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Bildung

Zum Studium am liebsten nach Deutschland

Bei russischen Studierenden steht Deutschland hoch im Kurs. Nirgendwo sonst in Europa studieren so viele von ihnen. Sie schätzen das Niveau und treffen dabei auf unterschiedliche Lernkulturen.

Für Aleksei Ukrainskii war schon immer klar, dass er eines Tages nach Deutschland gehen würde. Schließlich hatte seine Großmutter deutsche Wurzeln. Von ihr hat er auch die deutsche Sprache gelernt. In seiner Heimatstadt Sankt Petersburg arbeitete der junge Informatiker während seines Studiums in Russland für deutschsprachige Firmen, aber sein Ziel blieb Deutschland. Denn aus seiner Sicht bringt die Ausbildung in Deutschland russischen Studenten ein gutes Image.

"Es ist ziemlich angenehm hier zu lernen, alles ist sozusagen für Studenten gemacht", findet Aleksei und meint damit vor allem die äußeren Bedingungen: gut ausgestattete Bibliotheken, günstige Studentenwohnheime, geringe Studiengebühren und genug Zeit, neben dem Studium zu arbeiten und Geld zu verdienen. Ganz anders als in Russland sei das. Also bewarb sich der junge Informatikstudent im Internet um eine Promotionsstelle in Deutschland - und stach alle deutschen Mitbewerber aus.

Alexander Ukrainskii (Foto: Bianca von der Au)

Begabt und qualifiziert: Doktorand Aleksei Ukrainskii

Bessere Berufsaussichten

Seine Qualifikation habe einfach überzeugt, sagt Professor Martin Kappes, Leiter der Forschungsgruppe für Netzwerksicherheit an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Der Professor kann verstehen, dass es russische Studenten wie Aleksei Ukrainskii nach Deutschland zieht, die Berufsaussichten seien hier einfach besser. "Wenn man bereits während des Studiums nach Deutschland geht, können Praxiskontakte mit Unternehmen erwachsen, die man später auch nutzen kann, wenn man da bleiben möchte", weiß er aus Erfahrung.

Langfristige Praxiskontakte erhofft sich auch Alina für ihre Zukunft. Seit August 2012 lebt die 18-jährige Russin in Frankfurt am Main. Sie kann sich gut vorstellen, eines Tages in der Finanzmetropole zu arbeiten und hier viel Geld zu verdienen. An einem linguistischen Gymnasium hat sie Deutsch gelernt. "Seit ich elf war, ist es mein Traum, nach Deutschland zu kommen und hier zu studieren", erzählt sie. "Mein Ziel ist es, hier möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, denn Deutschland ist ein wirtschaftlich hoch entwickeltes Land."

Das Ziel fest vor Augen

Russische Studentin Alina in Frankfurt (Foto: Bianca von der Au)

Karriere machen in der deutschen Finanzmetropole Frankfurt: Davon träumt Alina

Zurzeit belegt Alina Kurse am Studienkolleg für internationale Studierende, um nach dem Sommer am "House of Finance", dem Zentrum für Finanzwirtschaft an der Goethe Universität, studieren zu können. Ihre Dozentin Christine Hartwig-Thürmer lehrt seit Jahren am Studienkolleg und beobachtet bei den russischen Studierenden ähnliche Eigenschaften.

Die meisten nähmen sich wie Alina hohe Ziele vor. "Die Studenten aus den russischsprachigen Ländern haben gelernt, sehr diszipliniert zu arbeiten", sagt sie. "Sie bewerkstelligen - anders als manch andere Studierende - ihren Alltag systematisch, lernen trotzdem fleißig und sind auf den Unterricht vorbereitet." Ob russische Studierende mit ihrem Fleiß und Ehrgeiz die deutschen Studenten anstecken, lässt sich nicht belegen. Aber Valeriya ist ein gutes Beispiel für die Beobachtung der Dozentin.

Kritisches Denken nicht Teil der Lernkultur

Die 23-Jährige jobbt drei Mal die Woche an einer Hotelrezeption, um sich ihren Traum vom Studium in Deutschland leisten zu können. Und obwohl sie oft bis spät in die Nacht arbeitet, lerne sie hier mehr als in Russland, sagt sie. Hier in Deutschland fühle sie sich eigenverantwortlicher für ihr Studium; ihre Selbstständigkeit sei mehr gefragt. "Also bin ich hier fleißiger geworden, und ich bin in diesem Alter, in dem das Studium mir Spaß macht, das ist auch etwas anderes."

Russische Studentin Valeriya (Foto: Bianca von der Au)

Valeriya macht eine verdiente Kaffeepause

Russische Studenten treffen in Deutschland auf eine völlig andere Lernkultur, stellt Dozentin Christine Hartwig-Thürmer fest. Kritisches Denken oder offener Widerspruch seien unter russischen Studenten kaum verbreitet, das sei in Russland nicht Teil der Lernkultur. Dort würden die Lehrerpersönlichkeiten vielmehr als Autoritäten angesehen, so Hartwig-Thürmer. "Daher ist es für viele ungewohnt, dass man überhaupt Widerworte geben kann, also eine andere Position beziehen kann als die vorgegebene durch die Dozentin." In deutschen Hörsälen dürfte das weniger ein Problem sein. So können beide Kulturen etwas voneinander lernen.

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