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Luftfahrt

Air Berlin meldet Insolvenz an

Immer wieder pumpte Großaktionär Etihad dreistellige Millionenbeträge in die zweitgrößte deutsche Airline. Jetzt haben die Scheichs den Hahn abgedreht. Die Lufthansa kündigt an, Teile von Air Berlin zu übernehmen.

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat Insolvenzantrag gestellt. Der Flugbetrieb werde aber fortgeführt, teilte die Fluggesellschaft am Dienstag mit. Nachdem Hauptaktionär Etihad erklärt habe, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen, sei man "zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht", hieß es in einer Pflichtmitteilung an die Börse. Vor diesem Hintergrund hätte sie beim zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, teilte Air Berlin mit.

Bei dieser Variante des Insolvenzverfahrens würde das Management des Unternehmens weiter die Geschäfte führen. "Es werden Verhandlungen mit Lufthansa und weiteren Beteiligten zur Veräußerung von Betriebsteilen geführt", teilte Air Berlin weiter mit. 

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Lufthansa und Bundesregierung helfen

Die Lufthansa bestätigte Gespräche mit  Air Berlin. Man befinde sich "in Verhandlungen über den Erwerb von Teilen der Air Berlin Gruppe", teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Die Lufthansa unterstütze "gemeinsam mit der Bundesregierung" die Restrukturierung von Air Berlin.

"Damit wird unter anderem gewährleistet, dass die von Air Berlin geleasten Flugzeuge, die aktuell für Eurowings und Austrian Airlines fliegen, wie bisher weiterbetrieben werden können." Die Verhandlungen über den Erwerb von Teilen der Air-Berlin-Gruppe böten auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal. "Lufthansa beabsichtigt, diese Verhandlungen zu einem schnellen und positiven Ergebnis zu führen."

Die Bundesregierung stellte nach eigenen Angaben einen Übergangskredit zur Verfügung. Der 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes sichert den Flugbetrieb der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin für ungefähr drei Monate. Davon geht Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) aus, wie sie am Dienstag sagte. Zugleich äußerte sie sich zuversichtlich, dass in den nächsten Monaten eine Übernahme von Teilen der zweitgrößten deutschen Airline durch die Lufthansa gelingen könnte. Der Kredit schaffe für den Übergang einen Rahmen. Zypries schloss aus, dass der Bund Schulden von Air Berlin übernehmen könnte, um eine Übernahme zu ermöglichen. Auf die Frage nach möglichen weiteren Krediten des Bundes für Air Berlin sagte sie, über diese Frage werde entschieden, wenn es an der Zeit dafür sei.

Ethiad will Schaden von sich selbst abwenden

Etihad, die selbst in Schwierigkeiten steckt, könne kein weiteres Geld bereitstellen, erklärte die Airline aus Abu Dhabi am Dienstag. "Diese Entwicklung ist äußerst enttäuschend für alle Beteiligten, vor allem da Etihad in den vergangenen sechs Jahren weitreichende finanzielle Unterstützung für Air Berlin während früherer Liquiditätskrisen und für deren Sanierungsbemühungen gewährt hat." Erst im April habe Etihad weitere 250 Millionen Euro zugeschossen. "Doch das Geschäft von Air Berlin hat sich in einer beispiellosen Geschwindigkeit verschlechtert." Als Minderheitsaktionär könne Etihad kein weiteres Geld zuschießen und das eigene Risiko erhöhen. Die Fluggesellschaft war 2011 bei Air Berlin eingestiegen und hält knapp 30 Prozent an der Airline. 

Seit Jahren in den roten Zahlen

Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein, 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) teilte mit, die Nachricht sei "für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Air Berlin, die seit Bestehen der Airline eine hervorragende Arbeit leisten, ein Schock". Etihad lasse Air Berlin "fallen wie eine heiße Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert haben", kritisierte VC. "Hier zeigen die Investoren vom Golf ihr wahres Gesicht."

Gebuchte Tickets bleiben gültig

Nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin bleiben nach Angaben des Unternehmens alle gebuchten Tickets gültig. Auch die Flugpläne würden nicht geändert, hieß es am Dienstagnachmittag auf der Internet-Seite von Air Berlin. Alle Flüge von Air Berlin und ihrer Tochter Niki fänden wie geplant statt. Zudem seien auch alle vorgesehenen Flüge weiterhin buchbar, teilte die Fluggesellschaft mit.

Die 1978 gegründete Fluggesellschaft Air Berlin ist mit dem Boom der Billigflieger groß geworden. Erfolg hatte Deutschlands zweigrößte Airline zunächst mit Flügen von Berlin nach Mallorca. 2002 nahm sie Linienflüge in europäische Städte ins Programm. Nach einem radikalen Expansionskurs geriet das Unternehmen in eine Krise. Seit 2008 schreibt Air Berlin - mit einer Ausnahme durch den Verkauf des Vielfliegerprogramms - rote Zahlen. Im vergangenen Jahr betrug der Verlust rund 782 Millionen Euro, der Schuldenberg wuchs auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Jahrelang hielt der arabische Großaktionär Etihad, der 29,2 Prozent der Anteile besitzt, die Airline mit Finanzspritzen in der Luft.

hb/ul (dpa,rtr)

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