1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

Albtraum Guerillakrieg

Während die US-Generäle am Golf Videos chirurgischer Luftangriffe präsentieren, hat am Boden der Kampf gegen die Guerilla Saddam Husseins schon begonnen.

default

Potenzielle Märtyrer in der irakischen Stadt Mosul

Seit dem Vietnamkrieg ist der Guerillakrieg eine Horror-Vision für jeden US-Militär. Doch der bisherige Kriegsverlauf im Irak zeigt: Das Schreckgespenst verlustreicher Straßenkämpfe wird für die US-Soldaten immer wahrscheinlicher.

Der irakische Vizepräsident Ramadan kündigte nach dem ersten irakischen Selbstmordangriff auf US-Soldaten am Samstag (29.03.) weitere "Märtyrer-Aktionen" an. Bei dem Angriff auf einen US-Kontrollposten bei Nadschaf waren vier US-Soldaten getötet worden. Besonders gefürchtet sind die Fedajin Saddam, eine dem Regime in Bagdad bedingungslos ergebene Elitetruppe, ausgebildet für den Guerillakampf.

Schreckgespenst Fedajin

Nach Angaben des britischen Militärkommandos halten sich rund 1000 dieser paramilitärischen Miliz-Kämpfer in Basra auf. Die Fedajin ("Die Opferbereiten") sollen einen Aufstand der regierungskritischen Schiiten verhindern und die britischen Angreifer in verlustreiche Straßenkämpfe verwickeln. Noch kurz vor Kriegsbeginn hatte Saddam Hussein mit dem Einsatz von 40.000 Märtyrern gedroht: ganz in weiß gekleidet, mit vermummten Gesichtern und umgeschnallten Sprengstoffgürteln waren die Fedajin bei Militärparaden in Bagdad an ihrem Herrn und Meister vorbeimarschiert.

Die Fedajin wurden 1995 gegründet und rekrutieren sich aus Gebieten, die Saddam Hussein gegenüber loyal sind. Das Londoner International Institute for Strategic Studies (IISS) schätzt ihre Zahl auf 18.000 bis 20.000 Kämpfer. Der Militärexperte und frühere Analyst des US-Geheimdienstes CIA, Kenneth Pollack, hält es dagegen für möglich, dass inzwischen 100.000 Kämpfer den Fedajin angehören.

Irak: Magnet für Heilige Krieger?

Für John Voll von der Georgetown Universät in Washington könnte ein lang andauernder Krieg Irak zum Magneten für islamische Extremisten aus der gesamten arabischen Welt machen, wie es Afghanistan seit dem Einmarsch der sowjetischen Roten Armee war: "Wenn es eine amerikanische Besetzung gibt, wird Irak auf einen Spitzenplatz der Liste für Dschihad (Heiliger Krieg) im internationalen Netzwerk der Islamisten rücken."

Udo Steinbach unterstreicht diese Einschätzung: Der Leiter des Deutschen Orient-Instituts sieht im Einsickern arabischer Freiwilliger in den Irak eine neue Gefahr für die alliierten Truppen: "Hunderte Freiwillige gehen in den Irak, um sich im Kampf gegen Amerikaner und Briten zu opfern. Mit jedem Kriegstag werden es mehr", sagte Steinbach in einem Zeitungsinterview. Diese hochmotivierten Kämpfer, die von Zivilisten kaum zu unterscheiden sind, werden zwar nicht den Krieg entscheiden - aber in der Schlacht um Bagdad spielen sie eine wichtige Rolle. Sie haben Kalaschnikows und Handgranaten. Außerdem können sie Panzerabwehrwaffen vom irakischen Regime bekommen."

Ende des CNN-Bildermonopols

Die Bilder von Bombenangriffen und zivilen Opfern im arabischen Fernsehen, so Steinbach, "wecken die Bereitschaft, in den Heiligen Krieg zu ziehen. Der Zorn auf die westlichen Kreuzfahrer breitet sich in der gesamten arabischen Welt aus - in allen Bevölkerungsschichten."

Und die Bilder kommen in diesem Krieg nicht nur vom amerikanischen Fernsehsender CNN. Neben dem Nachrichtensender Al Dschasira aus Katar berichten eine Reihe anderer arabischer Fernsehsender live aus dem Irak, darunter Abu Dabi TV und der libanesische Sender LBC. Selbst die radikale muslimische Hisbollah-Miliz bringt mittlerweile mit einem eigenen Satelliten-Kanal ihre extremistisch-islamische Botschaft in tausende arabischer Wohnzimmer.

Vorgeschmack auf Kampf um Bagdad

Nach Berichten des britischen Senders kamen am Sonntag (30.3.2003) in der Hafenstadt Umm Kasr US-Marines erneut unter Feuer irakischer Milizen. Briten und Amerikaner hatten bereits mehrere Male behauptet, die strategisch wichtige Hafenstadt zu kontrollieren. Für die US-Militärführung eine Riesenblamage: Wenn schon die Kontrolle über die 4000-Einwohner-Stadt Umm Kasr so schwierig zu erlangen ist, worauf müssen sich dann die GI's beim Kampf um die Fünf-Millionen-Stadt Bagdad einstellen? (tko)

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links