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Wirtschaft

Akademisches Proletariat

Für viele hoch qualifizierte Angestellte ist der Jobverlust eine neue Erfahrung. Auch sie sind vor Arbeitslosigkeit nicht mehr sicher. Doch die großen Problemgruppen am Stellenmarkt sind die alt bekannten.

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Auch gut Ausgebildete müssen immer öfter im Arbeitsamt eine Wartenummer ziehen

"Mittlerweile werden verstärkt auch Manager kurzfristig entlassen. Es gibt viel Bewegung am Arbeitsmarkt unserer Mitglieder", sagt Manfred Erasmi, Geschäftsführer des Verbandes Angestellter Führungskräfte (VAF), im Gespräch mit DW-WORLD. Diesen Trend bestätigt auch Rudolf Möller von der Bundesanstalt für Arbeit (BA): "Die Zahl der arbeitslosen Akademiker hat sich überdurchschnittlich erhöht", sagt der Referatsleiter für Arbeitsmarktberichterstattung.

Unternehmensberater ohne Job

So waren beispielsweise im Juli 56 Prozent mehr Unternehmensberater arbeitslos gemeldet als im Jahr zuvor. Bei den Werbefachleuten hat sich im Vergleich zum Vorjahr laut BA die Zahl der Joblosen fast verdoppelt. Auch Juristen mit einem Drittel und diplomierte Kaufleute mit einem Viertel mehr Arbeitslosen blieben nicht verschont.

Beim Verband Angestellter Führungskräfte beschäftigen sich die Juristen mit einem Drittel mehr Rechtsstreitigkeiten wegen Kündigung und Entschädigung als im Jahr zuvor. "Im Wesentlichen geht es dabei um Ansprüche unserer Mitglieder aus Insolvenzen. Ob und in welcher Höhe sie Geld bekommen", sagt VAF-Geschäftsführer Erasmi. Mit 40.000 zahlungsunfähigen Unternehmen wird in diesem Jahr gerechnet – fast ein Viertel mehr Insolvenzen als im Vorjahr.

Pleite gehende Bertriebe nennt auch Möller von der BA als Grund für immer mehr arbeitslose Akademiker. "Der gescheiterte New-Economy-Boom hat einige Firmen mitgerissen." Und mit ihnen die hoch bezahlten Angestellten. "Wenn sich ein Boom nicht als tragfähig erweist, bricht er zusammen", sagt der Arbeitsmarktexperte im Gespräch mit DW-WORLD.

Allerdings sind von dem schlechten Jobtrend nicht alle gut ausgebildeten Angestellten gleichermaßen betroffen. So sind Wirtschaftsprüfer weiterhin sehr gefragt. Und auch Mediziner haben derzeit keine Jobprobleme. "Ärzte haben einen fantastischen Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote innerhalb dieser Berufsgruppe liegt bei nur zwei Prozent", sagt Möller.

Neue Stellen unter schlechten Bedingungen

Schwer gebeutelt ist hingegen die Branche für Informationstechnologie (IT) , laut Möller gibt es in diesem Bereich erhebliche Probleme. "In der IT-Branche wird im großen Stil entlassen, die Spezialisten müssen zum Teil Monate lang suchen. Und wenn sie eine neue Stelle finden, dann unter deutlich schlechteren Bedingungen als früher."

Doch auch wenn Arbeitslosigkeit für viele Hochqualifizierte eine neue und erschreckende Erfahrung ist, am gesamten Arbeitsmarkt gibt es andere Schwierigkeiten. Möller sieht nach wie vor andere Problemgruppen: Ältere Menschen, gering Qualifizierte und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen.

So hatten Arbeitslose über 45 Jahren im September 2001 einen Anteil von 40 Prozent aller Erwerbslosen. In diesem Jahr dürften die Zahlen ähnlich aussehen. Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Schwerbehinderte machten ein Fünftel aus. Und innerhalb der Gruppe gering qualifizierter Stellenloser liegt die Arbeitslosenquote laut Möller bei 20 Prozent. Von den Hochschulabsolventen sind hingegen nur vier Prozent ohne Anstellung. "Grundsätzlich gilt weiterhin: Je höher die Qualifikation, um so geringer die Arbeitslosenquote", sagt Referatsleiter Möller von der Bundesanstalt für Arbeit.

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