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Asien

Ais Festnahme erntet Kritik und Zustimmung

Mit dem Künstler Ai Weiwei sitzt einer der scharfzüngigsten Regimekritiker Chinas in Haft. Doch die Reaktionen der Blogger sind merkwürdig indifferent. Sie reichen von Empörung bis hin zu offener Zustimmung.

Ai Weiwei auf der Münchner Ausstellung 'Ai Weiwei. So sorry' vom 09.10.2009 bis 17.01.2010 (Foto: dpa)

Ai Weiwei auf der Münchner Ausstellung "Ai Weiwei. So sorry" 2009

Ai Weiwei, 53, Chinas bekanntester Provokateur aus der chinesischen Intellektuellenszene, ist nicht nur ein Querdenker in Sachen Kunst. Ai, Sohn eines der meistbeachteten chinesischen Poeten, ist auch eine wortgewaltige Stimme im chinesischen Internet. Er und seine Mitarbeitern bloggen und twittern. Seitdem chinesische Sicherheitskräfte Ai auf dem Internationalen Flughafen von Peking festnahmen, ist es im chinesischen Internet still geworden um den Kritiker.

Kein einheitliches Bild in der Blogosphäre

Ein Internet-Cafe in China (Foto: AP)

Zensur im chinesischen Web

Rund um die Uhr kontrollieren Internet-Provider und staatliche Zensoren das Netz. Was nicht genehm ist, wird gelöscht. Dennoch rufen einige Mutige, wie der Twitter-User "Willyluo", zu Protesten gegen Ais Festnahme auf. Er forderte, dass sich Twitter-Freunde "vor Ais Haustür zu einer friedlichen Kundgebung versammeln" sollen.

Viele Leser wird "Willyluo" in China wohl nicht erreichen. Das Kurznachrichtenportal Twitter ist innerhalb Chinas verboten. Daher finden nur wenige Festland-Chinesen über eine Umgehungssoftware Zugang zu den im Westen so populären Kurztexten.

Auch der User "Dumingrong" ist entsetzt: "Künstler sind keine Kriminelle", schreibt er und fordert die sofortige Freilassung Ai Weiweis. Ein anderer, der anonym bleiben will, nennt Ais Festnahme auf posterous.com schlicht "weißen Terror" seitens der Führung in Peking.

Zurückhaltende Töne herrschen vor

Andere sind zurückhaltender. "Ruanji" mahnt, dass es die Medien seien, die den größten Einfluss auf die schweigsamen Massen hätten. Die Kommunistische Partei habe "auch Angst vor dem Druck" von unten. Er fragt sich, ob Ai Weiwei nicht auch mit dem Regime "gespielt" habe. "Nun wissen beide Seiten nicht, wie es weitergeht."

Ein User namens "Qingliu", der angibt, er komme aus China, schreibt, dass die Festnahme ein deutliches Beispiel dafür sei, wie groß die Angst der Pekinger Machthaber sei, denn Ai habe nicht einmal ein Mandat des Volkes. "Aber denen ist jetzt klar geworden, dass das chinesische Volk nun langsam aufwacht."

Die Regierungsanhänger jubeln

Der chinesische Künstler Ai Weiwei 2009 im Krankenhaus in München (Foto: dpa)

2009 wurde Ai von chinesischen Sicherheitskräften verletzt

Beifall für das rigide Vorgehen der Sicherheitskräfte gibt es aber auch. "Herzlichen Glückwunsch zur Verhaftung eines Landesverräters!" schreibt ein Anonymus. Ein anderer fordert, Ai Weiwei gleich ins "Irrenhaus" zu stecken.

Einer, der sich "Klatschreporter Wang" nennt, spielt auf die kürzlich bekannt gewordenen Pläne Ai Weiweis an, sich in Berlin ein zweites Künstleratelier einzurichten, nachdem sein Atelier-Neubau in Shanghai von Behörden abgerissen worden war. "Klatschreporter Wang" erkennt darin eine merkwürdige Ironie und schreibt: "Unfassbar, dass Ai Weiwei sein neues Studio in Hitlers Heimat eröffnen will. Bedeutet das nicht, dass er eher in der Hölle zurecht kommt als in China?"


Autoren: Bihui Chiu/Adrienne Woltersdorf
Redaktion: Martin Muno

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