1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Albino-Morde in Tansania

Seit zwei Jahren leben Albinos in Tansania in ständiger Angst. Über vierzig Menschen wurden bereits ermordet. Dahinter steht der Aberglaube, dass Körperteile von Albinos zu Glück und Reichtum verhelfen.

Mitglieder der Mwanza Albino Association in Tansania (Foto: Judith Fehrenbacher)

Mit breitkrempigen Hüten versuchen die Albinos die Sonne fernzuhalten

Am südlichen Ufer des Viktoriasees, in den Regionen Mwanza und Shinyanga, klafft die soziale Schere weit auseinander. Die Gegend ist von großer Armut geprägt. Doch einige wenige haben es durch Gewinne aus Goldminen und der Fischindustrie zu sagenhaftem Reichtum gebracht. Dieses Ungleichgewicht innerhalb der Gesellschaft heizt den Hexenglauben der hier lebenden Sukuma weiter an. Die meisten Übergriffe auf Albinos fanden in dieser Gegend statt.

Leichter Rückgang der Morde

Albino-Junge aus Burundi (Foto: picture-alliance/dpa)

Auch Kinder wurden bereits zu Mordopfern

"Die Albinos leben immer noch in Angst, aber es gibt auch Hoffnung". Dieses Jahr seien bisher nur wenige Albinos getötet worden, sagt der Generalsekretär der Mwanza Albino Association, Mashaka Hennos. Allerdings hat es Ende Juni einen erneuten Mordfall in der Region Mwanza gegeben, wie die tansanische Zeitung "Citizen" berichtet. Das bereitet Hennos und den Mitgliedern seiner Organisation neue Sorgen. Hennos ist selbst von der Pigmentstörung betroffen. Seine Organisation wurde ursprünglich gegründet, um die gesundheitliche und soziale Situation der Albinos, die unter Augen- und Hautkrankheiten leiden und gesellschaftlich ausgegrenzt und stigmatisiert werden, zu verbessern. Die Morde haben diese Probleme vorerst in den Hintergrund gerückt.

Täter oder Sündenböcke?

Traditionelle Heiler in Südafrika (Foto: AP)

Traditionelle Heiler spielen in Afrika eine große Rolle

Für Hennos sind die Schuldigen die traditionellen Heiler, die den Leuten weiß machten, sie könnten durch die magische Verwendung von Albino-Organen und Körperteilen reich werden. Aber die Regierung habe im Januar den Heilern ihre Lizenzen entzogen. Hennos hält dies für die wirksamste Maßnahme zur Eindämmung der Morde. Fumbuki Lubasa, ein Sprecher der traditionellen Heiler, sieht das anders. Lubasa beklagt, dass ein ganzer Berufsstand diskreditiert würde. Die wenigen schwarzen Schafe unter den Heilern rechtfertigten das Vorgehen der Regierung nicht.

Heimliches Praktizieren

Seitdem die Regierung die Genehmigungen für Heiler aufhob, machen viele heimlich weiter. Tatsächlich wäre die medizinische Versorgung der Landbevölkerung ohne traditionelle Heiler kaum zu bewerkstelligen. Lubasa beklagt den Machtverlust der Ältestenräte der Sukuma, ein Prozess, der seiner Meinung nach unter der sozialistischen Regierung des ersten tansanischen Präsidenten Julius Nyerere seinen Anfang nahm. Damals wurden die halbnomadischen Sukuma in sogenannten Ujamaa-Dörfern sesshaft gemacht und zentralen Verwaltungsstrukturen unterstellt. "Diese Transformation zerstörte die alte traditionelle Ordnung und hinterließ einen Mangel an Kontrolle."

Die Maßnahmen der Regierung

Tansanias Präsident Jakaya Mrisho Kikwete (Foto: AP)

Präsident Jakaya Kikwete versprach den Albinos Schutz

Die Auswüchse des Hexenglaubens zu kontrollieren ist heute jedenfalls Aufgabe der Regierung, die auf Grund des weltweiten Aufsehens unter Zugzwang steht. Präsident Jakaya Kikwete versprach den Albinos Geleitschutz auf dem Weg zur Schule und zur Arbeit und berief demonstrativ eine Albino-Frau ins Parlament. Premierminister Pinda forderte im März die Bevölkerung auf, der Polizei anonyme Hinweise auf die Täter zu liefern. Laut Hennos stellt die Ergreifung mutmaßlicher Täter weniger ein Problem dar, als deren Verurteilung. "Die Polizei erledigt ihre Arbeit perfekt", meint er, "das Problem liegt bei den Gerichten: dort ist Bestechung üblich und wenn man Geld hat, kann man sich freikaufen." Nun sind in Tansania erstmals drei Männer, die der Ermordung eines Albinos bezichtigt werden, verurteilt worden - zum Tode.

Autorin: Judith Fehrenbacher

Redaktion: Katrin Ogunsade