawaii-Toasts": "Die Deutschen wissen nicht, wer sie sind. Wenn sie sich anschauen, sehen sie ein kleines provinzielles Völkchen, das von allen anderen rumgeschubst wird. Ich sehe eine geballte Wirtschaftsmacht, die in der ganzen Welt geachtet wird." Dies gilt heute wohl mehr als je zuvor.

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